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Das Projekt Verbraucherrechte in der digitalen Welt endet am 31.12.2015, so dass diese projektbezogene Internetseite www.surfer-haben-rechte.de nicht mehr weiter aktualisiert werden kann.

Auch Hacker sind Verbraucher

Auch Hacker sind Verbraucher
Wie vom Kongress des Chaos Computer Clubs neue Impulse für alle ausgehen

Ein Roboter, der Cocktails mixt? Eine Rohrpostleitung, angetrieben durch Staubsauger? 3D-Drucker, die individuelle Namensschilder herstellen oder Nähmaschinen, die am Computer entworfene Muster aufs T-Shirt nähen? Alles kein Problem, schließlich sind genug Hacker anwesend. Abseits der netten Spielerein zeigte der 31. Chaos Communication Kongress des Chaos Computer Clubs: Der Kongress ist nicht erst dieses Jahr zu einer wichtigen gesellschaftspolitischen Veranstaltung gereift. Von hier gehen wichtige Impulse aus, besonders auch für Verbraucherinnen und Verbraucher. Das machte alleine auch die Anzahl von 46 Vorträgen aus den Bereichen Gesellschaft und Kultur deutlich - zehn mehr als im Thema Security & Hacking, dem eigentlichen Kernthema des Kongresses.

Reuben Binns ist ein solcher Impulsgeber. Der Informatiker hielt auf dem Kongress einen Vortrag zu neuen Chancen für Verbraucherinnen und Verbraucher. So sei Werbung im Internet eigentlich immer Überwachung, so Binns. Werbeplätze werden in Millisekunden versteigert und Datensammler bieten die Werbeplätze umso teurer an, je mehr sie über die Nutzerinnen und Nutzer wissen – zumindest in der Theorie, so Binns. Knapp die Hälfte der Werbung werde dabei jedoch sowieso nie betrachtet oder geblockt. Und dennoch erstellen die Werbetreibenden sehr genaue Profile, um ihre Werbung zu personalisieren. Die Grenzen zwischen Personalisierung und Diskriminierung verwischen zusehends, warnt Binns.

Zeit für neue Ideen

Binns schlägt auch Alternativen vor:Umgekehrte Auktionen etwa, bei denen die Käufer die Firmen auffordern, ein Angebot abzugeben, für etwas, das sie kaufen wollen. Der amerikanische Dienst Flubit oder der deutsche Dienst my-hammer bietenso etwas bereits.

Auch Crowdfunding könnte laut Binns eine solche Alternative sein. Das Prinzip ist in den letzten Jahren immer beliebter geworden und garantiert den Herstellern, dass eine Nachfrage für ein neues Produkt bereits vorhanden ist – pre-order economy nennen Experten dieses Modell. Binns geht noch weiter: Warum die Überwachung nicht einfach umdrehen und Lieferketten und die Einhaltung von Standards kontrollieren? Käuferinnen und Käufer könnten damit selbstbestimmter handeln und Kriterien für ihren Kauf festlegen.

Aber das Internet macht es nicht nur einfacher für Verbraucher. Es schafft einen Informationsüberfluss, den nicht jeder bewältigen kann. Binns fordert deshalb vor allem Transparenz der Verkäufer statt die Käufer zu überwachen, um sie noch besser zu manipulieren.

Wer schaut dir beim Lesen zu?

Wie sehr Überwachung schon alltäglich geworden ist, zeigen Maria Xynou und Claudio Agosti mit ihrem Projekt „trackography.org“.Die Webseite listet detailliert auf, was eigentlich passiert, wenn man eine Zeitungsseite im Internet aufruft: Tracker auf der Seite überwachen, welche Artikel gelesen werden, wie lange man auf den Artikeln bleibt und wohin man anschließend klickt. Aber diese Informationen sind nicht nur für die Zeitungsmacher verfügbar – das wäre ja noch ein legitimer Grund. Allerdings würde dafür auch ein Tool reichen, das die Daten außerdem nur lokal erhebt. Auf manchen Seiten sind aber über 30 verschiedene Tracker installiert.

Profilbildung durch Zeitungslesen?

Diese erfassen nicht nur, was wir lesen, sondern leiten diese Informationen auch an Unternehmen in anderen Ländern. Wer dann noch so Zugriff darauf hat, was wir lesen, ist überhaupt nicht klar. Und womit diese Daten dann noch kombiniert werden – Facebook-Likes, Amazon-Shopping – wer weiß das schon? 

Profilbildung also auch hier. Womit wir wieder bei der Werbung wären. Denn viele dieser Tracker werden über Werbeanzeigen von Werbevermarktern ausgeliefert. Diese sammeln die Daten aber nicht nur auf einer Webseite, sondern auf jeder Webseite, die in dieses Werbenetzwerk eingebunden ist und auf jeder dieser Webseiten wird der Leser wieder erkannt. Diese Daten werden dann zu Profilen zusammengeführt und für angeblich noch genauere Werbung benutzt. Schützen können Sie sich mit Ghostery oder dem PrivacyBadger, zwei kleine Tools, die diese Tracker blockieren. Aber eigentlich ist ein Umdenken der Webseitenbetreiber gefragt.

