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Das Projekt Verbraucherrechte in der digitalen Welt endet am 31.12.2015, so dass diese projektbezogene Internetseite www.surfer-haben-rechte.de nicht mehr weiter aktualisiert werden kann.

Big Data – Freund oder Feind?

Big Data – Freund oder Feind?
Brauchen wir Schutz vor Big Data?

Man nehme ein Zettabyte Bewegungsdaten und fügt dem eine Prise Twitter bei, runde das Ganze mit einem Spritzer Gesundheitsdaten ab und verarbeite die Masse zu „Big Data“. Erfolgsrezept oder (riskanter) Hype? Es kommt drauf an - wie so oft im Leben. Big Data bietet für Verbraucher und Unternehmen viele Chancen, vorausgesetzt, das Persönlichkeitsrecht des Verbrauchers steht an erster Stelle.

Big Data bezeichnet die massenhafte Verarbeitung, Zusammenführung und Analyse von Daten aus unterschiedlichsten Quellen in Echtzeit. Soweit die kurze, abstrakte und zunächst inhaltsleere Definition. Doch was bedeutet das genau?

Ein Einkauf mit einer Kundenrabattkarte, der Eintrag in einem Sozialen Netzwerk, Suchanfragen im Internet, Bewegungsdaten durch das Smartphone, intelligente Stromzähler, Daten aus dem Gesundheitswesen: ständig werden Daten produziert und Informationen gesammelt. Informationen, die teils bewusst oder unbewusst, aber auch durch Technik oder Maschinen ohne gezielte Einflussnahme durch den betroffenen Menschen entstehen. Viele Unternehmen verfügen damit schon heute über Unmengen an Daten, die kaum beherrschbar sind. Zu Schätzen werden diese Datenmengen, wenn sie durch den Einsatz von Analyse-Software zusammengeführt und für bestimmte Prozesse genutzt werden.

Big Brother is watching you? Nein, Big Data lässt grüßen!

Wer wünscht sich nicht einen stress- und staufreien Weg mit dem Auto zur Arbeit dank intelligenter Leitsysteme? Wer steht nicht hinter Big Data in der Forschung und Medizin zur Bekämpfung lebensbedrohender Krankheiten oder zur Verhinderung von Epidemien?

Problematisch wird es immer dann, wenn Daten, die ursprünglich und für sich betrachtet, keine Aussagekraft im Hinblick auf eine bestimmte Person haben, mit anderen Daten aus anderen Quellen zusammen geführt werden. Dann können schnell aus anonymen Daten durch den Einsatz von Analyse-Software neue Erkenntnisse über einzelne Privatpersonen gewonnen werden. Nutzer haben in der Regel kein Wissen von der Zusammenführung und Verwendung dieser Daten. Und eine tatsächliche Anonymisierung wird mit der Masse an Daten immer schwieriger.
Welche Frau würde sich beispielsweise nicht verfolgt fühlen, wenn sie unter Verwendung einer Kundenrabattkarte einen Schwangerschaftstest gekauft hat und kurze Zeit später mit Werbung für eine Creme zur Vorbeugung von Schwangerschaftsstreifen auf einer Internetseite konfrontiert wird? Solche Szenarien sind schon heute Realität. Das US-Unternehmen Target erstellt beispielsweise einen „Pregnancy Predicition Score“.

Vertrauen ist wichtig

Big Data birgt ein erhebliches Risiko für den Persönlichkeitsschutz der Nutzer. Aber auch für Unternehmen entstehen Probleme, wenn sie den Wunsch der Verbraucher nach Privatsphäre nicht beachten. Denn Verbraucher, die nicht mehr die Hoheit über ihre eigenen Daten haben oder aus Angst neuen Technologien und Diensten nicht vertrauen, werden sich diesen künftig verweigern.

Bevor Unternehmen oder Behörden in Technologien investieren, um Big Data zu nutzen, ist es wichtig, zunächst in das Vertrauen der Nutzer zu investieren. Der verantwortungsvolle Umgang mit den Daten der Nutzer, Offenheit und Transparenz bei der Erhebung und Verwertung sensibler Daten müssen die oberste Maxime für die Wirtschaft sein. Es darf keine personenbezogene Datenanalyse und –nutzung ohne Zweckbindung und ohne Einwilligung des Betroffenen geben. Nutzer dürfen sich den Prozessen des Big Data nicht schutzlos ausgesetzt fühlen. Sie müssen mitbestimmen können, ob und in welcher Form ihre Daten verwendet, zusammengeführt und genutzt werden.

Die EU-Datenschutz-Grundverordnung als Voraussetzung für Big Data

Trotz der vielfältigen Chancen, die Big Data bietet, dürfen die Persönlichkeitsrechte der Nutzer nicht auf der Strecke bleiben. Es ist ein Grundrecht, dass der Einzelne selbst über die Preisgabe und Verwendung seiner persönlichen Daten bestimmen können muss. Die Europäische Union strebt mit der EU-Datenschutz-Grundverordnung einen verbesserten, harmonisierten und modernen Datenschutz in Europa an, der die Privatsphäre der Verbraucher auch in Zukunft gewährleistet. Der Verbraucherzentrale Bundesverband unterstützt dieses Vorhaben und setzt sich dafür ein, dass das bestehende Datenschutzrecht gemäß der etablierten Grundprinzipien weiter entwickelt wird. Das gilt insbesondere für die weite Definition personenbezogener Daten und das Verbotsprinzip mit Einwilligungsvorbehalt.

Die Politik und die Wirtschaft müssen dafür Sorge tragen, dass das Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung auch in Zukunft gewahrt bleibt. Nur so wird Big Data eine Chance haben!

Im Rahmen des "Safer Internet Day 2013" veranstalten das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz und der BITKOM - Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und Neue Medien e.V. am 5. Februar 2013 die Konferenz "BIG DATA – Goldmine oder Dynamit?"

  • 4. Februar 2013
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