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Das Projekt Verbraucherrechte in der digitalen Welt endet am 31.12.2015, so dass diese projektbezogene Internetseite www.surfer-haben-rechte.de nicht mehr weiter aktualisiert werden kann.

Nutzertracking: Facebook jetzt auf allen Geräten

Nutzertracking: Facebook jetzt auf allen Geräten
Mit dem neuen Werbetool Atlas trackt Facebook jetzt noch genauer

Das Geheimnis hinter Atlas ist die sogenannte Cross-Device-Funktionalität. Dahinter steckt die Möglichkeit für Facebook, seine Nutzer auch über die verschiedenen Geräte hinweg zu verfolgen. Ob am Smartphone, Laptop, Firmen-PC oder Tablet: Wer sich auf Facebook einloggt, hinterlässt Spuren auch im Rest des Internets. Durch Seiten, die einen „Gefällt mir“-Button eingebunden haben, weiß Facebook dann, welche Nachrichtenseiten man besucht hat. Die selbst im Profil gemachten „Gefällt mir“-Angaben, vervollständigen das Bild, das Facebook den Werbetreibenden dann anbieten kann.

„Gefällt mir“ auf allen Geräten

Bisher hat Facebook immer behauptet, die Daten, die durch den „Gefällt mir“-Button auf anderen Internetseiten gesammelt werden, nicht zu benutzen – ja die Datensammlung ursprünglich sogar als Fehler in dem Programmcode des Buttons bezeichnet. Dann kam im Juni 2014 die Kehrtwende, die Daten sollten nun doch genutzt werden. Und mit Atlas sogar sehr effektiv: Werbung wird jetzt passgenauer angezeigt, auf allen Geräten. Also auch in anderen Apps auf dem Smartphone, das die Facebook-App installiert hat, so die New York Times.

Atlas trackt die Menschen, setzt nicht auf Cookies

Bisherige Methoden um Nutzer wiederzuerkennen, zum Beispiel Cookies, sind zu ungenau und funktionieren nicht über Gerätegrenzen hinweg. Durch die Zusammenführung mittels Facebookprofil entkommt man dem Tracking von Facebook nun kaum noch. „Real people“, so heißt es bei Atlas, „echte Menschen“ also. Cookies kann man immerhin löschen und sozusagen sein Profil „zurück auf Anfang“ setzen. Facebook kennt alle unsere „Gefällt mir“-Angaben und weiß im Unterschied zu Google häufig sogar noch mehr, dank der ausgefüllten Profile: Alter, Wohnort, Bildungsstand. Alles goldwerte Informationen für Werber. Anzeigenpartner können dann demnächst Werbung für ihr Produkt gezielt auf Frauen zwischen 25 und 35 in Berlin und Hamburg, denen bestimmte Filme oder Bands gefallen, zuschneiden.

Atlas weiß auch, ob man wirklich etwas gekauft hat

Und Atlas geht sogar noch weiter. Laut eigener Webseite will es den werbenden Unternehmen auch mitteilen können, ob die Werbeanzeige erfolgreich war und die Verbraucher wirklich etwas gekauft haben – auch offline. Dazu verknüpft es die Daten bei Offline-Käufen mit den Online-Anzeigen. Dies dürfte wohl auf Kundenkarten, mitgeteilten Telefonnummern oder E-Mail-Adressen beruhen.

Auch wenn Facebook sagt, es liefere nur anonyme Daten und keine Namen an die Werbetreibenden aus, dürfte diese fast lückenlose Überwachung doch ein mulmiges Gefühl bei vielen Nutzern hinterlassen. Denn bei so ausführlichen Nutzerprofilen kann wirkliche Anonymität kaum gewahrt sein. Die hohen Anmeldezahlen beim neuen werbefreien Netzwerk Ello könnten auch damit und mit Facebooks legendär schlechtem Ruf in Sachen Privatsphäre und Nutzerfreundlichkeit zusammenhängen.

Halbherzige Transparenzoffensive von Facebook

Facebook versucht sich deshalb ausnahmsweise in Transparenz: Man kann sich den gezielten Werbeanzeigen entziehen, indem man ein „Opt-out“ wahrnimmt. Nun fordert der Verbraucherzentrale Bundesverband schon seit Jahren, dass nur ein Opt-in wirklich zulässig ist, wenn es um Privatsphäre und Werbung geht, aber immerhin ein Anfang. Auf dieser Seite von Facebook wird erklärt, wie man den gezielten Anzeigen widersprechen kann. Das Absurde dabei: Das funktioniert nicht geräteübergreifend. Und löscht man seine Cookies, wie wir seit Jahren empfehlen, um Tracking im Internet zu erschweren, „vergisst“ Facebook die Einstellung wieder. Dabei kann es doch jetzt auch Menschen über die Gerätegrenzen hinweg ansprechen. Da hilft dann wohl wirklich nur der Adblocker.

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