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Das Projekt Verbraucherrechte in der digitalen Welt endet am 31.12.2015, so dass diese projektbezogene Internetseite www.surfer-haben-rechte.de nicht mehr weiter aktualisiert werden kann.

Ihr Smartphone – aber auch Ihr System?

Ihr Smartphone – aber auch Ihr System?
Von aufgeblähten Betriebssystemen und nicht deinstallierbaren Apps bei Android-Geräten

Welche Apps nutzen Sie am häufigsten auf Ihrem Smartphone? Die Wetter-App? Die zum Texten oder den Browser? Für viele Menschen sind die Apps als praktische Helfer aus dem Alltag kaum mehr wegzudenken. Manche dagegen würde man lieber löschen und kann nicht.

Bloatware, vom englischen „to bloat“ – aufblähen, ist der Fachebegriff für unnötige Apps, die bereits auf neu gekauften Smartphones vorinstalliert sind. Denn mit diesen Apps blähen die Hersteller die Anzahl der Programme auf ihren Geräten künstlich auf und belegen zusätzlich noch Speicher auf dem Smartphone. Bei älteren Modellen ist so schnell die Kapazitätsgrenze erreicht, man muss andere Apps deinstallieren oder auf die SD-Karte ausweichen, wenn möglich. Auch bei neueren Modellen kommt es vor, dass fast die Hälfte des Speichers schon mit vorinstallierten Apps belegt ist. Besonders ärgerlich wird es, wenn die unnötigen vorinstallierten Apps sich nicht löschen lassen. Was zum Beispiel die „Samsung-Apps“ oder die Messenger-App „ChatOn“ so unentbehrlich macht, dass man sie nicht deinstallieren kann, bleibt wohl ein Rätsel der Hersteller und Netzbetreiber.

Kontrolle wiedergewinnen: Rooten

Eine Methode, um diese unerwünschten Apps dann doch noch loszuwerden und den Speicher wieder freizuräumen, ist es, das Smartphone zu rooten. Rooten bedeutet, sich Zugriff auf eigentlich gesperrte Bereiche innerhalb des Betriebssystems zu verschaffen und damit die Möglichkeit, Daten und Programme nach Belieben zu installieren, auszutauschen, zu verändern oder aber auch zu entfernen. Das ist allerdings nicht ganz einfach und von Gerät zu Gerät verschieden. Außerdem verweigern Hersteller danach häufig die Garantie und die Gewährleistung. Dennoch lassen sich viele Funktionen erst mit gerooteten Geräten nutzen. Bei Android-Smartphones lässt sich zum Beispiel ein Bildschirmfoto nur mit gerooteten Geräten erstellen und auch die Rechteverwaltung für Apps lässt sich nur auf gerooteten Smartphones anpassen. Aber Vorsicht: Die Apps, die Rootrechte oder Administratorrechte haben, könnten theoretisch auch Schaden auf dem Gerät anrichten. Womit die Hersteller unter anderem begründen, warum sie Telefone nicht gleich in diesem Status ausliefern. Überlegen Sie sich also gut, welcher App sie Rootrechte geben.

Alternatives Betriebssytem: Gibt’s auch fürs Smartphone

Was bei Computern mit einem simplen Klick möglich ist, verweigern die Hersteller bei Smartphones: Administratorenrechte. Dabei gibt es sogar Betriebsysteme für Android-Smartphones, die diese Rechte von Haus aus mitbringen. Ein weiterer Vorteil: man bekommt häufig auch noch Aktualisierungen für sein Gerät, selbst wenn der Hersteller das Smartphone nicht mehr mit Updates versorgt. Das bekannteste ist CyanogenMod, aber auch hier ist die Installation nicht immer problemlos und es werden nicht alle Smartphones unterstützt.

Googles Griff nach den Daten

Auch die hauseigenen Google-Apps und -Dienste sind tief mit dem Android-Betriebssystem verwoben. Das Computermagazin c’t hat im Juni 2014 (c’t 13/2014, S. 114) in einem Test festgestellt, dass bei einem normalen Gebrauch rund ein Drittel aller Zugriffe aufs Internet an Google-Server gingen. Auch wenn darunter natürlich gewollte Zugriffe waren, etwa auf Youtube, blieben auch zahlreiche ungewollte Zugriffe: Das Adressbuch wird automatisch zu Google geladen, der Kalender abgeglichen und der Standort an Google weitergegeben. Einige dieser Zugriffe kann man zwar auch ohne Rootrechte abstellen und das automatische Synchronisieren verbieten, das ist aber ein unerfreulicher Mehraufwand. Und entfernen lassen die Google-Apps ohne Rootrechte eben nicht. Viel besser wäre es, wären auch diese Apps erst im Nachhinein bei Bedarf zu installieren. Die Zwangseinbindung der meisten Google-Apps in Android erinnert ohnehin sehr stark an Microsoft, das seinen Internet Explorer früher als Standardbrowser bei Windows mitausgeliefert hat – und deshalb vor einigen Jahren zu hohen Kartellstrafen dazu verurteilt wurde.

Werbe-ID, IMSI und IMEI zur Identifikation

Ihr Smartphone ist einzigartig. Nicht nur durch die verschiedenen Apps, die Sie installiert haben und durch ihr Nutzerkonto, auch durch verschiedene Identifikationsnummern (IDs). Viele der neueren Android-Versionen haben eine von Google vergebene, so genannte der Werbe-ID, auf die bestimmte Apps und Werbenetzwerke zuzugreifen können, um Sie appübergreifend wiederzuerkennen. Diese Werbe-ID können Sie ändern. (Je nach Android Version im Menü Einstellungen – Konto – Google Konto – Datenschutz – Anzeigen, und dann die Werbe-ID ändern) Das sollten Sie in regelmäßigen Abständen auch tun, um die Profilbildung zu erschweren. Wenn Apps allerdings ohne ersichtlichen Grund auf andere Identifikationsnummern des Smartphones zugreifen wollen, etwa die die IMEI-Nummer des Smartphones oder die IMSI-Nummer der Sim-Karte, helfen wiederum nur Rootrechte um das zu unterbinden. Diese beiden Nummern ändern sich nämlich nie.

Fazit

Wer die volle Kontrolle über sein Smartphone haben will, kommt um’s Rooten kaum herum. Damit lassen sich vorinstallierte Apps löschen und die Rechte anderer Apps verwalten. Wer noch einen Schritt weiter gehen möchte und sich weiter von Google lösen möchte, für den sind alternative Betriebssysteme etwas, das sich anzuschauen lohnt. Aber auch hier gestaltet Google es durch seine Politik immer schwieriger, auf die sogenannten Google-Dienste zu verzichten. Für Verbraucher wünschenswert wäre dennoch die Möglichkeit, das Betriebssystem des Smartphone unkompliziert selbst zu installieren.

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