Skip to content Skip to navigation

Das Projekt Verbraucherrechte in der digitalen Welt endet am 31.12.2015, so dass diese projektbezogene Internetseite www.surfer-haben-rechte.de nicht mehr weiter aktualisiert werden kann.

Offener Brief an Facebook: Mehr Verantwortung für den Datenschutz
x

Fehlermeldung

An Error Occurred when accessing CMIS Field content

Offener Brief an Facebook: Mehr Verantwortung für den Datenschutz
vzbv fordert zum Börsengang eine Stärkung des Verbraucherschutzes

Eine nachhaltige Verbesserung des Verbraucher- und Datenschutzes fordert der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) in einem offenen Brief an Facebook-Gründer Mark Zuckerberg und die Unternehmensleitung. Das Soziale Netzwerk weise große Defizite im Bereich Nutzersupport und Datenschutz auf, die dringend angegangen werden müssen. Facebook müsse angesichts seines Börsengangs die Unternehmenspolitik überdenken und den Verbraucherschutz ernsthaft verbessern. Aus dem Inhalt: „Ob Beschwerden über Datenschutzprobleme, fehlende Zugriffsmöglichkeit auf den eigenen Account oder Missbrauch des Accounts durch Dritte: Facebook nimmt die Belange der Nutzer nicht angemessen ernst und versagt ihnen eine unmittelbare Beratung und Hilfestellung.“

Sehr geehrter Herr Zuckerberg,  

mit großem Interesse verfolgen wir die derzeitigen Debatten um den anstehenden Börsengang von Facebook. Durch den Gang an die Börse und die Ausgabe von rund 421 Millionen Anteilspapieren könnte Facebook bis zu 16 Milliarden Dollar Erlös erwirtschaften. Von diesem Geld sollen neue Investitionen finanziert werden. Zu unserem Bedauern sind jedoch derzeit keine Pläne zu einer nachhaltigen Verbesserung des Verbraucher- und Datenschutzes durch Investitionen geplant.  

So hat Facebook es in den letzten Jahren versäumt, eine Infrastruktur für den persönlichen Nutzersupport aufzubauen. Statt persönlicher Hilfestellungen für Nutzer durch geschulte Mitarbeiter anzubieten, werden Facebook-Nutzer auf Hilfe-Foren oder Formulare verwiesen, über die sie nicht immer die gewünschte Hilfe erhalten.  Ob Beschwerden über Datenschutzprobleme, fehlende Zugriffsmöglichkeit auf den eigenen Account oder Missbrauch des Accounts durch Dritte: Facebook nimmt die Belange der Nutzer nicht angemessen ernst und versagt ihnen eine unmittelbare Beratung und Hilfestellung.  

Verbraucherverbände sind daher regelmäßig mit Beschwerden und Fragen von Nutzern konfrontiert, die vergeblich versucht haben mit Facebook in Kontakt zu treten. Oft gelingt es nicht einmal eine verantwortliche Stelle innerhalb des Unternehmens zu benennen.  

Hinzu kommt das Selbstverständnis von Facebook: Das Unternehmen setzt sich über die Datenschutzbelange der Nutzer hinweg, in dem die Daten auch ohne die Einwilligung genutzt werden. Besonders schwerwiegend zu beurteilen ist insbesondere die Datenspeicherung von Verbrauchern, die nicht Mitglied auf Facebook sind und sich unter Umständen wegen der Sorge um ihre Daten bewusst gegen eine Mitgliedschaft auf Facebook entschieden haben.  

Aus unserer Sicht ist dies eine Strategie, die Verbraucher langfristig verärgern wird. Facebook verkennt, dass der Erfolg mit der Zufriedenheit seiner Nutzer steht und fällt. Wenn Facebook sich langfristig weigert, auf die Verbraucherbelange und -wünsche in Fragen des Verbraucher- und Datenschutzes und speziell des Beschwerdemanagements einzugehen, zeugt dies nicht nur von einer geringen Wertschätzung für seine Nutzer. Vielmehr wird der Stellenwert der Facebook-Nutzer unterschätzt, denn jeder einzelne Nutzer ist in seiner Gesamtheit betrachtet ein wesentlicher Teil des von Facebook betriebenen Geschäftsmodells.  

Langfristig betrachtet, müssen Unternehmen nicht nur in Quantität, sondern auch Qualität investieren um im Wettbewerb bestehen zu können. Hierbei wird der Verbraucher- und Datenschutz in einer immer stärker vernetzten Gesellschaft zu einem wichtigen Kriterium bei der Wahl von Dienstleistern. Nachhaltige Unternehmenspolitik kann nicht am Verbraucher vorbei entschieden werden, sondern muss die Sorgen und Ängste der Nutzer mit einbeziehen.  

Wir als Verbraucherverband sehen großen Investitionsbedarf in den Bereichen Datenschutz und Verbraucherschutz. Facebook hat in den letzten Jahren hauptsächlich durch negative Schlagzeilen in diesen Bereichen in der Öffentlichkeit von sich Reden gemacht. Aus diesem Grunde haben wir das noch nicht rechtskräftige positive Urteil vor dem Landgericht Berlin erstritten, in dem es unter anderem auch um den Freundefinder und unzulässige Geschäftsbedingungen ging.  Zudem zeigen die letzten Stellungnahmen von EU-Kommission und Datenschutzbeauftragten sehr deutlich, dass eine klare Erwartungshaltung bezüglich von Verbesserungen des Daten- und Verbraucherschutzes bei Facebook existiert.  

Die Tatsache, dass Facebook seit mehreren Wochen unter anderem den deutschen Nutzern die Einführung unterschiedlich neuer Datenschutzbestimmungen und Nutzungsbedingungen zur Diskussion stellt beseitigt nicht das grundsätzliche Defizit in Fragen des Verbraucherschutzes. Es bleibt trotz verbesserter Struktur der Bedingungen und einer verständlichen Sprache eine rein kosmetische Korrektur. Denn nach wie vor muss der Nutzer im Nachhinein das Stellrad an der Datenschraube bemühen, um Facebook und Dritten nicht ein umfassendes Nutzungsrecht an den eigenen Daten einzuräumen.  

Und hier, sehr geehrter Herr Zuckerberg, sehen wir eine erhebliche Gefahr für Investoren und Aktionäre zum Börsengang. Eine nachhaltige Unternehmenspolitik zeichnet sich durch einen rücksichtsvollen und verantwortlichen Umgang mit dem „Investitionsgut“ aus. Das heißt, vor dem Hintergrund langfristiger Investitions- und Wachstumspläne im Zusammenhang mit dem Börsengang sind Gewinne erst zu erzielen, wenn Facebook die Belange des Verbraucher- und Datenschschutzes der Nutzer, die letztlich die Grundlage für Facebooks Geschäftsmodell sind, ernst genommen werden.  

Angesichts des Börsengangs appellieren wir an Sie und die Unternehmensleitung, die Unternehmenspolitik zu überdenken und sich der Verantwortung zu Gunsten eines ernsthaft verbesserten Daten- und Verbraucherschutz zu stellen.    

Mit freundlichen Grüßen,

Gerd Billen, Vorstand vzbv

  • 16. Mai 2012
  • Kommentare: 0
Schlagworte: