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Das Projekt Verbraucherrechte in der digitalen Welt endet am 31.12.2015, so dass diese projektbezogene Internetseite www.surfer-haben-rechte.de nicht mehr weiter aktualisiert werden kann.

Unter falschem Namen

Unter falschem Namen
Identitätsmissbrauch und wie man sich schützen kann

Wäre es nicht toll, einmal jemand ganz anderes zu sein? Für einen Tag lang Bundeskanzlerin spielen? Oder einmal als Manuel Neuer im Tor stehen? Manchmal träumen wir davon, jemand anderes zu sein. Aber was, wenn jemand anderes sich als „mich selbst“ ausgibt? Man spricht dann von Identitätsmissbrauch – und die Opfer dieser Masche leiden oft jahrelang an den Folgen.

Identitätsmissbrauch zur Rufschädigung

Identitätsmissbrauch, auch Identitätsdiebstahl genannt, hat unterschiedliche Formen. Manche Täter hacken sich in die sozialen Netzwerke ihrer Opfer, um dort ihr Ansehen zu schädigen, um Freunde zu beleidigen, um an Firmeninterna zu kommen, oder weil sie dort um Geld bitten. Manchmal werden auch komplett neue Profile unter echtem Namen und mit echten Fotos der Opfer aufgesetzt, um das Opfer zu verunglimpfen oder schlecht vor Freunden und Arbeitgeber dastehen zu lassen.

Diese Art von Identitätsmissbrauch wird natürlich umso einfacher, je mehr öffentliche Fotos und andere „echte“ Daten sich von dem Opfer finden lassen. Öffentliche Facebook-Profile oder die Profile anderer sozialer Netzwerke lassen sich dann quasi kopieren. Auch die E-Mail-Adresse kann ganz einfach, ohne soziales Netzwerk, missbraucht werden:

Finanzielle Folgen: Betrug und Lösegeld

Ein bekannter Trick findet häufig bei entwendeten Passwörtern statt. Dann werden alle Kontakte aus dem E-Mail-Adressbuch oder alle Kontakte auf Facebook angeschrieben, dass man in einer Notsituation sei und dringend Geld bräuchte, das der Kontakt des Opfers schnell überweisen solle. Manchmal verbreiten die Täter auch Schadsoftware über das Online-Profil oder die E-Mail-Adresse an die Kontakte des Opfers. Das eigentliche Passwort ist dann natürlich längst geändert, so dass die Masche nur schwierig aufzuhalten ist. Auch Lösegeld-Forderungen für das übernommene E-Mail-Konto oder das Soziale Netzwerk sind schon vorgekommen.

Sichere Passwörter sind das A und O

Schützen kann man sich vor der Übernahme des eigenen Profils oder der E-Mail-Adresse durch gute, sichere Passwörter oder dem sogenannten Zwei-Faktor-Login. Sollte ein zweites Fake-Profil unter eigenem Namen oder mit eigenen Bildern aufgesetzt worden sein, sollte man dies beim Anbieter melden, die das dann löschen lassen. Außerdem empfehlen wir zum Anmelden bei Facebook ein anderes Passwort zu verwenden als für die E-Mail-Adresse, mit der man sich anmeldet, damit man das Facebook-Passwort im Notfall an diese E-Mail-Adresse zurücksetzen lassen kann. Natürlich sind sowohl die Betrugsmasche als auch Beleidigungen durch Fake-Profile oder gehackte echte Profile Straftaten und sollten bei der Polizei zur Anzeige gebracht werden. Auch wenn die Täter durch gefälschte Profile stalken oder auf andere Weise einem nachstellen, sollte man zur Polizei gehen, denn auch Stalking ist in Deutschland strafbar.