Ist es nicht egal, welche Zeitungen wir lesen?

Niemand würde sich beim sonntäglichen Zeitungslesen so genau über die Schulter gucken lassen – warum dann online? Daten wecken Begehrlichkeiten, so viel ist klar. Und seit Edward Snowden wissen wir, Daten wecken besonders die Begehrlichkeiten von Geheimdiensten. Und wer bei seiner nächsten USA-Reise keine Probleme haben möchte, sollte vielleicht nicht so viel über die NSA- und Geheimdienstenthüllungen lesen und anschließend einen Flug in die USA buchen. Die bittere Ironie: Gerade Spiegel Online, die in Zusammenarbeit mit Jacob Appelbaum und Laura Poitras viele Dokumente aus dem Snowden-Fundus veröffentlichen, tracken ihre Leser laut trackography mit über 30 kleinen Programmen – und leiten diese Daten auch an unbekannte Server, allerdings nicht in die USA. Dennoch, hier ist ein Umdenken gefragt und auch die Verlage müssen ein Interesse daran haben, ihre Leserinnen und Leser nicht zu verkaufen.

Alle Vorträge finden sich auf der Medien-Webseite des Chaos Computer Clubs.

Eine ausführliche Beschreibung der Vorträge finden Sie im Fahrplan. Aus unserer Sicht lohnen sich außerdem noch besonders die Vorträge zum Copyright, zur NSA-Abhörpraxis auf dem Teufelsberg in Berlin und der Vortrag von Karsten Nohl, der zeigt, wie leicht Handys leider immer noch abgehört werden können und wie wenig die Anbieter dagegen unternehmen.

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Kommentare
Auch Ihre Seite überwacht: piwiks facebook social-links oder versucht es zumindest. Aber mit Adblock Plus lässt sich das blockieren. Neben nerviger, blinkender Reklame, blockt der nach Einstellung auch Datensammler. Wer es zum ersten mal installiert, kriegt eine Seite angezeigt, die diese Adresse hat: chrome://adblockplus/content/ui/firstRun.html Darin kann man eben auch Datensammler blockieren lassen. Aber etwas Reklame sollte man doch schon dulden. Schließlich gibt es im Netz eine Menge Dinge für die wir nicht direkt etwas bezahlen, die den Anbieter aber Geld kosten. Von daher sehe ich nicht aufdringliche Textwerbung als in Ordnung an (hab ich im ABP zugelassen) und klicke die auch gelegentlich an wenn das halbwegs interessant klingt. Gekauft habe ich aber vermutlich noch nie etwas aus einer Reklame, die ich im Netz gelesen habe sondern nur durch Weiterempfehlungen oder weil ich selbst danach gesucht habe und eben Bedarf hatte.
Hallo Michael, ja, wir benutzen Piwik, um zu sehen, welche Artikel bei uns gut laufen und welche Themen für die Verbraucherinnen und Verbraucher interessant sind. Das lässt sich natürlich blockieren mit Adblock oder auch abstellen unter "Datenschutzhinweise" ganz unten auf unten auf unserer Seite. Wir selber schalten keine Werbung, aber du hast natürlich Recht, gerade bei kostenlosen Angeboten, die die Macher aber Geld kosten, sollte man sich überlegen, ob man einfache Textwerbung zulässt. Viele Grüße
Aber um die Seitenaufrufe zu verfolgen (wofür ich auf der eigenen Homepage durchaus Verständnis habe) kann man doch auch Statistik-Programme einsetzen die einfach gucken wie häufig auf die Datei (auf dem Server) zugegriffen wurde. Was mich aber noch weiter / mehr stört sind die Social-Media-Teile. Ich bin nicht beim Gesichtsbuch und will auch nichts mit denen zu tun haben. Auch nicht indem ich die Webseiten aufrufe die eigentlich nicht zu denen gehören indirekt aber Datensammlung für die machen indem sie die Like-Links usw. einsetzen, die jedes mal vom Gesichtsbuch geladen werden und die das somit auch mitbekommen. Eine meiner Meinung nach gute Möglichkeit ist diese 2-click-Methode, wo man erst einmal drauf klicken muss, um die eigentliche Verbindung zu bekommen. Wer damit nichts zu tun haben will, klickt nicht drauf und es kommt auch keine Verbindung zustande. Auch wenn ich mich persönlich jetzt nicht so ärgere weil ich eben ABP habe, meine ich ist es auch für Nutzer die gar keine Ahnung davon haben dass es das überhaupt gibt eine Hilfe. Gruß
Hallo Michael, die Serverstatistik-Programme sind zwar auch hilfreich, aber doch leider sehr ungenau, wenn es um die konkrete Anzahl der Besucherinnen und Besucher geht. Allerdings sollte man sich hier wirklich auf lokale Programme stützen und nicht etwa Google Analytics verwenden. Die Teilen-Funktion ist in der Tat ärgerlich und besonders mit den neuen Datenschutzbestimmungen bei Facebook wird das Hinterherspionieren ab morgen dann noch allumfassender. Deshalb sollte es die Zwei-Klick-Lösung in der Tat der Standard sein - oder man verwendet weben wirklich einen Werbeblocker, der die Teilen-Buttons blockiert!