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Das Projekt Verbraucherrechte in der digitalen Welt endet am 31.12.2015, so dass diese projektbezogene Internetseite www.surfer-haben-rechte.de nicht mehr weiter aktualisiert werden kann.

Rooting vs. Gewährleistung

Rooting vs. Gewährleistung
Rooting von Android-Smartphones

Wenn ein Verbraucher ein Android-Smartphone ersteht, ist dieses oftmals bereits beim Kauf oder nach kurzer Zeit softwaretechnisch veraltet. Der Nutzer bräuchte also ein neueres oder teureres Telefon, wenn er aktuelle Software verwenden möchte. Und dies, obwohl die Hardware seines bisherigen Geräts noch voll funktionsfähig ist und ausreichend leistungsfähig wäre.

Viele Verbraucher denken deswegen über die Installation von alternativen Betriebssystem-Versionen (CustomROM) mit den neusten Funktionen und Fehlerbehebungen nach. Dazu müssen Sie jedoch ihr Telefon rooten, mit der schwerwiegenden Folge, dass unter Umständen die gesetzlichen Gewährleistungsrechte nicht gelten.

Die meisten Android-Nutzer haben gar nicht die Möglichkeit, ihr Betriebssystem zu aktualisieren, denn die führenden Hersteller bieten ein Update meist nur für ihre neusten Telefone im High-End-Bereich an. Im Mai 2011 haben sich zwar die Hersteller darauf verständigt, ihre Geräte mindestens 18 Monate lang mit aktuellen Betriebssystem-Versionen zu versorgen. Allerdings gibt es Meldungen, dass diesem Grundsatz in der Praxis nicht nachgekommen wird.

Doch selbst wenn die Selbstverpflichtung wie geplant funktionieren würde, müsste sich der Kunde immer erst informieren, wann das Gerät auf den weltweiten Markt kam, um sich dann auszurechnen, wie lange er voraussichtlich noch Aktualisierungen erhalten würde. Praktisch bedeutet das: Der Kunde kauft die Katze im Sack. Er weiß nicht, ob und wie lange er zukünftig in den Genuss von Fehlerbehebungen und neuen Funktionen für sein Telefon kommen wird. Selbst die Möglichkeit, die Aktualisierungen käuflich zu erwerben, besteht nicht.

CustomROMs könnten die Lösung sein

Es ist natürlich klar, dass ein Käufer eines Smartphones nicht verlangen kann, in alle Ewigkeit Softwareaktualisierungen für sein Telefon zu erhalten. Aber dann sollte er wenigstens die Freiheit haben, selber Hand an zu legen. Denn theoretisch könnten sich Verbraucher eine alternative Betriebssystem-Version installieren – ein so genanntes „CustomROM“ bzw. „Custom Firmware“. Dabei handelt es sich um modifizierte Versionen des Betriebssystems, die von der Entwickler-Gemeinde kostenlos veröffentlicht werden.

Diese CustomROMs können nicht nur das Aussehen des Handys verändern, sondern bringen darüber hinaus oftmals die aktuellsten Funktionalitäten und Betriebssystem-Versionen auf Telefone, deren Aktualisierung durch die Hersteller gar nicht vorgesehen wäre. Teilweise bringen diese CustomROMs sogar weitergehende Funktionalitäten, eine entschlackte Bedienoberflächte oder eine höhere Leistungsfähigkeit, als die Systeme der Hersteller.

Rooting ist umstritten

Allerdings – und hier liegt das Problem – muss das Gerät „gerootet“ werden, damit der Verbraucher diese Software installieren kann. Rooting bedeutet, dass der Nutzer sich Zugriff auf eigentlich gesperrte Bereiche innerhalb des Betriebssystems verschafft und damit die Möglichkeit, Daten und Programme nach Belieben zu installieren, auszutauschen, zu verändern oder aber auch zu entfernen. Da die meisten Hersteller den Nutzern im Auslieferungszustand diese Rechte nicht gewähren, sondern im Gegenteil das Rooting technisch unterbinden, muss der Nutzer dazu Fehler oder Sicherheitslücken im Betriebssystem ausnutzen.

Rechtsexperten sind sich einig, dass das Rooting zu privaten Zwecken zwar strafrechtlich unbedenklich, allerdings vertragsrechtlich höchst umstritten ist  . Denn viele Hersteller akzeptieren in der Praxis keinerlei gesetzliche Gewährleistungsansprüche mehr, wenn das Gerät gerootet wurde. Dabei ist es unerheblich, wann der Schaden eingetreten bzw. worauf er zurück zu führen ist.

Gewährleistung trotz Rooting?

