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Das Projekt Verbraucherrechte in der digitalen Welt endet am 31.12.2015, so dass diese projektbezogene Internetseite www.surfer-haben-rechte.de nicht mehr weiter aktualisiert werden kann.

Surfer-Projekt erfolgreich gegen Spieleanbieter im Internet
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Surfer-Projekt erfolgreich gegen Spieleanbieter im Internet
Landgericht Berlin zu Werbung auf Kinderspielseiten

Ein Urteil des Landgerichts Berlin bestärkt die Auffassung des Projekts Verbraucherrechte in der digitalen Welt: Werbung auf Internetseiten, die sich überwiegend an Kinder richten, muss aus der Sicht eines Kindes als solche erkennbar sein.

Das Projekt Verbraucherrechte in der digitalen Welt hat ein erfreuliches Urteil gegen einen Anbieter von Onlinespielen für Kinder erstritten. Dieser hatte auf seiner Webseite so genannte Interstitials, Werbebanner und Anzeigenblöcke geschaltet, die in ihrer Machart dem Spieleangebot glichen und für Kinder daher nicht als Werbung erkennbar waren. Eine klare Missachtung des wettbewerbsrechtlichen Trennungsgebots und eine unzumutbare Belästigung, entschied das Landgericht Berlin. Unter anderem legte es fest, dass es für die Erkennbarkeit von Werbung auf Internetseiten, die sich überwiegend an Kinder richten, auf die Sichtweise eines durchschnittlichen Kindes ankommt. Werbeanzeigen dürfen nicht den Eindruck erwecken, dass sie Teil des Spieleangebots sind. Entscheidend ist die gestalterisch deutliche Trennung zwischen Werbung und Angeboten.

In der Regel kommt es vor allem bei Angeboten, die sich an Kinder richten, auch nicht darauf an, dass Werbung mit einem gleichnamigen Schriftzug gekennzeichnet ist. Der Schriftzug „Werbung“ verlangt von dem Nutzer ein entsprechendes Leseverständnis. „Kinder tendieren jedoch dazu, Dinge anzuklicken anstelle sie vollständig zu lesen“, heißt es in dem Urteil. „Darüber hinaus besteht die Gefahr, dass Kinder den Schriftzug nicht wahrnehmen, weil die auffällig gestalteten und animierten Werbebanner ihre gesamte Aufmerksamkeit auf sich ziehen und dabei den Eindruck erwecken, es handele sich um eine weitere interaktive Spielmöglichkeit.“

Das Gericht führt in seiner Urteilsbegründung weiterhin aus, dass Interstitials, in diesem Fall die einem Spiel vorgeschalteten Werbefilme, eine unzumutbare Belästigung darstellen, wenn diese nicht nach zehn Sekunden automatisch verschwinden oder sich nicht mit einem Mausklick beseitigen lassen.
Darüber hinaus befand das Gericht, dass von Werbebannern, die zu kostenpflichtigen Angeboten führen, eine besondere Gefahr ausginge.

Der Verbraucherzentrale Bundesverband begrüßt dieses Urteil, da es aufzeigt, dass bei der Auslegung gesetzlicher Regelungen die jeweilige Zielgruppe speziell berücksichtigt und mitunter ein anderer Bewertungsmaßstab zugrunde gelegt werden muss.

(Urteil vom 14.09.2010, Az.: 103 O 43/10, rechtskräftig)

  • 7. April 2011
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