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Das Projekt Verbraucherrechte in der digitalen Welt endet am 31.12.2015, so dass diese projektbezogene Internetseite www.surfer-haben-rechte.de nicht mehr weiter aktualisiert werden kann.

Spionin im Kinderzimmer

Spionin im Kinderzimmer
Neue Barbie hört auf Kinderwünsche

Der Spielzeughersteller Mattel hat vergangenes Wochenende die neue „Hello Barbie“ vorgestellt. Das Besondere: Barbie soll sich künftig mit den Kindern unterhalten – und die Spieleindustrie hört mit.

Seit jeher ist es nichts Besonderes, dass Kinder angeregte Gespräche mit ihren Puppen führen. Lediglich die Puppen blieben dabei stumm oder konnten nur wenige unzusammenhängende Sätze von sich geben. Das soll sich nun ändern: Die neue Barbie soll nicht nur verstehen, was die Kinder ihr sagen, sondern ihnen auch die passenden Antworten geben. Ermöglicht wird dies durch ein ausgefeiltes Spracherkennungssystem des Startups ToyTalk.

Barbie sendet dazu jedes mit ihr gesprochene Wort über eine WLAN-Verbindung in die Cloud, wo es durch ToyTalk analysiert und eine passende Antwort generiert wird. Die Dialoge sollen dabei aber nicht nur wenige Phrasen beinhalten, sondern sich um komplexe Themen drehen, wie beispielsweise die Berufswünsche der Kinder und ihre Gefühle, aber auch die neuste Mode. Das ist nur der erste Schritt: Barbie soll lernen, worüber die Kinder gerne sprechen und  die Dialoge und ihre Fragen im Laufe der Zeit an die Interessen und Wünsche der Kleinen anpassen.

Flüstert Barbie bald: „Lass uns Shoppen?”

Doch handelt es sich dabei wirklich um ein geeignetes Spielzeug für Kinder? Denn auf der einen Seite stellt sich die Frage, was die Unternehmen mit den Informationen machen, die die Kinder ihnen preisgeben. Werden ihre Wünsche und Interessen von der Spielzeugindustrie wirklich nur erfasst, um zukünftig passende Antworten im Gespräch geben zu können? Oder werden vielleicht auch Interessensprofile der Kinder angelegt?

Auf der anderen Seite müssen Eltern sich die Frage stellen, was für Flöhe Barbie den Kindern ins Ohr setzen wird? Wann wird Barbie zum Beispiel anfangen die Kinder um ein neues Haus oder ein neues Auto zu bitten? Oder vorschlagen: „Kaufen wir uns Make-Up, damit die Jungs uns mögen!“.

Und: Was bedeutet es für Kinder, in einer Welt aufzuwachsen, in der selbst das Spielzeug die geheimen Wünsche an Unternehmen weitergibt? In der es total normal ist, ständig überwacht zu werden? Werden solch überwachte Kinder später persönliche Freiheitsrechte noch als wertvolles Gut zu begreifen und diese verteidigen? Wir vom Surfer-Team halten solche Entwicklungen für sehr bedenklich.