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Das Projekt Verbraucherrechte in der digitalen Welt endet am 31.12.2015, so dass diese projektbezogene Internetseite www.surfer-haben-rechte.de nicht mehr weiter aktualisiert werden kann.

EU-Handytarife werden erneut günstiger

EU-Handytarife werden erneut günstiger
Neue Preisdeckelung der EU

Den neuen Höchstpreisen zufolge, die in der „Verordnung über das Roaming in öffentlichen Mobilfunknetzen in der Union“ der EU festgelegt sind, zahlen Verbraucher für ankommende Gespräche im EU-Ausland fortan nur noch höchstens 6 Cent pro Minute statt bislang 8 Cent. Abgehende Gespräche werden mit maximal 23 Cent berechnet statt bisher 29 Cent. Ankommende SMS sind kostenfrei, abgehende dürfen bis zu 7 Cent kosten, bislang waren 10 Cent erlaubt. Auch die Datenübertragung wird billiger: 24 Cent darf die Datenübertragung jetzt pro MB kosten, 30 Cent weniger.

Umstellung läuft

Inzwischen haben die meisten Anbieter standardmäßig einen Tarif eingestellt, der diesen Vorgaben entspricht, auch wenn er häufig nicht „regulierter EU-Tarif“, sondern anders heißt. Aber darauf kann man sich nicht verlassen: Bei o2 muss man zum Beispiel die voreingestellte Option ändern, wenn man statt eines abweichenden eigenen Angebots die regulierten EU-Preise bekommen will. Welcher Tarif im Rahmen des eigenen Vertrags gilt, ist auch bei anderen Anbietern nicht leicht herauszufinden. Wer auf Nummer sicher gehen will, muss sich oft erst mühsam durch das Kleingedruckte hindurchklicken.

EU-Tarife oft versteckt

Angesichts der neuen Preisdeckelung werden die von den Anbietern oft prominent beworbenen EU-Pakete, die ein bestimmtes Telefonminuten- und/oder Daten-Inklusivvolumen wochen- oder monatsweise zum Festpreis anbieten, zunehmend unattraktiv. Sie lohnen sich oft nur noch für Vieltelefonierer oder –surfer. Und wenn man das Inklusivvolumen überschreitet, drohen unter Umständen hohe Kosten. Am besten, aber auch am mühsamsten, ist es, die regulierten EU-Tarife genau mit den Paketangeboten zu vergleichen. Leider stellen die Anbieter dafür keine automatischen Tools zur Verfügung.

Praktische Tipps

Wer knapp bei Kasse ist, sollte nach wie vor bei seinem Smartphone automatische Updates deaktivieren und zum Surfen nach Möglichkeit kostenfreie Hot-Spots nutzen – aus Sicherheitsgründen vielleicht nicht unbedingt sensible Anwendungen wie etwa Onlinebanking. Und dran denken, dass nicht die ganze Welt zur EU gehört. Auch in Norwegen, Liechtenstein, Island oder der Schweiz kann das Telefonieren und Surfen teuer werden. Manche Anbieter haben solche Länder aber netterweise mit in ihre EU-Tarife gesteckt. Aber Verbraucher müssen aufpassen: Die EU-Vorschriften gelten nicht für grenzüberschreitende Telefonate von Deutschland aus.

Zusatzvertrag fürs Ausland?

Theoretisch  kann man ab Juli zudem einen Zusatzvertrag bei einem Anbieter lokaler Roaming-Dienste in der EU schließen, falls dieser noch günstigere Konditionen anbietet. Die Idee dahinter ist, dass man im Ausland auch mit einem ausländischen Anbieter telefonieren und surfen können soll, ohne dafür eine neue SIM-Karte zu benötigen. Bislang ist von solchen Angeboten allerdings nichts bekannt. Sie sind von der EU zwar vorgesehen, lohnen sich aber vermutlich für die Anbieter wirtschaftlich nicht.

Einheitlicher Binnenmarkt muss kommen

Bis Ende 2015 sollte Roaming in der EU eigentlich komplett abgeschafft werden. Die Idee dahinter: überall zum gleichen Preis wie zu Hause surfen und telefonieren können. Der vzbv hat die bisherigen, schrittweisen Preissenkungen stets als positives Signal für einen einheitlichen europäischen Binnenmarkt begrüßt. In letzter Zeit sorgt das Thema in Brüssel aber wieder für Streit. Die EU-Kommission möchte die Deadline für die Abschaffung auf 2016 verschieben, das EU-Parlament macht Druck, das 2015er-Ziel einzuhalten. Der vzbv drängt jetzt darauf, die Preise nicht nur für die Endkunden, sondern auch im Großhandel zu regulieren. Sonst könnten kleinere Anbieter ohne eigenes Netz vom Markt verschwinden. Das würde zu weniger Wettbewerb und womöglich auch zu höheren Inlandspreisen führen.

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