Identitätsmissbrauch mit Adressdaten

Eine zweite Variante des Identitätsmissbrauches kann finanziell weitaus schädlicher sein. Dabei benutzen die Täter die Daten des Opfers etwa um im Versandhandel zu bestellen und nicht zu bezahlen oder für andere illegale Aktivitäten. Die Täter benutzen Name, Geburtsdatum und manchmal auch Kreditkartendaten der Opfer, um sich selbst Waren an eine neue Adresse zu bestellen. Die Folgen werden oft erst dann bemerkt, wenn der Missbrauch sich schon lange zog und die Täter längst verschwunden sind. Durch viele unbezahlte Rechnungen und Mahnungen sinkt der Scoringwert, also die Kreditwürdigkeit des Opfers, es drohen Pfändungen und bei Straftaten auch Haftbefehle, die dann statt den Betrügern das echte Opfer wieder erreichen. Das Problem: Es wird häufig nicht überprüft, wohin die bestellten Waren geliefert werden, ein Name am Briefkasten reicht. Inkasso-Schreiben und Pfändungen gehen hingegen an die Meldeadresse, also die richtige Adresse des Opfers.

Oft erst spät gemerkt

Die Opfer bemerken also erst was los ist, wenn es schon ziemlich spät ist: Sie können dann keine Handy-Verträge mehr abschließen, die Kreditwürdigkeit ist häufig auf Null gesunken und im schlimmsten Fall könnten auch Haftbefehle vorliegen. Zu beweisen, was passiert ist, dass man nämlich Opfer eines Identitätsmissbrauches wurde, ist häufig schwierig.

Auf jeden Fall zur Polizei

Wenn Sie dennoch selbst von Identitätsmissbrauch betroffen sind, sollten Sie auf jeden Fall zur Polizei gehen und Anzeige erstatten. Am besten in jedem Fall einzeln. Schalten Sie einen Anwalt ein, um den Forderungen zu widersprechen. Laut Urteil vom OLG Köln muss bei Versandgeschäften im Internet der Verkäufer beweisen, dass der Käufer auch der Account-Inhaber ist – bestehen Sie auf diesen Beweis, wenn Sie den Forderungen widersprechen. Bei Inkassoforderungen müssen außerdem als Mindestangaben der Forderungsgrund und bei Verträgen auch Vertragsgegenstand und Datum genannt sein, damit Käufer die Rechtmäßigkeit der Forderung überprüfen können.

Widerspruch einlegen

Ändern Sie Ihre Passwörter für Versandhändler, Bankkonten und für Ihre E-Mails. Fordern Sie die fraglichen Rechnungen bei den Online-Shops dafür erneut an und legen Sie Widerspruch gegen die Inkassobescheide ein. Damit verhindern Sie, dass diese Forderungen in Ihre Schufa-Daten eingetragen werden.

Wann ist es vorbei?

Die Journalistin Tina Groll wurde selbst Opfer eines Identitätsdiebstahls und benötigte bis zu 400 Arbeitsstunden, um die Folgen zu beseitigen. Ist man einmal selbst betroffen, wirkt sich das noch sehr lange aus. Wenn alte Forderungen und Daten nicht richtig gelöscht werden, sinkt die Kreditwürdigkeit der Betroffenen oft noch Jahre später. Auch die Angst, dass alles wieder losgehen könnte, bleibt noch sehr lange bestehen. Deshalb kann man bei der Schufa und anderen Scoring-Agenturen einen Vermerk hinterlegen lassen, dass man bereits einmal Opfer von Identitätsdiebstahl wurde. Wir haben dazu bei der Schufa nachgefragt, eine Antwort steht noch aus, wird aber sobald sie uns erreicht, hier nachgereicht. Neben dem schlechten Gefühl bleibt also auch auf lange Zeit die Arbeit. Denn seine Kontoauszüge, Online-Konten und seine Kreditwürdigkeit sollte man zur schnellen Vorbeugung regelmäßig auf Unregelmäßigkeiten prüfen. Anders als ein Passwort kann man seine Identitätsdaten nicht ändern – die Folgen begleiten die Opfer dann häufig leider noch sehr lange. Um das zu verhindern, sollte man also möglichst sparsam mit seinen Daten umgehen.

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