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Das Projekt Verbraucherrechte in der digitalen Welt endet am 31.12.2015, so dass diese projektbezogene Internetseite www.surfer-haben-rechte.de nicht mehr weiter aktualisiert werden kann.

CC bei der ARD

CC bei der ARD
Kopieren in Zukunft erwünscht, aber nicht überall

Die ARD hat angekündigt, Teile ihres Programms in Zukunft unter eine sogenannte Creative-Commons-Lizenz zu stellen. Damit dürfen die so lizenzierten Inhalte beliebig weiterbenutzt werden – aber nicht ganz ohne Einschränkungen. Den „Tatort“ wird man damit also nicht auf DVD brennen und weiterverkaufen dürfen. Aber Remixen und Teilen könnte einfacher werden. Wir stellen die Lizenzen und das Konzept der ARD vor.

Modularer Aufbau

Texte, Bilder, Videos oder andere Werke unter einer Creative-Commons-Lizenz dürfen von jedem kostenlos benutzt werden. Im Detail unterscheiden sich die Lizenzen aber. Die Quellenangabe (also der Autor) und die Lizenz müssen immer genannt werden – das ist die Grundlizenz“ CC-BY (für Creative-Commons mit Namensnennung). Bilder, Fotos oder andere Werke mit dieser Lizenz dürfen benutzt, verändert, anders lizensiert oder bearbeitete Werke sogar verkauft werden. Wer bestimmte Einschränkungen in der Verwendung des Werkes machen möchte, kann verschiedene Bedingungen in der Lizenz modular hinzufügen. Mit dem „Modul“ SA (für Share-Alike, also Teilen nur unter gleichen Bedingungen) müssen neu entstandene Werke, die auf einem CC-BY-SA Werk beruhen, auch immer genau diese CC-Lizenz verwenden. Das Modul „ND“ (für No-Derivates, also keine abgeleiteten Werke) verbietet Abwandlungen des Ursprungswerkes und das Modul „NC“ (für Non-Commercial, also Nicht-Kommerziell) verbietet eine kommerzielle Verwendung. Ein Sonderfall ist die sogenannte CC0 Lizenz, mit der Urheberrechte soweit wie möglich abgetreten werden.

Wikipedia schon immer unter CC

Das wohl bekannteste Beispiel sind die Texte der Wikipedia, die von jedem kostenlos übernommen werden dürfen – auf seiner eigenen Webseite oder in gedruckten Werken, die sogar verkauft werden können. Im Unterschied etwa zu den Texten von Spiegel Online oder der FAZ, die natürlich ihre Artikel anderen Zeitungen oder Magazinen nicht kostenlos zur Verfügung stellen. Auch unsere Texte stehen unter einer CC-Lizenz: CC-BY-ND. Sie dürfen also diesen Text kostenlos auf ihrer Webseite einbinden, dürfen ihn allerdings nicht verändern und müssen uns als Quelle nennen. Und auch viele unserer Bilder haben wir kostenfrei aus dem Internet übernommen – entweder unter einer CC oder einer CC0-Lizenz.

Was macht jetzt die ARD?

Die ARD ist einer der größten Produzenten von urheberrechtlich geschützten Inhalten, die von der Allgemeinheit finanziert wird, durch den Rundfunkbeitrag. Für die selbstproduzierten Beiträge haben wir alle also schon einmal gezahlt. Bisher stehen diese Beiträge meist nicht unter einer CC-Lizenz. In einem Standpunkte-Papier des netzpolitisch engagierten Vereins D64 e.V. aus dem Januar 2014, verfasst von Leonhard Dobusch, heißt es dazu:

Das Einbinden der MP3-Datei einer Radioreportage oder eines Ausschnitts eines Fernseh-Interviews auf dem eigenen Blog ist in der Regel nicht ohne weiteres möglich.

Und das zum Beispiel eigentlich auch dann, wenn man selbst der Interviewpartner war. Das Papier listet noch eine Vielzahl weiterer Gründe auf, warum der öffentlich-rechtliche Rundfunk Creative-Commons-Lizenzen benutzen sollte. An manchen Stellen tut er es auch schon, so stehen zum Beispiel der „elektrische Reporter“ auf ZDFneo oder Zapp auf NDR unter Creative-Commons-Lizenzen. Problematisch ist die flächendeckende CC-Nutzung aber aufgrund der häufigen Verwendung von Gema-Musik in Beiträgen oder die fehlende vertragliche Grundlage bei Auftragsarbeiten.

Bald noch mehr CC-Lizenzen in der ARD?

In einem 21-seitigen Papier, das iRights.info Anfang Oktober veröffentlicht hat, kommt eine Arbeitsgruppe der Rundfunkanstalten zu einem positiven Ergebnis und will mehr CC-Lizenzen benutzen, weil „der Einsatz von CC für ausgewählte ARD-Inhalte bei sorgfältiger Rechteprüfung sinnvoll ist. Die ARD hat den Auftrag, die Teilhabe an der Informationsgesellschaft zu fördern und die Mitwirkung an der Meinungsbildung zu ermöglichen.“

Erklärbeiträge und Remixe

Welche Inhalte demnächst mit solchen Lizenzen ausgestattet werden können, erklärt die ARD auch: „Besonders bei Bildungsinhalten, Erklärbeiträgen, Interviews oder Naturaufnahmen kann es sich mit Blick auf die Rechtelage lohnen, eine CC-Lizenzierung zu prüfen.“ Die Autoren der Studie tendieren bisher eher zum Model CC-BY-NC-ND, also „Nicht-Kommerziell“ und „keine Bearbeitung erlaubt“. Manche Formate, insbesondere Remixe, werden damit ausgeschlossen. Allerdings hat auch die ARD das geänderte Medienverhalten, die Youtube-Stars und kreative Remixer nicht vergessen und will auch –wo es möglich ist – die ND-Einschränkung aufheben. Rechtlich problematisch bleibt aber das NC-Modul, weil damit zum Beispiel die Verwendung auf Blogs, die Werbung schalten, nicht erlaubt ist. Als nächster Schritt sollen jetzt Pilotprojekte und Erklärungen zu den verschiedenen Lizenzmodellen erarbeitet werden.

Was bedeutet das für die Verbraucher?

Zwar sind die wenigsten Verbraucher direkt betroffen – denn Bearbeitungen oder Remixe erstellen die wenigsten. Aber viele profitieren von den kreativen Remixen und Ideen,  die durch eine kostenfreie Nutzung der Inhalte entstehen. Außerdem zahlen alle Verbraucher den Rundfunkbeitrag, also auch diejenigen Verbraucher, die die Werke benutzen, remixen oder einfach nur auf Ihre Seite stellen wollen. Bisher müssen sie dafür theoretisch doppelt zahlen oder dürfen das gar nicht, während CC-lizenzierte Inhalte für alle frei verfügbar sind. – Womit übrigens auch die Depublikationspflicht nach sieben Tagen umgangen werden könnte und die Inhalte endlich länger verfügbar wären.

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Kommentare
Sehr informativer und gelungener Text!