Auch die Free Software Foundation Europe hat sich mit dieser Problematik auseinander gesetzt. Sie kommt nach einer Analyse der europäischen „Richtlinie 1999/44/EG zu bestimmten Aspekten des Verbrauchsgüterkaufs und der Garantien für Verbrauchsgüter“ ebenfalls zu dem Schluss, dass die Gewährleistung für ein Smartphone mit dem Rooting nicht automatisch erlischt. Selbstverständlich kann vom Hersteller des Telefons nicht verlangt werden, dass er für die modifizierte Software Support übernimmt. Gleichermaßen gelten die Gewährleistungsansprüche nicht mehr, wenn der Nutzer beispielsweise den Prozessor übertaktet und dadurch die Hardware leidet. Es ist aber nicht ersichtlich, warum ein Hardwaredefekt stets auf das reine Aufspielen einer alternativen Software zurückzuführen sein soll.

Daher gilt auch weiterhin das Gewährleistungsrecht, selbst wenn das Telefon gerootet wurde. Tritt ein Mangel in den ersten sechs Monaten auf, nachdem der Kunde das Telefon erstanden hat, muss der Händler nachweisen, dass dieser Mangel nicht bereits vor dem Kauf bestand. Führt der Händler den Schaden auf das Rooting zurück, muss er auch diese Behauptung beweisen. In den darauf folgenden 18 Monaten ist die Beweislast umgekehrt. Dann muss der Kunde nachweisen, dass der Mangel bereits vor dem Kauf bestand. Der Händler darf sich jedoch nicht mit einem schlichten Verweis auf die alternative Software vor jeglichen Ansprüchen drücken.

  • 29. April 2013
  • Kommentare: 4
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Kommentare
Zum Rooten verschiedener Geräte: Da ich genau dieses Problem habe, (mit root und nach 2 Monaten Totalausfall mit Werkstattaussage EINDEUTIGER HARDWAREFEHLER) wird Garantie und Gewährleistung versagt und das beim MEDIAMARKT. Es wird darauf spekuliert und gesagt Samsung sei innerhalb der ersten 6 Monaten,dafür verantwortlich wegen der Ablehnung. So wie ich es sehe ist es aber Falsch hier da es ein eindeutiger Hardwarefehler ist, ist noch Mediamarkt dafür verantwortlich. Denn wenn es durch das rooten geschehen sein soll geht ja wohl nicht denn gerootet wurde vor 2 Monaten und nicht vor 14 Tagen. Hier steht nur Unwissenheit gegen Geldgier und Verbraucher. Wer gibt dem Hersteller das Recht mir zu sagen was ich mit dem Gerät mache, den Preis macht er auch ohne mich. Ich darf also Zahlen aber ohne Recht mein Eigentum so zu nutzen wie ich es für richtig halte. Wo bleibt da meine Meinungsfreiheit oder Nutzungsfreiheit. Allein aus diesem Grund müsste keiner etwas in solchen Läden kaufen.
Aus unserer Sicht gilt auch weiterhin das Gewährleistungsrecht, selbst wenn das Telefon gerootet wurde. Tritt ein Mangel in den ersten sechs Monaten auf, nachdem der Kunde das Telefon erworben hat, muss der Händler nachweisen, dass dieser Mangel nicht bereits vor dem Kauf bestand. Führt der Händler den Schaden auf das Rooting zurück, muss er auch diese Behauptung beweisen. Halten Sie sich dabei in erster Linie an den Händler und nicht etwa an den Gerätehersteller oder einen Reparaturpartner. Fragen Sie explizit nach der Rechtsgrundlage, auf deren Basis Ihnen die Gewährleistung - und nicht etwa die Herstellergarantie - verweigert wird. Seien Sie hartnäckig und führen Sie die Kommunikation schriftlich durch. In einem uns bekannten Fall hat sich der Schriftwechsel über vier Monate hin gezogen, war dann aber erfolgreich.
könntest du mir vielleicht deine Briefe als Vorlage zur Verfügung stellen? Ich werde mich jetzt direkt an den Händler wenden, da Samsung die Garantie verweigert. dusty at werty.eu Vielen Dank.
Leider haben wir hier keinen Musterbrief zu diesem Thema. Auf der Seite der Verbraucherzentrale NRW gibt es einen Musterbrief für die Geltendmachung von Ansprüchen, diesen bitte entsprechend anpassen: http://www.vz-nrw.de/Regeln-beim-Abschluss-eines-Kaufvertrags-2. Ansonsten kann auch sicherlich die Verbraucherzentrale vor Ort behilflich sein: https://www.verbraucherzentrale.de/home.