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Das Projekt Verbraucherrechte in der digitalen Welt endet am 31.12.2015, so dass diese projektbezogene Internetseite www.surfer-haben-rechte.de nicht mehr weiter aktualisiert werden kann.

Voller Kaufpreis – halbes Spiel?

Voller Kaufpreis – halbes Spiel?
Betaversionen für vollen Kaufpreis

Bei einem Brettspiel kann der Käufer davon ausgehen, dass er für den vollen Kaufpreis ein vollständiges Spiel erhält und auch der Buchkäufer ersteht für sein Geld nicht nur einen Lückentext. Beim Kauf von Spielesoftware sieht das aber leider immer öfter anders aus.Immer wieder ärgern sich Verbraucher über Startschwierigkeiten oder technische „Unfertigkeiten“. Sei es, dass die Serverkapazitäten des Anbieters nicht ausreichen, das Spiel wegen Programm- oder Softwarefehlern nicht spielbar ist, die Server langsam sind, permanente Spiel- und Systemabstürze oder Grafikkartenprobleme auftreten. Die Liste des Frustes der Verbraucher ließe sich beliebig fortführen.

Bei allem Verständnis dafür, dass Onlinespiele nach der Veröffentlichung Programmierfehler aufweisen können, so darf dieses nicht zu Lasten der Verbraucher gehen. Dass Spiele erst im Echtzeitbetrieb optimiert werden können, entbindet die Spielehersteller nicht von ihrer generellen Pflicht, ihren Kunden ein lauffähiges und betriebstaugliches Spiel zu übergeben. Systemoptimierungen und Patches sind in einem normalen Umfang für den Spieler hinnehmbar. Doch der Ärger beginnt spätestens, wenn diese das Gefühl haben, lediglich mit „Betaversionen“ der Spiele abgespeist zu werden und im Gegenzug dafür den vollen Kaufpreis gezahlt haben. Wenn Spielehersteller ihre Spiele zum Verkauf anbieten, dann müssen diese auch funktionieren, alles andere ist inakzeptabel. Immerhin erhält der Vertreiber der Spielesoftware nicht nur Spielzeuggeld, sondern harte Währung.

Gegenwehr ohne Chance?

Doch zwischen diesen beiden (Online- und Offline-) Welten scheinen – zumindest gefühlt – zwei unterschiedliche Rechtssysteme zu liegen. Recht haben, Recht bekommen und dieses auch durchzusetzen, sind zwei unterschiedliche Paar Schuhe. Während eine Reklamation im Falle eines Mangels einer gekauften Sache im Realleben selten Schwierigkeiten bereitet, haben Online-Spieler oftmals mit hohen Hürden zu kämpfen: Nicht immer funktioniert das Beschwerdemanagement bei den Spielebetreibern, Anfragen der Spieler über die Foren werden nicht oder nicht zufriedenstellend beantwortet, kritische Forenbeiträge werden gelöscht und Probleme mit nicht funktionstauglichen Spielen werden regelrecht ausgesessen. Das Gefühl, sich nicht adäquat zur Wehr setzen zu können, macht sich dann bei vielen Spielern breit.

Insolvenz nach „unfertigen“ Spielen

Besonders problematisch waren in der Vergangenheit die Fälle, in denen die Spiele trotz zahlreicher Updates und Patches nicht zu retten waren, der Entwickler des Spiels als Konsequenz Insolvenz anmelden musste und die geprellten Verbraucher damit ihr Geld verloren. Und äußerst bitter stößt es dann auf, wenn das mängelbehaftete und von der Spieler-Community in der Öffentlichkeit massiv kritisierte Spiel noch weiterhin zum Verkauf angeboten wird.

Wie ist die Rechtslage?

Generell hat der Käufer eines Spiels das Recht, ein lauffähiges Spiel zu erhalten. Im gewissen Umfang sind Nachbesserungen über Patches und Updates zulässig. Dies wird der Spieler auch hinnehmen müssen. Handelt es sich aber beispielsweise um grobe Programmierfehler, die den Spielbetrieb behindern oder unmöglich machen, so könnte der Spieler seinen Kaufpreis zurück verlangen. Doch die Schwelle vom "leichten zum groben Programmierfehler" lässt sich nur im Einzelfall bestimmen und kann von dem betroffenen Spieler nur subjektiv eingeschätzt werden. Wenn eine Software nicht vernünftig genutzt werden kann, die Spielehersteller das Problem aussitzen und auf die "Hilfeschreie" der Spieler nicht reagieren, dann bleibt für den Spieler nur die Möglichkeit, seine Rechte notfalls auch gerichtlich geltend zu machen. Der ungewisse Ausgang eines Gerichtsverfahrens und das damit verbundene Kostenrisiko wird hierbei viele Verbraucher - zu Recht - davon abschrecken. Das hat allerdings zur Folge, dass die Unternehmen nicht unbedingt unter Zugzwang geraten und ihre Produkte auch in Zukunft nicht vor der Veröffentlichung auf die vollumfängliche Nutzbarkeit überprüfen.

Der Druck der Spiele-Gemeinschaft

Auf der anderen Seite sollte die bestens vernetzte Spieler-Community weiterhin davon Gebrauch machen, gegenüber Anbietern, die mit unfertiger Spielersoftware am Markt erscheinen, Druck aufzubauen. Der Austausch über die Foren und Informationsseiten im Internet hat in der Vergangenheit das eine oder andere Mal bewirkt, dass Anbieter im Falle des „geballten Ärgers“ der Spieler zeitnah auf Probleme reagiert oder die Spieler mit „Specials“ besänftigt haben. Denn Negativ-Publicity kann und will sich kein Spielehersteller leisten. Dafür ist der Wettbewerbsdruck unter den Anbietern zu groß.

Gaming-Markt – Der Bessere wird langfristig gewinnen

Vielleicht mag es bei dem einen oder anderen Spieleentwickler einfach „nur“ Nachlässigkeit sein, vielleicht ist es auch der Zeitdruck, unter dem sie für die Entwicklung neuer Spiele stehen und somit nicht ausgereifte betriebsunfertige Spiele auf den Markt gebracht werden. Doch eines ist klar: Der Computerspielemarkt wächst stetig und ist ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor. Die Konkurrenz schläft nicht, das heißt der Wettbewerbsdruck unter den Spieleherstellern ist enorm groß. Auf Dauer kann es sich kein Unternehmen leisten, Verbraucherbedürfnisse und -rechte zu missachten. Das gilt auch für die Spielebranche. Langfristig werden sich die Spieleanbieter am Markt durchsetzen, die ihre Kunden auf gleicher Augenhöhe mit Respekt behandeln und deren Rechte nicht länger ignorieren. Schließlich können auch Verbraucher den Spielemarkt beeinflussen: Wenn sich Verbraucher darauf besinnen, sich bei der Produktauswahl auf die Unternehmen zu konzentrieren, die eine adäquate Gegenleistung für das Geld der Kunden zur Verfügung stellen, das heißt neben der Funktionsfähigkeit eines Spiels auch Service bieten, wird sich der Markt hoffentlich selbst bereinigen.

Die Community von theorigin.de, einer Webseite die sich mit Missständen in der Spielebranche auseinandersetzt, sammelt Informationen zu misslungenen Spielstarts und Problemen während des Spielverlaufs. Sie bietet Spielern die Möglichkeit eigene Erfahrungen einzubringen und so die Sammlung an Informationen weiter auszubauen, denn solche Probleme sind leider nicht mehr die Ausnahme.

  • 8. Mai 2013
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