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Das Chromebook

Das Chromebook
Das Chromebook

Ab Mitte Juni kann man den neusten Clou aus dem Hause Google auch in Deutschland kaufen: das neuartige Chromebook, das die IT-Welt grundlegend verändern soll. Doch mit den neuen Möglichkeiten kommen auch neue Gefahren.

Das Chromebook ist kein Netbook im bisherigen Sinn. Es besitzt weder ein DVD-Laufwerk noch eine herkömmliche Festplatte. Daten können lediglich auf der bis zu 16 Gigabyte großen Speicherkarte hinterlegt werden. Aber dafür ist das Chromebook grundsätzlich auch überhaupt nicht gedacht. Denn – so die Idee Googles – alle Daten sollen in der „Cloud“ hinterlegt werden. Beim Cloud-Computing werden Daten nicht mehr wie bisher auf den Rechnern der Nutzer gespeichert, sondern auf verteilten „Rechnerwolken“ (der „Cloud“) im Internet abgelegt. Damit sind die Daten – zumindest theoretisch – jederzeit, überall, von jedem Gerät aus verfügbar.

Doch nicht nur Daten lassen sich in der Cloud speichern, ebenso können Anwendungen über diese Netze ausgeführt werden. Das Chromebook dient dann prinzipiell nur noch als Bildschirm und Eingabegerät. Daher gibt es auf dem Chromebook auch kein klassisches Betriebssystem mehr (wie Windows, MacOS oder Linux). Es gibt nicht einmal mehr einen Desktop. Alle Anwendungen und Daten werden über den Chrome-Browser aufgerufen. Einen anderen Browser wird man voraussichtlich nicht installieren können. Überhaupt werden Programme nicht mehr wie bisher manuell installiert, sondern über einen integrierten Onlineshop erworben und automatisch aktualisiert, wie man es auch bereits von vielen Smartphones kennt.

Dies ist praktisch für die Nutzer, hat aber auch einige Tücken. Um die genannten Features voll nutzen zu können (wenige Funktionen lassen sich auch offline anwenden), muss der Rechner ständig über eine Verbindung zum Internet verfügen, was einiges an Transfervolumen bedarf, womit gerade mobile Volumentarife schnell an ihre Grenzen stoßen können. Dies bedeutet aber natürlich auch einen Kontrollverlust für den Nutzer. Früher war es unerwünscht, wenn Programme ungefragt „nach Hause telefoniert“ haben, heute ist es das Konzept. Theoretisch kann Google jederzeit die Programme kontrollieren, ihre Nutzungsweise bestimmen, sie auf das Chromebook aufspielen oder davon löschen. Andere Cloud-Anbieter, wie z.B. Adobe behalten sich vor, Dienste und Materialien „nach eigenem Ermessen aus jedem beliebigen Grund“ zu löschen.

Auch können Risiken für den Datenschutz und die Datensicherheit entstehen. Der kürzlich eingetretene Crash der Amazon-Cloud hat gezeigt, dass auch diese Netzwerke ein gewisses Ausfallrisiko innehaben und, dass dort gespeicherte Daten unwiederbringlich verloren gehen können. Darüber hinaus weckt die Nutzung von Cloud-Computing bei vielen Verbrauchern die Sorge, die Kontrolle über ihre Daten zu verlieren: Wie sicher sind die Daten, wer hat Zugang dazu und wie werden sie verwendet? Werden sie analysiert, für Werbung ausgewertet und verkauft? Was ist, wenn der Dienst eingestellt wird? Ist es möglich die Daten zu einem anderen Anbieter zu migrieren? Wer ist verantwortlich, wenn Daten verloren gehen oder missbraucht werden? Können die Daten wieder gelöscht werden? Wie können Rechte geltend gemacht werden? All diese Fragen sind noch nicht geklärt, besonders wenn Clouds außerhalb Europas verwendet werden, wie es bei Google der Fall ist.

Der Nutzer sollte sich auf jeden Fall im Klaren sein, dass er bei der Nutzung eines Chromebooks Google und anderen Cloud-Anbietern wohl oder übel voll vertrauen muss, sowohl was die Sicherheit der Daten, als auch den Datenschutz angeht. Die einzige Möglichkeit, die Kontrolle über seine Daten (und die Daten über Familienmitglieder oder Freunde) zu behalten ist, die Daten bereits auf dem eigenen Rechner mit einer unabhängigen Software zu verschlüsseln. Dies kann sich allerdings negativ auf den Komfort auswirken und ist nicht möglich, sobald Anwendungen auf die Daten zugreifen müssen.

Für Unternehmen stellt sich die Lage noch ein wenig anders dar. Zwar soll es ein Abonnement-Modell geben, bei dem Firmen einen fixen Monatsbetrag bezahlen und dafür neben dem Chromebook auch automatische Hardware-Upgrades erhalten sollen. Allerdings wird vielen Unternehmen nicht bewusst sein, dass die Nutzung des Chromebooks nicht konform mit dem Datenschutzrecht möglich ist, sobald darauf personenbezogene Daten verarbeitet werden, wie beispielsweise Mitarbeiter- oder Kundendaten in Adressbüchern, Kalendern oder in E-Mails. Denn für eine solche „Auftragsdatenverarbeitung“ werden hohe Anforderungen an die Unternehmen gestellt, insbesondere bei der Nutzung von außereuropäischen Clouds. Bei einem Verstoß können Bußgelder oder Abmahnungen drohen

  • 7. Juni 2011
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