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Das Projekt Verbraucherrechte in der digitalen Welt endet am 31.12.2015, so dass diese projektbezogene Internetseite www.surfer-haben-rechte.de nicht mehr weiter aktualisiert werden kann.

Praxischeck: Löschen von Online-Profilen noch immer viel zu kompliziert
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Praxischeck: Löschen von Online-Profilen noch immer viel zu kompliziert
Untersuchung Onlineprofile: Einstieg leicht - Ausstieg unmöglich?

Die Digitalisierung beeinflusst immer mehr das gesamte Leben der Nutzer. Eltern basteln keine Fotoalben mehr für Ihre Kinder, sondern legen Onlineprofile an. Bildergalerien werden auf Flickr und die Urlaubsvideos auf YouTube eingestellt. Das Internet sorgt dafür, dass nichts und niemand so schnell vergessen wird. Ein Kundenkonto für solche Portale zu erstellen ist leicht, aber seine Daten zu löschen ist manchmal unmöglich, wie eine Untersuchung des Projekts „Verbraucherrechte in der digitalen Welt“ zeigt.

Aufgrund dieser Ergebnisse probierte das Projektteam exemplarisch die Löschmöglichkeiten bei den beliebtesten Internet-Plattformen in Deutschland selbst einmal aus. Folgende Anbieter wurden für diese Untersuchung auf Basis externer Studien und allgemeiner Internetrecherche ausgewählt:

  • Webmaildienste: GMX, Web, Yahoo, Hotmail, AOL
  • Onlineshops: Amazon, Weltbild, Otto, Tchibo
  • Foren: Gutefrage, Gamestar, Tierforum, Kochrezepte, Computerhilfen
  • Soziale Netzwerke: Facebook, Stayfriends, Wer-kennt-wen, Xing, Jappy

Insgesamt ließ sich beobachten, dass die Möglichkeiten zum Löschen des Accounts bei den verschiedenen Anbietern sehr unterschiedlich gelöst waren. Auf jeder einzelnen Online-Plattform musste man neu auf die Suche gehen und nicht immer wurde man fündig. Lediglich auf sechs von 19 Online-Plattformen war die Löschmöglichkeit dort vorhanden, wo man eine solche Funktion zumeist vermutet: in den Konto-Einstellungen oder Profilinformation. Auf neun von 19 Online-Plattformen war erst über die „Hilfe“-Funktion eine Löschmöglichkeit zu finden. Bei vier Onlineangeboten war das Löschen überhaupt nicht möglich.

Auf elf von 19 untersuchten Online-Plattformen konnte das Kundenkonto sofort gelöscht werden - mittels eines Buttons oder eines Links. Auf allen anderen acht Online-Plattformen musste entweder ein Webformular ausgefüllt oder eine E-Mail an die im Impressum beziehungsweise Kontakt angegebene Adresse gesandt werden.

Praxischeck 2013

Und wie steht es um die Löschmöglichkeiten im Jahr 2013? Hat sich was verändert? Das Projekt „Verbraucherrechte in der digitalen Welt“ hat seine Untersuchung wiederholt. Wirkliche Verbesserungen sind nicht zu beobachten – nur zwei Forenbetreiber (Gutefrage, Computerhilfe) haben ihre Löschmöglichkeiten vereinfacht, indem sie die Möglichkeit geschaffen haben, Daten per Button in den Kontoeinstellungen zu entfernen. Dementsprechend sind nun auf acht von 19 Online-Plattformen die Löschmöglichkeiten leicht auffindbar in den Konto-Einstellungen oder Profilinformation vorhanden. Auf sieben, Online-Plattformen ist weiterhin erst über die Suche bzw. „Hilfe“-Funktion eine Löschmöglichkeit zu finden. Wie in 2011 auch, bieten vier Online-Plattformen gar keine Möglichkeit zum Löschen an. Eine weitere kleine Verbesserung gibt es bei der Löschung des Profils mittels eines Buttons oder eines Links: Auf zwölf von 19, statt wie in 2011 nur elf, untersuchten Online-Plattformen konnte das Kundenkonto sofort gelöscht werden. Dementsprechend musste auf allen anderen sieben Online-Plattformen noch immer entweder ein Webformular ausgefüllt oder eine E-Mail an den Anbieter gesandt werden.

Wirklich alles gelöscht?

Im Rahmen seines aktuellen Praxischeck ist das Projekt „Verbraucherrechte in der digitalen Welt“ auf ein weiteres Problem gestoßen. Immer wieder werden Kundenkonten und Online-Profile gar nicht wirklich gelöscht, obwohl dem Nutzer dies suggeriert wird. Auf drei von 19 Online-Plattformen war eine Anmeldung mit den alten Benutzerdaten aus dem Jahr 2011 noch immer möglich, gleichwohl das Projekt deren Löschung bereits vor über 1 ½ Jahren verlangt hatte. Stattdessen wurden die Kundenkonten offensichtlich nur auf „inaktiv“ geschaltet. Der Nutzer kann sich also nie wirklich sicher sein, ob seine Daten tatsächlich gelöscht werden oder nicht doch auf den Rechnern der Unternehmen verbleiben.

Nutzer brauchen einen echten Löschanspruch

Der neue Praxischeck zeigt: die Verbraucher stehen weiterhin vor großen Hindernissen, wenn sie ihr Kundenkonto auf einer Online-Plattform löschen wollen und nicht immer werden die Daten tatsächlich gelöscht. Die Nutzer müssen aber ein durchsetzbares Recht auf Löschen ihrer Daten haben und darauf vertrauen können, dass ihre Daten bei den Anbietern auch tatsächlich gelöscht werden.  Zurzeit wird auf EU-Ebene die Datenschutz-Grundverordnung verhandelt. In diesem Entwurf ist ein so genanntes „Recht auf Vergessenwerden“ vorgesehen. Der Verbraucherzentrale Bundesverband unterstützt weite Teile dieser Bestimmung, auch wenn ihr Name missverständlich ist. Denn die Regelung sollte weniger das Vergessenwerden thematisieren. Viel entscheidender ist, dass Nutzer tatsächlich immer ein Recht zur Löschung ihrer Daten erhalten. Zum anderen müssen Betreiber den Löschanspruch auch bei anderen Unternehmen durchsetzen, wenn sie diesen persönliche Daten des Nutzers übermittelt haben. Der Nutzer selbst kann schließlich oftmals gar nicht überblicken, an welche konkreten Dritten die Daten durch den Anbieter weiter gegeben wurden.

Viele Diensteanbieter sind davon natürlich nicht begeistert, da die Nutzerdaten nun einmal ihr Geschäftsmodell sind. Es liegt nicht in ihrem Interesse den Löschvorgang für die Nutzer transparent und einfach auffindbar zu gestalten. Es ist daher zu hoffen, dass ihr massives Lobbying auf die EU-Institutionen erfolglos ist und das Recht auf Löschung im weiteren Gesetzgebungsprozess nicht verwässert wird.

  • 29. Mai 2013
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