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Das Projekt Verbraucherrechte in der digitalen Welt endet am 31.12.2015, so dass diese projektbezogene Internetseite www.surfer-haben-rechte.de nicht mehr weiter aktualisiert werden kann.

Der Fall Facebook

Der Fall Facebook
Vom kleinen Studentenportal zum Datenimperium

Vom kleinen Studentenportal hat sich Facebook zum Datenimperium entwickelt. Was bedeutet das für Nutzer und die Gesellschaft?

Über eine Milliarde Menschen nutzen Facebook weltweit. In Deutschland hat Facebook die meisten Mitglieder, fast jeder zweite Internetnutzer hat ein Profil bei Facebook, so eine aktuelle Studie des Hightech-Verbandes BITKOM.

Soweit zu den Zahlen, die keine große Überraschung sind, wenn man sich die Entwicklung von Facebook in den vergangenen Jahren näher anschaut. Als kleines Studentenportal im Jahr 2004 gegründet, hat Facebook seinen Dienst stetig ausgebaut. Ob personalisierte Profile, Verknüpfungen mit Freunden, Gefällt-mir-Button, Freundefinder oder Gesichtserkennung, allen Diensten ist eines gemein: Es geht um die Sammlung, Zusammenführung und Verwertung der Nutzerdaten zur Profilbildung und Vermarktung – aller öffentlicher Kritik von Verbraucher- und Datenschützern sowie der Politik zum Trotz. Facebook ist zwar ein Soziales Onlinenetzwerk, aber keine soziale Einrichtung, sprich: Auch hier muss der Rubel rollen, selbst wenn die Nutzung dieser Plattform für die Mitglieder augenscheinlich kostenlos ist. Bezahlt wird hier mit den Daten, mal mehr, mal weniger vom Nutzer bemerkt. Nicht unverdient wurde Facebook kürzlich mit dem Big Brother Award ausgezeichnet, der Unternehmen überreicht wird, die in „besonderer Weise und nachhaltig die Privatsphäre von Menschen beeinträchtigen“.

Facebook arbeitet weiter daran, seine Monopolstellung auszubauen. Sicherlich könnte Anbietern anderer Sozialer Netzwerke entgegengehalten werden, den Startschuss verpasst zu haben, ihre Dienste attraktiver für die Nutzer zu gestalten beziehungsweise sich gezielter an den Interessen der Nutzer zu orientieren. Andererseits mag es auch daran liegen, dass insbesondere Anbieter Sozialer Netzwerke, die ihren Sitz in Deutschland haben, sich den gesetzlichen Regelungen eher unterwerfen als ein amerikanisches Unternehmen. Diesen Wettbewerbsvorteil hat Facebook geschickt verstanden für sich auszunutzen, ohne die Geschäftspolitik dieses Unternehmens näher bewerten zu wollen.

Schließlich muss einem vor Augen geführt werden, dass monopolartig gestaltete Märkte immer die Gefahr bergen, die Konkurrenten (weiter) vom Markt zu verdrängen und langfristig betrachtet eigene spezielle Regeln für die Nutzung der Dienste aufzustellen. Wenn Verbraucher noch heute die Möglichkeit haben, andere Soziale Netzwerke zu nutzen, die den Datenschutz der Nutzer nicht in diesem Maße missachten wie Facebook, kann sich in einigen Jahren ein anderes Bild ergeben: Mangels adäquater anderer Sozialer Onlineplattformen könnte Facebook die Spielregeln für die Nutzung der eigenen Dienste noch weniger nutzerfreundlich festlegen. Was heute kostenlos ist, könnte sich zu einem kostenpflichtigen Dienst entwickeln. Die Daten, die heute nicht für alle zugänglich sein müssen, dürfen morgen von jedermann eingesehen werden, sprich: Entweder die Nutzer unterwerfen sich diesen plattformspezifischen Vorgaben oder sie haben verloren, denn eine Alternative gibt es dann nicht.

Der Handlungs- und Leidensdruck, bei Facebook mitmachen zu müssen, verstärkt sich durch die Tatsache, dass alle Freunde und Bekannte nun einmal diese Plattform nutzen und damit Facebooks Datenhunger unweigerlich bedienen. Eine Alternative gibt es daher nicht wirklich und nicht für jeden.

Die intensive Diskussion um Facebooks Datenschutzpolitik in den vergangenen zwei Jahren hat zumindest so viel bewirkt, dass das Thema Datenschutz bei vielen Nutzern irgendwie angekommen sein dürfte. Dass es so etwas wie ein Allgemeines Persönlichkeitsrecht, Datenschutz und Privatsphäreneinstellungen gibt, mag in vielen Köpfen herumgeistern. Nur danach zu leben und sich entsprechend zu verhalten bedarf noch eines gewissen Umsetzungsaktes, vorausgesetzt der Wille ist da und die Unternehmen machen dies den Nutzern auch möglich.

  • 13. April 2011
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