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Das Projekt Verbraucherrechte in der digitalen Welt endet am 31.12.2015, so dass diese projektbezogene Internetseite www.surfer-haben-rechte.de nicht mehr weiter aktualisiert werden kann.

Update: Facebook erobert Schulen

Update: Facebook erobert Schulen
Update: Facebooks Schulinitiative

Nach einer aktuellen Umfrage des Hightech-Verbandes BITKOM nutzen aktiv 45 Prozent der deutschen Internetnutzer Facebook. Auch immer mehr Schulen und Lehrer sind in dem Sozialen Netzwerk vertreten. Das hat Facebook selbst ebenso erkannt und sein Angebot um „Groups for Schools“ erweitert. Datenschützer warnen vor Facebooks Schulinitiative.

Facebook ist kein Soziales Netzwerk, das frei von wirtschaftlichen Interessen ist. Im Gegenteil: Mit den Daten der Nutzer verdient Facebook sein Geld. Aufgrund der Vielzahl von Informationen, die Nutzer bei Facebook hinterlegen, lässt sich hier Werbung zielgerichteter schalten und ist daher besonders beliebt bei den Werbetreibenden. Je mehr Facebook über die Nutzer erfährt, umso genauer kann Werbung geschaltet werden. Dazu entscheidet so gut wie immer Facebook, was privat ist und welche Daten es verwenden darf. Immer wieder gerät Facebook deswegen in die Kritik. Viele Dienste von Facebook verstoßen nach Ansicht von Daten- und Verbraucherschützern gegen geltendes Recht.

Die Schulen, die einen Erziehungs- und Bildungsauftrag haben, sollten nicht davor die Augen verschließen. Vielmehr liegt es auch in ihrer Verantwortung, den Schülern einen gewissenhaften und sicheren Umgang mit den Medien beizubringen. Natürlich ist es wichtig und nützlich, dass Lehrer die neuen digitalen Möglichkeiten nutzen. Schulen sind aber besser damit bedient, wenn sie auf eigene datenschutzkonforme Lernplattformen zurückgreifen, anstatt sich einem kommerziellen Dienst wie Facebook anzuschließen. Schließlich haben bei Facebook die Schulen keine Kontrolle über die Datenverarbeitung. Darüber hinaus wimmelt es in Facebook nur so vor Werbung und nicht immer ist diese als solche gekennzeichnet oder für den Nutzer erkennbar. Nicht umsonst ist Werbung in Schulen in vielen Bundesländern verboten mit der Begründung, dass gerade Kinder durch die Einflussnahme von Werbung in politischer oder wirtschaftlicher Hinsicht geschützt werden sollten.

Befreundet mit dem Lehrer?

Viele Lehrer sind selbst bei Facebook angemeldet und wollen ihre Schüler dort abholen, wo sie sind – bei Facebook. Hier haben es Lehrer leicht, ihre Schüler auch außerhalb des Klassenraums zu erreichen, Sportfeste zu organisieren und so das Vertrauen zu ihren Schülern zu erhöhen. Einige Lehrer nutzen die virtuelle Freundschaft auch, um ihre Schüler über Facebook aufzuklären. Bist du sicher, dass dieses Foto dein Lehrer sehen sollte? So wird ganz praktisch Medienkompetenz erlernt und gestärkt.

Doch so eine Schüler-Lehrer-Facebook-Freundschaft ist problematisch. Kritiker warnen vor einer erhöhten Missbrauchsgefahr. Zu schnell kann die Grenze zwischen Lehrer und Privatperson verschwimmen und vermeidbare Konflikte können entstehen. Wie soll ein Lehrer beispielsweise reagieren, wenn er mit beleidigenden und diskriminierenden Statusmeldungen seiner Schüler konfrontiert wird?

Für Lehrer ist es schwierig, das richtige Auftreten und den richtigen Umgang in Facebook zu ihren Schülern zu haben. Schnell kann es ins Private abrutschen. Nicht umsonst schreiben einige Schulen Lehrern bereits vor, zwei Accounts zu führen: Einen privaten und einen beruflichen. Das ist mühselig und aufwendig – aber notwendig, um das erforderliche Distanzverhältnis zu wahren. Auch möglich ist es, einen Account zu führen und seine Facebook-Freunde in Listen wie Familie, Freunde, Schüler einzuteilen. Auch so lässt sich Berufliches und Privates trennen. Klare verbindliche Regelungen wie beispielsweise in den USA gibt es bisher im Umgang von Lehrern und Schülern mit Facebook in Deutschland nicht.

Vieles spricht dafür, dass Lehrer sich besser nicht auf Facebook mit ihren Schülern vernetzen. Eine Kommunikation kann auch über die Facebook-Schulgruppen erfolgen, dazu müssen Lehrer und Schüler nicht „befreundet“ sein. Aber hier besteht dann wieder ein altbekanntes Problem: Der Datenschutz ist bei Facebook-Schulgruppen noch weniger gewährt als in persönlichen Profilen!

Update: Kultusministerium Baden-Württemberg verbietet dienstliche Nutzung von Facebook für Lehrer 

Das Kultusministerium in Baden-Württemberg rät Lehrern von der Facebook-Nutzung zu dienstlichen Kommunikationszwecken ab, da diese den geltenden Standards des Landesdatenschutzgesetzes (LDSG) nicht genügen. So dürfen Lehrer nicht mit ihren Schülern auf Facebook chatten, schulische Termine und Noten mitteilen sowie keine Arbeits- und Lerngruppen zum Austausch von verschiedensten Materialien einrichten. Ebenso ist das Einbinden von Social-Plugins (Gefällt-mir-Button von Facebook) auf Schul-Webseiten unzulässig. Fanpages von Schulen sowie die Nutzung eines Facebook-Accounts zur Veranschaulichung und Aufklärung von Datenschutzrisiken sind hingegen erlaubt. Diese klaren Anweisungen sind begrüßenswert und geben Schulen sowie Lehrers Sicherheit im Umgang mit Facebook.

  • 1. September 2013
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