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Das Projekt Verbraucherrechte in der digitalen Welt endet am 31.12.2015, so dass diese projektbezogene Internetseite www.surfer-haben-rechte.de nicht mehr weiter aktualisiert werden kann.

Diablo 3: Blizzard zwingt Nutzer zu Registrierung und verbietet Weiterverkauf

Diablo 3: Blizzard zwingt Nutzer zu Registrierung und verbietet Weiterverkauf
Surfer-Projekt prüft Diablo 3

Am 15.05.2012 war für viele Gamer der große Tag. Der Spielehersteller Blizzard ging mit seinem neuen Spiel „Diablo 3“ an den Start. Grund genug für das Team vom Projekt Verbraucherrechte in der digitalen Welt des Verbraucherzentrale Bundesverbandes (vzbv) die Spielverpackung, die Nutzungsbedingungen und die Installationsroutine des Spiels näher unter die Lupe zu nehmen.

Das generelle Problem, ein Spiel nur per Internet nutzen zu können, spitzt sich dann zu, wenn der Störfaktor nicht beim Spieler selbst, sondern in der Sphäre des Unternehmens liegt. So geschehen zum Auftakt des Spiels „Diablo 3“, als die Server von Blizzard dem Ansturm der Spieler nicht gewachsen waren. Der Zugang zum Spiel war verwehrt, weil Nutzer sich nicht über ihren Account anmelden konnten - nicht nur am ersten Verkaufstag, sondern auch in den Folgetagen, in denen immer wieder serverbedingte Ausfälle zu beobachten waren. Zwar behält sich Blizzard in seinen Nutzungsbedingungen vor, „angemessene Anstrengungen“ zu unternehmen, um den Dienst täglich ganztägig bereitzustellen, aber eine Gewähr dafür will und kann das Unternehmen augenscheinlich nicht geben.

Diablo 3 - Spieler für immer

Ein weiteres Ärgerthema bei „Diablo 3“ und zunehmend bezeichnend für die Spielebranche ist die zwangsweise Registrierung für einen Spieleraccount per Authentifizierungsschlüssel. Gemäß den Nutzungsbedingungen von Blizzards Netzwerk Battle.net ist der Account nicht übertragbar, das heißt dieser darf nicht verkauft oder verschenkt werden. Damit werden durch die Registrierung das Spiel beziehungsweise die Spiellizenz und der Account auf ewig verbunden. Findet der Nutzer keinen Gefallen an dem Spiel oder werden seine Erwartungen an das Spiel nicht erfüllt, so kann er das Spiel nicht ohne weiteres verkaufen. Ein potenzieller Zweiterwerber des Spiels dürfte nämlich den Authentifizierungsschlüssel und damit den Account des Ersterwerbers nicht nutzen.

Weiterverkauf unerwünscht

Ein weiterer und zunehmend beliebter Trend in der Spielebranche ist der Verkauf der Software über das Internet. So kann zum Beispiel „Diablo 3“sowohl auf einem Datenträger gekauft, als auch per Download aus dem Internet heruntergeladen und auf dem Rechner des Nutzers installiert werden. Hierbei zeigt sich im Allgemeinen ein weiteres Dilemma im Zusammenhang mit dem Weiterverkauf digitaler Güter. Trotz dem der Käufer digitaler Güter den vollen Kaufpreis zahlt, wird ihm in den Geschäftsbedingungen der Hersteller nur ein beschränktes Nutzungsrecht eingeräumt. Dieses beinhaltet oft, dass der Käufer mit seiner Software nicht nach Belieben verfahren darf. Der Weiterverkauf wird meist in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen ausgeschlossen. Das führt zu der grotesken Situation, dass der Käufer eines realen Brettspiels, einer CD oder eines Buches das Recht hat, als Eigentümer die Sache weiterzuverkaufen. Hingegen ist dasselbe Spiel als Software oder dasselbe Buch als elektronische Ausgabe („E-Book“) oft vom Weiterverkauf ausgeschlossen.

Von besonderem Interesse ist daher der Beschluss des Bundesgerichtshofs (BGH) vom 03.02.2011: Auf Vorlage des BGH soll nun der Europäische Gerichtshof (EuGH) mehrere Fragen über die Zulässigkeit zum Handel mit gebrauchter, aus dem Internet heruntergeladener Software und deren Lizenzen entscheiden. Der Generalanwalt hat sich in seinem Plädoyer dafür ausgesprochen, dass gebrauchte Software-Lizenzen unter bestimmten Voraussetzungen verkauft werden dürfen. Es bleibt zu hoffen, dass das Urteil des EuGH, das noch in diesem Jahr erwartet wird, für mehr Rechtsklarheit sorgt und die Ungleichbehandlung zwischen materiellen und digitalen Gütern ein Ende gesetzt wird.

Datenschutz ist kein Spiel

Darüber hinaus gesellte sich zu den Problemen, dass die Nutzer serverbedingt nicht spielen konnten und sich auf Battle.net zwangsregistrieren mussten, in den vergangenen Tagen der Verdacht der Spieler-Community, dass hunderte von Spieleracconts bei "Diablo 3" gehackt worden seien. Ob und inwieweit an diesem Verdacht etwas dran ist, mag dahin gestellt sein. Fakt ist, dass solche unternehmens- und softwaregebundenen Plattformen, sei es Battle.net, Origin oder Steam immer auch eine Gefahr für den Datenschutz durch Daten- und Systemeinbrüche von Kriminellen bieten.

Insgesamt zeigt sich bei der näheren Untersuchung solcher Computerspiele, wie „Diablo 3“ einmal mehr die mangelhafte Informationspolitik der Spielehersteller. Daneben wird auch ein aktuelles Problem des Urheberrechts deutlich: Das geltende Recht hat keine ausreichenden Antworten auf den digitalen Wandel. Zunehmend werden Inhalte wie Musik, Bücher, Filme etc. digital erworben und konsumiert, aber die Nutzungsmöglichkeiten dafür werden beschränkt. Bei den Verbrauchern besteht daher große Rechtsunsicherheit, was sie dürfen und was nicht.

Das Projekt Verbraucherrechte in der digitalen Welt hatte auch Electronic Arts, den Hersteller von „Battlefield 3“ näher unter die Lupe genommen und wegen mangelhafter Informationen sowie unzulässiger Geschäftsbedingungen abgemahnt – und eine Unterlassungserklärung erwirkt.

  • 29. Mai 2012
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