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Das Projekt Verbraucherrechte in der digitalen Welt endet am 31.12.2015, so dass diese projektbezogene Internetseite www.surfer-haben-rechte.de nicht mehr weiter aktualisiert werden kann.

Digitales Leben nach dem Tod?

Digitales Leben nach dem Tod?

Wir alle sind angekommen im Mitmach-Web 2.0: Ein Kommentar auf Facebook zum Status des Bruders, Bewertung des neuen Lieblingsbuches, Einstellen eines gelungenen Kochrezeptes, Plaudern im Forum über die neue E-Gitarre. Über Jahre haben wir Netzwerke aufgebaut, Blogs mit immer neuen Informationen gefüllt, Fotos ausgetauscht, aber auch einfach unseren gesamten Informationsaustausch per E-Mail geführt, gespeichert und geordnet, sei es mit der Krankenkasse, dem Finanzamt oder Freunden. Eine riesige Menge wichtiger Informationen über uns, die da im Netz gespeichert ist. Was damit nach unserem Tod passieren soll, darüber haben wir uns noch keine Gedanken gemacht. Ist es Zeit das zu tun?

Hin und wieder denkt vielleicht jeder einmal daran, wer die Lieblingskommode oder das Wandgemälde bekommen soll, aber was mit dem jahrelang gepflegten Facebook – oder Flickr-Account passieren soll, daran haben wir noch keinen Gedanken verschwendet. Je aufwändiger wir aber unser Leben in der digitalen Welt gestalten, je mehr Daten befinden sich von uns im Netz und umso größer ist der Aufwand für unsere Hinterbliebenen. Sie müssen die Daten verwalten oder löschen bzw. löschen lassen.

Häufig wissen die Hinterbliebenen nicht, welchen Umgang sich der Verstorbene mit seinen Daten wünschte. Den Hinterbliebenen bleibt dann nichts anderes übrig, als diese schwere Entscheidung selbst zu treffen. Wer behält im Blick, dass mit den Daten kein Missbrauch betrieben wird? Sollen alle Accounts einschließlich der gespeicherten Daten gelöscht werden oder soll jemand den Account weiterführen? Was soll mit Blog-Einträgen und Fotos des Verstorbenen geschehen? Wie lange können und sollten diese online bleiben?

Ist eine solche Entscheidung erst einmal gefällt, stehen die Hinterbliebenen oft noch vor einem weiteren Problem: Keine Passwörter – kein Zugriff auf die Accounts. Darüber hinaus stellen nur wenige Onlinedienste überhaupt Regeln dazu auf, unter welchen Bedingungen ein Account aufgelöst werden kann und wer darüber entscheiden darf. So löschen nach Vorlage einer beglaubigten Sterbeurkunde einige Anbieter den Account des Nutzers und legen auf Antrag eine „Gedenkseite“ an. Bei anderen Anbietern haben Hinterbliebene die Wahl zwischen Löschen oder Weiterführen des Accounts.

Amerikanische Online-Firmen haben diese Lücke längst erkannt und sich auf die Verwaltung des digitalen Erbes spezialisiert. So unterschiedlich das Angebot der Dienste ist, sie alle haben eins gemeinsam: Gegen eine Gebühr werden Passwörter und Anweisungen hinterlegt und im Todesfall an die Angehörigen oder eine andere auserwählte Person weitergegeben. Ganz ohne Bedenken ist das natürlich nicht: Schließlich gibt der Nutzer einer fremden Firma seine privaten Passwörter, obwohl im digitalen Leben die oberste Maxime gilt: Behalte deine Passwörter für dich, um dich vor Diebstahl und Betrug zu schützen! Außerdem weiß der Nutzer auch nicht, wie sicher das Unternehmen tatsächlich ist, das seine Passwörter verwaltet.

Unternehmen haben darüber hinaus noch einen Markt erkannt: Das digitale Leben nach dem Tod. So gibt es Plattformen nach dem Prinzip von Facebook für Verstorbene, auf der Verwandte und Freunde ein Profil des Verstorbenen anlegen können. So können Freunde etc. über den Tod benachrichtigt, Fotoalben und Kondolenzbücher angelegt sowie Beileidssendungen verschickt werden.

Solche Plattformen bergen, wie die Weiterführung von Accounts von Verstorbenen, einen emotionalen Konflikt: Die Hinterbliebenen gehen sehr unterschiedlich mit dem Verlust des geliebten Menschen um. Einige wollen nicht immer wieder mit dem Profil oder den Fotos konfrontiert werden, sondern benötigen Abstand. Andere wiederum brauchen gerade diese präsenten Erinnerungen, um den Tod zu verkraften. Beide Sichtweisen müssen akzeptiert werden.

Zu unterschätzen ist auch nicht die riesige Datenmenge, die es bei der Weiterführung eines Accounts zu pflegen gilt. Dies für einen selbst zu tun, bedeutet bereits viel Arbeit und Zeit. Übernehmen wir dann auch noch den oder die Accounts von einem Verstorbenen, ist eine solche Datenmenge schnell nicht mehr zu bewältigen.

Insgesamt kann es nur von Vorteil sein, wenn wir anfangen, uns dieses sensiblen Themas anzunehmen. Um es unseren Hinterbliebenen leichter zu machen, sollten wir erst einmal eine oder mehrere Personen bestimmen, die unser digitales Erbe verwalten. Darüber hinaus ist es wichtig, alle Passwörter zu Sozialen Netzwerken, E-Mail-Accounts, Blogs etc. sowie eine Anleitung, was mit unseren Daten passieren soll, in einem Briefumschlag zu verwahren. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte seine Passwörter etc. bei einem Notar aufbewahren und testamentarisch klären, was mit den Accounts und virtuellen Daten geschehen soll.

  • 24. August 2011
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