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Das Projekt Verbraucherrechte in der digitalen Welt endet am 31.12.2015, so dass diese projektbezogene Internetseite www.surfer-haben-rechte.de nicht mehr weiter aktualisiert werden kann.

Gewährleistung oder Garantie - Was ist für den Verbraucher besser?
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Gewährleistung oder Garantie - Was ist für den Verbraucher besser?
Gewährleistung oder Garantie - Was ist für den Verbraucher besser?

Viele Verbraucher haben das schon einmal erlebt: Etwas geht kaputt, obwohl es erst wenige Monate zuvor gekauft wurde. Ein Blick in den Kaufvertrag oder die Allgemeinen Geschäftsbedingungen wirft oft viele Fragen auf. Wer ist der richtige Adressat einer Reklamation? Der Verkäufer oder der Hersteller? Was passiert, wenn der Verkäufer auf den Hersteller verweist? Was ist für den Käufer besser: Gewährleistung gegenüber dem Verkäufer oder die Garantie beim Hersteller? Was ist von einer Garantieverlängerung zu halten? Fragen über Fragen. Das Surfer-Team bringt Licht in den Reklamationsdschungel.

Wenn ein gekauftes Produkt kaputt geht, kann der Käufer gegenüber dem Verkäufer sogenannte Gewährleistungsrechte geltend machen. Das heißt, der Käufer kann die Ersatzlieferung eines einwandfreien Produkts oder die kostenfreie Reparatur verlangen. Ist die Reparatur oder Ersatzlieferung gescheitert bzw. nicht zumutbar, hat der Kunde die Möglichkeit, den Kaufpreis zu mindern oder gar den Kauf rückgängig zu machen.

Wer muss was beweisen?

Gewährleistungsrechte gelten für die ersten zwei Jahre nach dem Kauf und dem Erhalt der Ware. Innerhalb der ersten sechs Monate greift zugunsten des Käufers eine Beweislasterleichterung: Der Käufer muss nicht beweisen, dass die Sache bereits beim Kauf fehler- oder mangelhaft war. Schwieriger wird es, wenn der Produktmangel erst nach mehr als sechs Monaten deutlich wird. Dann muss der Kunde beweisen, dass die Ware schon beim Kauf mangelhaft gewesen ist. Aber auch hier gilt: Der Beweis muss dem Käufer möglich und zumutbar sein.

Die Sache mit der Herstellergarantie

Oftmals erhält der Verbraucher beim Warenkauf auch eine Garantie seitens des Herstellers. Bei der Garantie handelt es sich um ein freiwilliges Angebot des Herstellers. Dieser garantiert beispielsweise eine bestimmte Beschaffenheit der Ware oder eine Mindesthaltbarkeitsdauer. Wozu der Anbieter sich genau bei Eintritt des Garantiefalls verpflichtet, ist vom Einzelfall abhängig. Eine Garantie ergänzt in der Regel die gesetzlichen Gewährleistungsrechte.

Was hat es mit einer Garantieverlängerung auf sich?

Von der Herstellergarantie abzugrenzen ist die Garantieverlängerung, oft auch „Plus-Garantie“ genannt, die der Käufer mit dem Händler gegen ein Entgelt vereinbaren kann. Vertraglich versichert sind häufig nur Material- und Herstellungsfehler an dem Produkt nach Ablauf der Herstellergarantie. Das heißt, dass eine dreijährige Garantieverlängerung unter Umständen rein rechnerisch ins Leere läuft, wenn eine Herstellergarantie ebenfalls für drei Jahre gilt.

Bedenken sollten Verbraucher auch, dass ein Garantieanspruch nicht zwingend zur gewünschten Reparatur führt. So heißt es in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen für die Media Markt PlusGarantie (Stand: 25.09.2013):

„Die Media Markt PlusGarantie hat grundsätzlich die Reparatur des defekten Gerätes bzw. Geräteteils zum Leistungsinhalt. Es liegt aber im Ermessen von Media Markt die Media Markt PlusGarantie durch Austausch des Gerätes bzw. des defekten Geräteteils zu erfüllen. Der Austausch erfolgt durch ein neues oder überholtes Gerät (Ersatzgerät). Als Ersatzgerät kann auch ein technisch mindestens gleichwertiges Gerät anderer Baureihen oder Hersteller gewährt werden.“

Folglich liegt es zum Beispiel im Ermessen des Händlers, das Smartphone der Marke Samsung gegen eines der Marke Nokia zu ersetzen.

