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Ello – das neue Soziale Netzwerk im Test

Ello – das neue Soziale Netzwerk im Test
Ernsthafte Facebook-Konkurrenz oder kurzer Trend?

„Einfach, schön und werbefrei“ – so präsentiert sich das neue soziale Netzwerk Ello. Die Nutzerzahlen steigen rasant und verdoppeln sich laut eigener Angabe derzeit alle zwei bis drei Tage. Ello kommt an. Ist es endlich eine datenschutzfreundliche und schicke Alternative zum ungeliebten Facebook? Das Versprechen ist jedenfalls groß, gar ein eigenes Manifest haben die Macher verfasst. Ein Selbsttest unseres Internetredakteurs Dennis Romberg.

Als ich auf Twitter frage, ob jemand eine der derzeit so begehrten Einladungen braucht, hagelt es in kurzer Zeit viele Antworten in meiner sonst doch recht ruhigen Timeline. Ello setzt auf Exklusivität, bisher kommt nur rein, wer Glück hat – so wie ich, der ich mich vor einigen Tagen aus einer Laune heraus registriert hatte – oder von anderen Nutzern eingeladen wird. Das ist durchaus üblich für Plattformen im Anfangsstadium, in dem Ello noch steckt, und wird sich wohl mit der Zeit ändern. Dann wird sich jeder einfach so registrieren können.  

Sieht besser aus als Facebook

Nach dem Einloggen begrüßt mich ein schickes, sehr simple gehaltenes Design, viel Weiß, etwas Schwarz und eine sehr spärliche Timeline. Natürlich habe ich noch keine Freunde auf Ello, aber das könnte sich ja schon bald ändern. Der Unterschied zum Facebook-Newsfeed fällt direkt auf: Ello gliedert in „Friends“ and „Noise“, also in (gute) Freunde und „Vorbeirauschen“. Letzteres dürfte die werbe- und linkgeplagten Nutzer von Facebook freuen, deren Newsfeed dort durch die unbrauchbaren Informationen quasi unbenutzbar wurde. Aber ich bin ja in einem Sozialen Netzwerk, also suche ich Freunde – bei Facebook tippe ich einfach einen Namen in die Suchleiste, bei Ello muss ich erst einmal „entdecken“. Dort werden mir einige Namen vorgeschlagen, die allesamt sehr populär zu sein scheinen, die ich aber nicht kenne. Die Suche nach einigen meiner „early-adopter“ Freunde bleibt erfolglos, dafür tauchen so langsam diejenigen in meiner Freundesliste auf, die ich auf Twitter eingeladen hatte. Typisches Beta-Stadium also, genauso wie das gelegentliche Ruckeln der Funktionen. Aber alles kein Drama.

Du bist kein Produkt!

Ello will die Nutzerinnen und Nutzer Ernst nehmen. „You are not a product” heißt es in der Selbstbeschreibung. Im Unterschied zu Facebook, dessen Image von vielen Skandalen gehörig angekratzt ist und von dem viele doch nicht loskommen, will Ello das Vertrauen seiner Nutzer gewinnen und auf partnerschaftlichen Dialog setzen. Ein gewagtes Versprechen, immerhin muss sich auch Ello irgendwie finanzieren. Bisher geschieht das über Risikokapital, aber trotzdem muss ein Internetunternehmen ja irgendwann mal profitabel werden. Ello will dies mit Zusatzservices erreichen, die die Nutzer dann kaufen können. Es verspricht, im Gegensatz zu Facebook und Co, die auch werbefrei gestartet waren, dies auch zu bleiben. Ein gutes Versprechen, das hoffentlich gehalten wird.

Freunde sein oder Followern folgen?

Was mir auffällt: Ello setzt – wie auch Twitter – auf ein direktionales Folgen. Den Menschen, die ich hinzufüge, werde ich nicht automatisch auch hinzugefügt. Bei Facebook ist das anders, Freunde fügen sich immer auch gegenseitig hinzu. Wer das Prinzip von Twitter kennt, muss sich nicht umgewöhnen. Wer von Facebook weg will und sonst nichts kannte, ist vielleicht kurz irritiert – letztlich bietet dieses System aber mehr Entscheidungsfreiheit. Ganz ähnlich wie bei Twitter kann jeder Nutzername nur einmal vergeben werden, dafür aber beliebig gewechselt werden. Die Suche liefert aber auch Treffer bei vollen Namen, wenn diese angegeben sind. Auch das ist durchaus von Twitter bekannt und dürfte selbst ausschließliche Facebooknutzer nicht verwirren.

Das Wichtige: Posten, liken, teilen

Die Bedienung ist aufgeräumt, klar und vor allem intuitiv. Posten, liken und kommentieren geht wie in anderen Netzwerken. [Korrektur: Der Like-Button soll auf Ello love heißen und wird erst bald kommen] Posts kann man auch im Nachhinein editieren, die geposteten Bilder könnten vielleicht noch etwas kleiner skaliert werden. Den aufmerksamkeitsheischenden Nutzern wird sogar angezeigt, wie oft die eigenen Posts betrachtet wurden. Alles ganz normal und gewohnt.

Das wirklich Wichtige: Die Datenschutzerklärung

Unter „Wie Ello Informationen benutzt“ erfährt man in einfacher und verständlicher (bisher nur englischer) Sprache, wie Ello mit den Daten, die es über seine Nutzer hat, umgeht. Die eigentliche Datenschutzerklärung ist auch nicht sehr viel länger, hat aber kleine Kröten versteckt. Anonyme Daten – also ohne Namen – dürften zu jedem Zweck genutzt oder weitergegeben werden. Das einzige Beispiel, das Ello hier nennt, ist sich selbst zu verbessern. Aber von anonymen Daten schon zu sprechen, wenn der Name bloß entfernt wurde, ist zweifelhaft. Solche Gummisprache kennt man eigentlich nur aus Facebooks Datenschutzerklärung. Da besteht durchaus noch Verbesserungsbedarf. [Update: Die anonyme Datensammlung durch Google Analytics kann man unter Einstellungen abstellen.]

Datendealer und Werbenetzwerke bleiben draußen

Auch die Zusammenarbeit mit Strafverfolgungsbehörden erfolgt schon dann, wenn Ello glaubt, es sei dazu verpflichtet. Guter Glaube liegt aber manchmal falsch, wie das Beispiel Posteo unlängst gezeigt hat. Auch vor Geheimgerichten und Verschwiegenheitsanordnungen durch US-Behörden wird sich Ello so kaum wehren können, da hilft nur Verschlüsselung. Doch davon findet sich nichts in der Erklärung.  Aber es kommt ja auch immer drauf an, vor wem man sich schützen will. Denn Ello verspricht Werbenetzwerke, Datendealer und Suchmaschinen bleiben draußen. An solche Firmen werden meine Daten also nicht verkauft. Ganz im Unterschied zu Facebook und Twitter. Und das ist ja schon mal ein großer Fortschritt, um mehr als ein kurzer Trend zu werden.

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