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Das Projekt Verbraucherrechte in der digitalen Welt endet am 31.12.2015, so dass diese projektbezogene Internetseite www.surfer-haben-rechte.de nicht mehr weiter aktualisiert werden kann.

Die aufgezwungenen Router der Internetprovider

Die aufgezwungenen Router der Internetprovider
Früher Telefonmonopol, heute Routerzwang

Der Routerzwang ist eine Bevormundung, die als Fürsorglichkeit daherkommt. Die Internetprovider zwingen uns ganz sanft dazu, ihre Router zu benutzen. Immerhin werden diese frei Haus mit dem Anschluss geliefert. Einstecken und lossurfen. Aber Änderungen an den Einstellungen sind kaum möglich, und eigene Router schon gar nicht. Das ist nicht kundenfreundlich, sondern ein Problem.

Erinnern Sie sich noch an die Zeit, als Telefone im Wohnungsflur standen und ein langes Kabel hatten? Damals, kurz vor der Wiedervereinigung? Die Post hatte gerade das Monopol auf Telefonapparate verloren. Im Juni 1990 waren bereits 38 Telefone zugelassen. Der Spiegel schrieb, Telefone würden nun zum Lifestyle-Produkt. Heute, kaum 25 Jahre später haben wir Smartphones und Internet überall. Aber auch da hakt es ganz ähnlich wie damals. Denn wie wir ins Internet kommen, darüber können wir nicht immer frei entscheiden. Die Telekommunikationsanbieter zwingen uns ihre Router auf, wie die Post damals nur ihre eigenen Telefone bereitgestellt hat.

Regierung will handeln

Der Routerzwang soll laut Koalitionsvertrag aufgehoben werden. Verbrauchern steht dann frei, selbst zu wählen, ob Sie einen eventuell vom Internetprovider angebotenen Router nehmen oder einen eigenen kaufen, der mehr Funktionen hat. Allerdings wird gerade zwischen Bundeswirtschaftsministerium und Bundesnetzagentur hin und her verhandelt, ob der Zwang überhaupt aufgehoben wird und wenn ja, wie genau. Netzpolitik.org und die Digitale Gesellschaft kommentierten bereits. Auch der vzbv hat eine klare Meinung gegen den Routerzwang. Was also ist so schlimm daran, ein Gerät gleich bei der Bestellung des Internetanschlusses mitgeliefert zu bekommen?

Wahlfreiheit für Verbraucherinnen und Verbraucher

Der Routerzwang benachteiligt die Verbraucherinnen und Verbraucher in ihrer Wahlfreiheit. Ähnlich wie Sie früher vielleicht ein anderes Telefon haben wollten, als das, was Ihnen die Bundespost bereitgestellt hat, wollen viele Menschen heute einen eigenen Router benutzen. Mit Routerzwang können sie sich nicht für ein einfaches oder ein hochklassiges Modell mit Zusatzfunktionen entscheiden, sondern müssen nehmen, was der Internetprovider ihnen vorsetzt. Selbst wenn man längst einen anderen Router besitzt, kann man ihn oft nicht benutzen, weil die Anbieter die entsprechenden Zugangsdaten nicht herausrücken. Die Internetprovider argumentieren mit einfacherer Wartung und besserem Service. Dabei sind die Benutzeroberflächen der meisten Router heutzutage in der automatischen Installation nicht schwieriger zu bedienen als ein Fernseher.

Monokultur versus Datensicherheit

Damit entsteht eine Monokultur der Geräte. Das ist nicht nur für die Hersteller der Geräte schädlich, denen ein erheblicher Anteil am Markt verschlossen bleibt, sondern auch für die Verbraucherinnen und Verbraucher. Denn natürlich sind die mitgelieferten Router nicht die besten und oftmals auch nicht die sichersten. Hintertüren, mit denen Zugriff auf einen eventuell angeschlossenen Speicher oder auf die Telefoniefunktionen des Routers erlangt werden können, bleiben da schon mal längere Zeit ohne Sicherheitsupdate. Manche dieser Lücken können teuer werden, wenn Kriminelle zum Beispiel kostenpflichte Dienste darüber anrufen. Natürlich können Sicherheitslücken auch in selbstgekauften Routern stecken – aber eine größere Gerätevielfalt würde die großflächigen Angriffe erschweren. Außerdem ist es paradox, den Verbraucherinnen und Verbrauchern, Geräte vorzusetzen, über die sie sich nicht informieren können und die sie nicht auswechseln können und ihnen gleichzeitig zu sagen, sie sollen sich besser um Datenschutz und die Datensicherheit kümmern.

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