Ene mene muh und raus bist du?

Händler neigen nur zu gerne dazu, den Kunden vorschnell auf eine Herstellergarantie zu verweisen. So heißt es zum Beispiel auf der Webseite bei Amazon:

„Wir empfehlen Ihnen, sich für die Nachbesserungen Ihres Artikels zunächst im Rahmen der Herstellergarantie direkt an den Hersteller zu wenden …. Falls der Hersteller keine Lösung hat, kontaktieren Sie bitte unseren Kundenservice …“(Stand: 25.09.2013).

Verbraucher sollten sich keinesfalls direkt an den Hersteller wenden. So kann beispielsweise „im Ermessen“ des Herstellers liegen, ob, wann und in welcher Form er dem Mängelbeseitigungswunsch des Käufers nachkommt. Ebenso kann der Hersteller dem Käufer eventuell die für die Reparatur anfallende Arbeitszeit in Rechnung stellen. Der Hersteller ist nämlich in der konkreten Ausgestaltung der Garantiebedingungen, aber auch hinsichtlich des Garantiezeitraums, völlig frei.

Zudem besteht auch die Gefahr, dass der Käufer im Fall der Geltendmachung eines Garantieanspruchs seine in der Regel günstigeren und weitreichenderen Gewährleistungsrechte verwirkt. Das heißt, bei einem gescheiterten Versuch des Herstellers eine Sache zu reparieren, könnte sich der Händler quer stellen. Einen weiteren Reparaturversuch oder einen Anspruch auf Ersatzlieferung könnte der Händler mit der Begründung verweigern, dass der erste Reparaturversuch nicht von ihm, sondern von einem Dritten - wozu in der Regel auch der Hersteller zählt – vorgenommen worden ist.

Welcher Weg ist der richtige?

Sie sollten im Reklamationsfall genau prüfen, an wen Sie sich mit ihren Ansprüchen wenden. Keinesfalls sollten Sie sich von Verkäufern vorschnell mit dem Verweis auf die in der Regel ungünstigere Herstellergarantie abwimmeln lassen.

Normalerweise sind Sie bei der Geltendmachung von Gewährleistungsrechten besser geschützt, da Ihnen beispielsweise weder die Arbeitszeit für den Einbau eines Ersatzteils, noch das Ersatzteil selbst in Rechnung gestellt werden darf. Zudem gilt bei der Gewährleistung in den ersten sechs Monaten nach dem Kauf die Beweislasterleichterung.

Bei einem Verweis des Händlers auf eine Reparatur durch den Hersteller sollten Sie sich schriftlich zusichern lassen, dass der Händler den Gewährleistungsfall anerkennt. Hingegen kann die Herstellergarantie vor allem dann für Sie interessant sein, wenn die zweijährige Verjährungsfrist für die Gewährleistungsansprüche abgelaufen ist. Doch auch hier gilt es zunächst einen Blick in die Garantiebedingungen zu werfen und zu prüfen, ob und in welchem Umfang der Hersteller die Kosten für eine etwaige Reparatur übernimmt.

Bei den von Händlern angebotenen Garantieverlängerungen sollten Sie zuvor genau prüfen, ob und in welchen Fällen der garantierte Schutz zum Tragen kommt und ob sich die Garantie unterm Strich rechnet. Bei Produkten im Niedrigpreissegment oder solchen, die technisch schnell überholt sind oder von denen ohnehin keine lange Lebensdauer wegen Abnutzung zu erwarten ist, wird sich die Zusatzvereinbarung eher nicht lohnen.

In Zweifelsfällen sollten Sie den Rechtsrat einer Verbraucherzentrale einholen.

  • 26. September 2013
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