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Das Projekt Verbraucherrechte in der digitalen Welt endet am 31.12.2015, so dass diese projektbezogene Internetseite www.surfer-haben-rechte.de nicht mehr weiter aktualisiert werden kann.

Facebook Geschäftsmodell auf dem transatlantischen Prüfstein

Facebook Geschäftsmodell auf dem transatlantischen Prüfstein
Der „Gefällt mir”-Button ist fast überall

Der „Gefällt mir“-Button von Facebook ist heute auf vielen Webseiten eingebunden und ermöglicht es, Seiten und Nachrichten einfach in Facebook zu teilen. Facebook benutzt ihn aber auch, um seine Nutzer noch besser zu verfolgen. Mehr als einmal hat das Unternehmen darüber schon gelogen. Jetzt reicht’s den Verbraucherschützern diesseits und jenseits des Atlantiks.

Der „Gefällt mir“-Button ist erst vier Jahre alt, doch in diesen vier Jahren hat Facebook ihn zu einem Spionagewerkzeug erster Klasse ausgebaut. Weil der Button auf so vielen Webseiten anzutreffen ist, weiß Facebook immer auch, wo seine Nutzer gerade so außerhalb von Facebook surfen. Anfangs leugnete Facebook noch, diese Technik dafür zu benutzen, der Button sei nur ein einfaches Werkzeug, um Inhalte einfacher auf Facebook zu teilen. Doch als sich Entwickler den Programmiercode des Buttons näher ansahen, entdeckten sie, dass der Button Daten auch an Facebook schickt, wenn man gar nicht drauf klickt. Schlimmer noch, sogar wenn man gar nicht eingeloggt ist, werden die Daten später mit seinem Facebook-Profil verknüpft. Die Journalismus Plattform „Pro Publica“ hat diese Chronik der Lügen zusammengestellt.

Die Chronik einer Lüge

Im Juni 2014 hat Facebook zugegeben, die Daten doch zur Profilbildung und für gezielte Werbung nutzen zu wollen. Das ruft jetzt die Verbraucherschützer des „Trans Atlantic Consumer Dialogue“ (TACD) auf den Plan. Dieser transatlantische Verbraucherdialog, dem auch der vzbv über seinen europäischen Dachverband BEUC angehört, hat sich in einem fünfseitigen Brief  an die amerikanische Aufsichtsbehörde FTC und an den irischen Datenschutzbeauftragten gewandt und diese Methoden angeprangert. Denn es ist fraglich, so der TACD, ob diese Praktiken der internetweiten Trackingmethoden überhaupt mit EU- oder US-Recht vereinbar sind. Die Verbraucherschützer fordern deshalb, dass diese Praktiken erst untersucht werden, bevor Facebook sie tatsächlich anwenden darf. Denn Facebook hatte schon eine Einigung mit der FTC geschlossen, die diese  mit der neuen Ankündigung verletzt sieht.

Privatsphäre nur zum Schein

Facebook spiele seinen Nutzern außerdem vor, sie könnten die Kontrolle über ihre Privatsphäre behalten, so der TACD. Das sei irreführend, denn Facebook sammelt die Daten trotzdem und speichert sie im Profil der Nutzer. Diese können lediglich einstellen, welche Werbung sie zu Gesicht bekommen wollen. Welche Webseiten man besucht hat, welche Artikel man gelesen hat und natürlich welche Likes man vergeben hat, das alles speichert Facebook trotzdem: „Users cannot control the data collection that results in targeted advertising; users can only control how much targeted advertising they must look at.”

Datensammlung „unerwartet“ und ohne Einwilligung

Auch hatte Facebook sich verpflichtet, die Nutzer vorher um ihre Erlaubnis zu fragen und die Seiten zu benennen, an die es Informationen weitergibt. Wenn jetzt aber die komplette Surfhistorie an einige Partner weitergegeben werde, wie die TACD schreibt, sei das eine „unerwartete Datensammlung“. Auch die Praxis, dass man aktiv seinen Verzicht auf diese Praxis erklären muss und sich dafür durch die Untiefen der Account-Einstellungen zu wühlen habe, sei nicht mit der Verpflichtung zu vereinbaren, so der TACD.  Auch die Aufsichtsbehörden kommen in dem Brief nicht gut weg, denn diese seien zu lange untätig geblieben. Nun hatte zwar die Irische Datenschutzbehörde Besserung versprochen und Facebook aufgefordert, sich besser an den Datenschutz zu halten – doch offen bleibt die Frage, wie die Praktik, die besuchten Webseiten der Nutzer zu tracken, mit besserem Datenschutz zusammen passen.

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