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Das Projekt Verbraucherrechte in der digitalen Welt endet am 31.12.2015, so dass diese projektbezogene Internetseite www.surfer-haben-rechte.de nicht mehr weiter aktualisiert werden kann.

IPv6 - Was ist denn das?

IPv6 - Was ist denn das?
Das neue Internet-Protokoll IPv6

Im Internet werden Daten mit Hilfe des Internet-Protokolls (IP) übertragen. Wie Postleitzahlen in der realen Welt, sind die so genannten IP-Adressen notwendig, um die Daten dem richtigen Empfänger zuzustellen. Bei dem derzeit verwendeten Standard („Internet Protocol Version 4“ – IPv4) besteht eine IP-Adresse aus vier Zahlen, die Werte von 0 bis 255 annehmen (z.B. 213.71.163.94). Damit ergeben sich jedoch nur knapp 4,3 Milliarden Zahlenkombinationen, die im Frühjahr 2012 alle vergeben sein werden.

Es herrscht also Knappheit im Netz. Mit diesem Problem gehen Internetanbieter derzeit um, indem sie aus einem gewissen Portfolio den Nutzern dynamisch IP-Adressen zu-weisen. Das bedeutet, dass diese jedes Mal eine neue IP-Adresse erhalten, wenn sie sich in das Internet einwählen und diese wieder verlieren, wenn sie sich abmelden. Aus Datenschutzsicht hat das enorme Vorteile: Nur der Internetanbieter weiß, wer sich zu welchem Zeitpunkt mit welcher IP-Adresse im Internet bewegt. Außerdem erhält nicht jedes Endgerät eine eigene IP-Adresse, sondern nur der jeweilige Internetanschluss, unabhängig davon, wie viele Computer darüber am Netz hängen.

Das neue Format: IPv6

Knappheit soll es im Internet künftig nicht mehr geben. Mit dem Format IPv6 wird ein neuer Standard eingeführt, der mehr Stellen und eine veränderte Schreibweise mit sich bringt, zum Beispiel 2001:db8:1234:0001:00aa:00ff:fe3f:2a1c. Damit stehen nun über 340 Sextillionen IP-Adressen zur Verfügung.

Die neue IP-Adresse besteht aus zwei Teilen. Der erste wird vom Internetanbieter vergeben (wie bisher die IPv4-Adresse auch). Allerdings besteht zumindest technisch keine Notwendigkeit mehr, dies dynamisch zu tun. Jeder Anschluss kann also eine feste Adresse erhalten. Der zweite Teil wird aus einer festen, einmaligen Hardware-Adresse (MAC-Adresse) des Endgeräts berechnet. Der Nutzer surft somit mit einem eindeutigen „Nummernschild“ durchs Internet. Datenschutz ist so nicht mehr vorhanden. Dies ist insbesondere bei Smartphones ein Problem, die normalerweise nur von einer Person genutzt werden. Die Erstellung von umfassenden Nutzungs-, Interessens- und Bewegungsprofilen und damit die Beobachtung und Manipulation der Verbraucher durch Unternehmen würde um ein vielfaches leichter als bisher. Auch anonyme Meinungsbekundungen oder die anonyme Teilnahme an sensiblen Diskussionen oder Beratungen im Internet wären kaum mehr möglich.

Handlungsbedarf für den Datenschutz

Die Problematik ist bekannt. Deshalb wurde die so genannte „Privacy Extension“ entwickelt, ein Verfahren, durch das der zweite Teil der Adresse zufällig berechnet wird. An diesem Punkt wird erneut die Voreinstellung relevant. Die Anonymisierung ist bisher nur bei Windows, Mac OS X ab Version 10.7 und bei iOS ab Version 4.3 standardmäßig aktiviert. Bei älteren Mac-Rechnern und bei Computern mit Linux-Betriebssystem müssen die Nutzer dies selbst einstellen. Besonders problematisch: Bei vielen Smartphones ist die Funktion gar nicht erst vorgesehen.

Für den Datenschutz im Internet ist es nach Auffassung des vzbv unerlässlich, feste Regelungen für die Vergabe von IPv6-Adressen zu formulieren. Jeder Internetanbieter muss verpflichtet werden, ohne Aufpreis auch weiterhin dynamische Adressen an seine Kunden zu vergeben. Zudem dürfen internetfähige Geräte nur mit aktivierter Privacy Extension ausgeliefert werden.

Wie kann der Nutzer sich schützen?

Nutzer können bei ihrem Internet-Anbieter fragen, ob dieser seine IPv6-Adressen weiterhin dynamisch oder statisch vergibt. Viele Provider bieten an, weiterhin dynamische IP-Adressen zu vergeben, indem sie die IP-Adresse alle 24 Stunden neu zuteilen. Auf Wunsch kann man eine statische und unveränderliche IP-Adresse oder einen Adressenblock zugeteilt bekommen. Die Standardeinstellung bleibt bei vielen Anbietern jedoch wie bisher: dynamisch.Zusätzlich können Verbraucher auf Erweiterungen in Form von Software zurückgreifen, die anstatt der Gerätenummer eine zufällige Kombination für die IPv6-Adresse generieren, um unerwünschtem Tracking entgegenzuwirken. Diese Privacy Extension gibt es mittlerweile für die meisten Betriebssysteme. Bei vielen neueren Versionen verbreiteter Betriebssysteme wie z.B. Windows oder Android ist die Datenschutz-Erweiterung standardmäßig eingeschaltet. Bei einigen Systemen oder aber alten Versionen muss man die Einstellungen per Hand vornehmen.

  • 3. Oktober 2011
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