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Das Projekt Verbraucherrechte in der digitalen Welt endet am 31.12.2015, so dass diese projektbezogene Internetseite www.surfer-haben-rechte.de nicht mehr weiter aktualisiert werden kann.

Online-Werbung und Nutzertracking wird hartnäckiger

Online-Werbung und Nutzertracking wird hartnäckiger
Canvass-Fingerprinting verfolgt die Surfgewohnheiten

Fingerabdrücke hinterlassen wir überall, täglich: Auf Kaffeetassen, Fensterscheiben, im Bus, in der Bahn. Niemand würde sich die Mühe machen, unsere Spuren täglich und umfassend zu verfolgen. Unsere Lese- und Surfgewohnheiten im Internet hinterlassen ganz ähnliche Spuren – die ganz einfach zu verfolgen sind. Werbenetzwerke interessieren sich brennend dafür.

Canvass-Fingerprinting nennt sich die Methode, die gerade publik wurde und die man nicht so einfach abstellen kann. Um zu verstehen, warum das in unsere Privatsphäre eingreift und warum man sich so schlecht dagegen wehren kann, hilft es die Funktionsweise von Online-Werbung näher zu betrachten.

Werbung will genauer werden

Viele Seiten im Internet finanzieren sich zu einem großen Teil über Werbung. Das ist verständlich und legitim. Doch während früher die Anzeigenabteilung des Verlages dafür zuständig war, Anzeigen in die Zeitung aufzunehmen, binden viele Webseiten heute Werbung durch andere Firmen ein, etwa Googles Tochter DoubleClick. Damit haben dann die ursprünglichen Webseiten keine oder wenig Kontrolle darüber, welche Werbung auf ihren Seiten eingeblendet wird. Natürlich ist es im Interesse derjenigen, die die Werbung schalten, dass die Werbung möglichst zur Webseite, auf der sie ausgegeben wird, passt, auch wenn es manchmal Fehlplatzierungen gibt.

Es gibt auch andere Anbieter als DoubleClick und jeder Anbieter hat ein Interesse daran, dass die bei ihm in Auftrag gegebene Werbung auf möglichst vielen Webseiten erscheint. Es gibt sogar Marktplätze, auf denen Werbeanbieter und Seitenbetreiber mit Werbeflächen die Werbeanzeigen in Echtzeit kaufen bzw. verkaufen. Da die Werbeanbieter ihrerseits von ihren Kunden meist per Klick auf die Anzeige bezahlt werden, muss die Werbung möglichst oft angeklickt werden.

Ein Beispiel – in Sekundenbruchteilen ist der Platz verkauft

Der Hersteller einer Kamera will sein neuestes Modell möglichst bekannt machen. Er wendet sich an einen Werbeanbieter, der die Kamerawerbung auf großen Online-Zeitungsseiten und Portalen unterbringt. Der Werbeanbieter kauft den Werbeplatz aber nur in den Sekundenbruchteilen, bevor Petra Schmidt die Online-Zeitung aufruft, nicht jedoch wenn Ralf Müller die Webseite aufruft.

Welcher Käufertyp sind Sie?

Denn dank Cookies und anderer sogenannter Trackingmethoden weiß der Werbeanbieter ziemlich genau, für was sich Petra Schmidt und Ralf Müller so interessieren. Denn er verfolgt sie durchs Netz. Auf jeder Webseite, auf der der Werbeanbieter selbst auch zu finden ist. So können die großen Werbeanbieter, die auf sehr vielen Webseiten präsent sind, Sie auf Ihrem täglichen Weg durchs Netz verfolgen. Und sie merken sich auch, worauf Sie so klicken, welche Produkte Sie sich angeschaut haben. Haben Sie vielleicht auf Angebote reagiert? Oder sind Sie eher der Käufertyp, der sich mit guten Testergebnissen locken lässt? Werbenetzwerke können das wissen.

Cookies löschen

Deshalb ist es empfehlenswert, Cookies regelmäßig zu löschen und Drittanbieter-Cookies gar nicht erst zuzulassen. Das kann man einfach im Browser einstellen. Zusätzlich gibt es auch Werbeblocker als Browsererweiterungen, wie „Adblock Plus“ oder „Adblock Edge“ die Werbeanzeigen auch blockieren. Das nützt sogar der Sicherheit, denn einige unseriöse Werbenetzwerke lieferten in der Vergangenheit hin und wieder Schadcode und Viren aus. Sie können auch gezielt auswählen, Werbung auf manchen Seiten zuzulassen – denn viele Angebote leben ausschließlich durch die Werbung.

Canvass-Fingerprinting und unsichtbares Tracking

Gegen den sogenannten Canvass-Fingerprinting hilft das allerdings nicht. Auch die Cookies zu löschen, ist vergeblich. Denn der Browser wird im Hintergrund durch das Werbenetzwerk aufgefordert, ein unsichtbares Bild zu zeichnen. Durch geringste Abweichungen, die jeden Computer und den darauf installierten Browser einzigartig machen, ergibt sich ein spezieller Wert, der webseitenübergreifend verfolgt werden kann.

Der einzige Schutz ist es momentan, Javaskripte im Browser auszuschalten – doch dann funktionieren einige Webseiten nicht mehr richtig. Das Addon „Privacy Badger“ für den Browser der amerikanischen Organisation EFF bietet dagegen eine einfache Auswahl, welche Funktionen man zulassen will und schützt dabei gleichzeitig weitgehend auch vor unsichtbaren Tracking-Methoden.

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