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Das Projekt Verbraucherrechte in der digitalen Welt endet am 31.12.2015, so dass diese projektbezogene Internetseite www.surfer-haben-rechte.de nicht mehr weiter aktualisiert werden kann.

Telefonanbieter speichern großzügig Bewegungsprofile – Verlangen Sie Auskunft

Telefonanbieter speichern großzügig Bewegungsprofile – Verlangen Sie Auskunft
Mobilfunkanbieter: Speicherpraxis unter der Lupe

Telefonanbieter dürfen laut Telekommunikationsgesetz unsere Verbindungsdaten speichern, wenn dies entweder für die Abrechnung oder zur Beseitigung technischer Störungen erforderlich ist. Einer Anfrage der Bundesnetzagentur zufolge speichern die Anbieter aber auch Bewegungsprofile, ohne dass dies für die Abrechnung notwendig ist.

Ebenso wie bei der vom Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) kritisierten Vorratsdatenspeicherung wurde auch hier bedarfsunabhängig erfasst, wo sich Verbraucher aufgehalten haben. Jedes Mal wenn der Verbraucher mit seinem Mobiltelefon eine Verbindung aufbaut, wird die jeweilige Funkzelle erfasst. Die dabei anfallenden Daten lassen insbesondere in Ballungsgebieten mit vielen Funkzellen die Erstellung umfangreicher Bewegungsprofile zu. Aus Sicht des Datenschutzes ist dies ein bedenklicher Eingriff in die Privatsphäre. Wo wir wohnen, wo wir arbeiten, wo wir einkaufen und wen wir besuchen, kann mithilfe der Verbindungsdaten nachvollzogen werden. Insbesondere bei Inhabern von Smartphones kann das daraus entstehende Bewegungsprofil sehr umfassend werden. Je nach Einstellung wählen sich viele Smartphones regelmäßig automatisiert in Funkzellen ein, um zum Beispiel E-Mails vom eigenen Postfach abzurufen.

Was wird sonst noch gespeichert?

Viele Anbieter speichern offenbar auch Daten zu eingehenden Gesprächen und Nachrichten, obwohl dies für die Abrechnung nicht relevant ist. Ebenso wurde der Anruf kostenfreier Telefonnummern von einigen Anbietern gespeichert. Die Deutsche Telekom gab gegenüber der Bundesnetzagentur an, auch erfolglose Anrufversuche zu erfassen. Viele Anbieter erfassen ebenso die internationale Mobilteilnehmerkennung (IMSI) und die individuelle Gerätekennnummer (IMEI) von beiden Kommunikationsteilnehmern für einen beträchtlichen Zeitraum. Diese Daten haben für die Abrechnung keine Relevanz und es ist fraglich, ob eine derartige Sammlung mit dem Telekommunikationsgesetz und dem Bundesdatenschutzgesetz vereinbar ist.

Vorratsdatenspeicherung durch private Anbieter?

Verbindungsdaten können für die Anbieter von kommerziellem Interesse sein. Ob nun besonders günstige Tarife für bestimmte Personen oder personalisierte Angebote: Verbraucherdaten sind bares Geld wert. Doch auch der Staat möchte Zugriff auf diese Daten haben. Datenschützer sind aufgrund eines „Leitfadens zum Datenzugriff“ der Generalstaatsanwaltschaft München auf die Speicherpraxis der Telefonanbieter aufmerksam geworden. In diesem internen Dokument, das im November 2011 dem Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung zugespielt worden ist, wurde auch Bezug auf die Speicherpraxis der Telefonanbieter genommen. Strafverfolgungsbehörden können die Herausgabe der Verbindungsdaten beantragen und somit auch ohne Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung auf Verbindungsdaten zugreifen - Bewegungsdaten eingeschlossen. Die Speicherfristen der Anbieter variieren dabei. Während bei der Vorratsdatenspeicherung strenge Bestimmungen für den Datenschutz vom Bundesverfassungsgericht gefordert wurden sowie die Beschränkung des Zugriffs durch die Strafverfolgungsbehörden bei schwersten Straftaten, sind die Zugriffshürden bei den durch die Anbieter gespeicherten Daten weitaus niedriger. Datenschützer kritisieren, dass diese Daten überhaupt länger als nötig gespeichert werden.

Was kann ich tun?

Laut Bundesdatenschutzgesetz haben Verbraucher das Recht, bei Anbietern Auskunft über die zu ihnen gespeicherten Daten zu verlangen. Wir fordern die Verbraucher dazu auf, von diesem Recht Gebrauch zu machen und mittels eines Musterschreibens detaillierte Auskunft über den Umgang mit den eigenen Daten zu verlangen.

Fragen Sie insbesondere nach, wie ihr Telekommunikationsanbieter mit folgenden Daten umgeht:

  • Bewegungsdaten ( Funkzellen-ID)

  • Erfolglose Anrufversuche (ankommende und abgehende Verbindungen)

  • Kostenlose Rufnummern

Nicht immer sind die Auskunftsersuchen erfolgreich, jedoch erhöhen sie den Druck auf die Anbieter, datenschutzkonform mit den Daten umzugehen.

  • 24. Juli 2012
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