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Das Projekt Verbraucherrechte in der digitalen Welt endet am 31.12.2015, so dass diese projektbezogene Internetseite www.surfer-haben-rechte.de nicht mehr weiter aktualisiert werden kann.

Für eine Handvoll Punkte!

Für eine Handvoll Punkte!

Payback hat vor 15 Jahren den Anfang gemacht, längst sind Rabattsysteme Alltag an deutschen Supermarktkassen. Jetzt sollen die Rabattsysteme auch aufs Smartphone kommen. Lohnt sich das wirklich?

Von den Rabattmarken über Rabattkarten zur Rabatt-App

Neu auf den Markt in Deutschland drängt jetzt Shopkick mit einer App. Damit können Nutzerinnen und Nutzer Punkte sammeln, wenn sie einen Laden betreten, Produkte scannen oder Kleidung anprobieren. In Deutschland kann man schon bei Penny, Douglas, Saturn und Mediamarkt und einigen anderen Geschäften Punkte sammeln. Für 2500 Punkte gibt es einen Gutschein über 10 Euro. Um den zu bekommen muss man allerdings ungefähr 100 Produkte scannen oder 250 Mal zu Netto einkaufen gehen und diesen Einkauf mit der App dort registrieren. Also etwa ein Jahr lang. Andere Geschäfte schreiben ein paar Punkte mehr gut.

Profilbildung „bald verfügbar“?

In den USA ist das Unternehmen laut eigenen Angaben in über 10.000 Filialen vertreten, dabei setzt die App in Deutschland auf unhörbare Audiosignale, in den USA zusätzlich auf die Beacons-Technologie. Das Audiosignal in Deutschland unterscheidet sich individuell je nach Laden. Damit man dann beim Betreten der Geschäfte die Punkte gutgeschrieben bekommt, muss man die App also aufrufen und Zugriff auf das Mikrofon haben. Ein innovativer Ansatz, der aber potenziell alles mithören kann, was man in der Nähe des Smartphones spricht, wenn die App eingeschaltet ist. Und unverständlich bleibt, warum man die Ortsdaten dennoch aktivieren muss, um die Punkte zu sammeln, wie Shopkick in der eigenen Datenschutzerklärung schreibt. Diese ist direkt in der App abrufbar: Ein kleiner Pluspunkt. Laut dieser Datenschutzerklärung soll „bald verfügbar“ werden, dass man seine Daten auch automatisch bei Kartenzahlung hergibt, um Punkte gutgeschrieben zu bekommen. Der Profilbildung öffnen sich damit noch größere Möglichkeiten.

Technologie: Beacons, NFC und QR-Code

In den USA kommen bei Shopkick zusätzlich dazu auch die sogenannten Beacons zum Einsatz, die sich über Bluetooth mit dem Gerät verbinden und die Punkte gutschreiben können. Auf die gleiche Technologie setzt das Werbeunternehmen Wall AG, das in Berlin und anderen großen deutschen Städten interaktive Plakate aufgestellt hat. Daran finden sich ebensolche Beacons, NFC-Tags und QR-Codes. Für die Beacons braucht man auch hier eine App, die Bluespot App, die im Vordergrund aktiviert sein muss. Ist man dann in der Nähe eines solchen interaktiven Plakates, erhält man automatisch Informationen dazu. Momentan sind das in Berlin noch Infos zu Kulturveranstaltungen und Theaterpremieren – möglich sind aber auch Produktwerbungen, Rabattangebote und vieles mehr, denn noch ist die Technik im Testlauf. Als Anreiz, sich die App herunterzuladen, dient ein Stadtmagazin mit Artikeln und Ausgehtipps. Ob die Zusatzinformationen zu den Plakaten dann auch in Zukunft rein auf kulturelle Angebote beschränkt werden, bleibt abzuwarten.

Wohin kann die Reise gehen?

Theoretisch ist es mit der Beacons-Technologie jedenfalls schon jetzt möglich, Bewegungsprofile entlang solcher Plakate zu erstellen oder Nutzerinnen und Nutzer auch in geschlossenen Räumen – etwa im Supermarkt – genau zu tracken und so die Verweildauer vor verschiedenen Regalen zu messen. Auf der CeBit stellte die Telekom ein System vor, das in Form einer Heatmap die verschiedenen Bereiche einer Ladenfläche analysiert.

Fazit:

Das Tracking und die Profilbildung können mit der Beaconstechnologie genauso wie mit NFC und RFID immer krassere und genauere Formen annehmen. Bisher braucht es dazu häufig noch das aktive Zutun der Verbraucherinnen und Verbraucher sowie eine App, die Rabatte oder Mehrwert verspricht. Verbraucherinnen und Verbraucher sollten sich aber ganz genau überlegen, ob es für zehn Euro im Jahr wirklich wert ist, die Privatsphäre aufzugeben, das eigene Einkaufsverhalten durchleuchtbar und Bewegungsprofile möglich zu machen.

Besonders schlimm wird es, wenn diese ungefragt erstellt werden, etwa durch das Tracken der MAC-Adresse oder durch ungefragtes Auslesen der Bluetooth-Verbindung. Hiergegen können sich Verbraucherinnen und Verbraucher nur schwer wehren.

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