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Das Projekt Verbraucherrechte in der digitalen Welt endet am 31.12.2015, so dass diese projektbezogene Internetseite www.surfer-haben-rechte.de nicht mehr weiter aktualisiert werden kann.

Fahrerbewertung: Für mehr Rücksicht auf den Straßen und im Internet

Fahrerbewertung: Für mehr Rücksicht auf den Straßen und im Internet
Online-Portal als Ventil

Wann haben Sie sich zuletzt im Straßenverkehr geärgert? Heute Morgen, auf dem Weg zur Arbeit? Beim Autokorso nach dem letzten Spiel der Nationalmannschaft? Ärger im Straßenverkehr ist sicherlich älter als das Autofahren selbst. Durch das Internet und mit einigen Apps wird es neuerdings immer leichter, seinen Ärger abzulassen. Aber ist das auch berechtigt?

Das Portal Fahrerbewertung.de will so ein Ventil sein und bietet an, Teilnehmer im Straßenverkehr über das Kennzeichen bewerten zu können. Mit einer einfachen Ampel kann man das Fahrverhalten von Rot bis Grün anhand des Nummernschilds beurteilen. Grün steht für vorbildliches Fahrverhalten, Gelb für neutrales und Rot für rücksichtsloses. Aber so einfach es ist, seinem Ärger Luft zu machen, so problematisch ist es auch. Denn das Portal, zu dem es auch eine einfache App gibt, ist aus datenschutzrechtlicher Sicht zumindest zweifelhaft. Zu den Bewertungen kann man Gründe angeben, warum eine Bewertung erfolgt ist. Bei einer neutralen Bewertung heißt es zum Beispiel „Fahrer fährt nicht umweltschonend (Beschleunigung, Abgase)“, bei einer negativen Bewertung kann man unter anderem zwischen „blinkt nicht“ oder „fährt generell auffällig / unangenehm“ auswählen.

Profildaten für die Betreiber – und wen noch?

Viel problematischer ist aber, dass man auch Angaben zum Ort und zum Zeitpunkt machen kann, wann und wo man das entsprechende Fahrzeug gesehen haben will. So lassen sich theoretisch Bewegungsprofile anlegen, die zwar für die einzelnen Nutzer nicht sichtbar sind, aber als Datenbank bei Fahrerbewertung.de existieren. Auch neugierige Chefs dürfte das Portal interessieren, um dem Fahrstil der Mitarbeiter auf die Schliche zu kommen. Und das Statement der Betreiber, es handele sich bei den Nummernschildern ja deshalb nicht um personenbezogene Daten, weil man sich ein Fahrzeug auch teilen könne, wirkt da schon leicht wie eine Ausrede. Denn das Nummernschild eines Autos gehört ganz klar zu den personenbeziehbaren Daten, die leicht mit einer bestimmten Person in Verbindung zu bringen sind. Mit wenig Aufwand kann man beispielsweise bei Versicherungen – für die das Portal übrigens auch sehr interessant sein dürfte – oder beim Straßenverkehrsamt in Flensburg herausfinden, zu welcher Person ein Nummernschild gehört.

Opfer am Pranger

Anders als bei vielen Ärzte- oder Restaurantbewertungsportalen sind die Fahrerbewertungen schnell angeklickt, ohne Registrierung und ohne Kommentar, warum die Bewertung so gut oder so schlecht erfolgte. Man wird sich als Betroffener also kaum gegen unzutreffende Bewertungen wehren können. Was dem einen noch als normaler Ausreißer im Straßenverkehr durchgeht, ist dem anderen schon ein über alle Maßen rücksichtsloses Verhalten. Letztlich ist es ein zweischneidiges Schwert: Dem Ärger ist zwar schnell Luft gemacht – und für die Nutzer des Portals auch rechtlich unproblematisch. Aber das Portal selbst wird zum Online-Pranger, gegen den man sich nicht wehren kann. Fahrerbewertung.de ist eine technische Lösung für ein soziales Problem, das sicherlich bald die Gerichte beschäftigen wird.

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