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vzbv mahnt Spielehersteller Valve ab

vzbv mahnt Spielehersteller Valve ab
Valve ändert die Spielregeln – Nutzer sind verärgert

Der Spielehersteller Valve zwingt Nutzer seiner Plattform Steam dazu neue Spielbedingungen zu akzeptieren. Wer die neuen AGB ablehnt, wird kurzerhand vor die virtuelle Tür gesetzt: Von jetzt auf gleich hat der Nutzer keinen Zugriff mehr auf den eigenen Spieler-Account. Und nicht nur das: Hat der Spieler einen personenbezogenen Steam-Account, ist eine Weitergabe oder ein Weiterverkauf von Spielen unmöglich. Für das Surfer-Projekt des Verbraucherzentrale Bundesverbandes (vzbv) Grund genug das Unternehmen abzumahnen.

Anfang August erlebten die Nutzer der Steam-Plattform, einem von Valve betriebenen Online-Dienst für Computerspiele, eine böse Überraschung. Beim Versuch, sich auf der Plattform einzuloggen, erschien ein Pop-up-Fenster mit dem Hinweis, dass der Nutzer den geänderten Steam-Nutzungsbedingungen und der Valve-Datenschutzrichtlinie zustimmen müsse, um fortfahren zu können. Dem Nutzer wurde und wird nach wie vor die Pistole auf die Brust gesetzt. Denn entweder er stimmt den Änderungen zu oder er betätigt den Button „Abbrechen“, mit der Folge, dass der Spieler keinen Zugriff mehr auf seinen Spieler-Account hat. „Die Spieler fühlen sich durch Valves Vorgehen erpresst“ sagt Sebastian Radtke von theorigin.de, einem Zusammenschluss von Spielern, die sich mit Missständen in der Spiele-Branche auseinandersetzen und für die Rechte von Computerspielern eintreten. Das Team hat mit seiner fachlichen Expertise auch den vzbv bei seiner Abmahnung unterstützt.

Unfaire Spielregeln

Besonders Spieler, die über viele Jahre hinweg Software von Valve gekauft haben und alle Spiele über einen einzigen Account nutzen, fühlen sich mit dem Vorgehen von Valve ungerecht behandelt. Noch kritischer stellt sich die Situation für die Spieler bei Spielen dar, die einem Registrierungs- und Accountzwang unterliegen und deren Nutzung nur über Steam möglich ist. Stimmen Spieler den neuen Bedingungen nicht zu, steht das käuflich erworbene Spiel von Valve völlig nutzlos in der Ecke. „Diese Geschäftspraxis ist rechtswidrig“, erklärt Carola Elbrecht vom vzbv. „Das wäre in etwa so, als wenn ich im Laden ein Brettspiel kaufe und ich das Spiel nur im Geschäft unter Beobachtung des Verkäufers spielen darf. Ändert der Verkäufer seine AGB bleibt mir keine Wahl: Entweder ich stimme den Änderungen zu oder ich kann das Spiel nicht mehr nutzen, es verbleibt im Laden und den bereits gezahlten Kaufpreis erhalte ich auch nicht zurück.“

Zwangsehe mit Steam - Bis das der Tod euch scheidet

Der Trend zur Knüpfung des Spiels an eine Plattform ist im Online-Spielemarkt seit einigen Jahren zu beobachten. Viele Spiele von Valve sind nur über die Online-Plattform Steam nutzbar. Auch wenn ein Spiel weiterverkauft oder verschenkt werden darf, nützt das dem Käufer oder Beschenkten wenig, wenn das Spiel nur über einen Steam-Account genutzt werden kann. Denn die Übertragung eines solchen Accounts auf Dritte ist nicht möglich.

Zwar dürfen laut einer Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs gebrauchte Spiele, die per Download erworben wurden, auch weiter veräußert werden. Allerdings läuft die Entscheidung sowohl für digital, als auch in einem Laden erworbene Spiele dann ins Leere, wenn ein Spiel zum Beispiel nur über eine vom Spielehersteller im Internet betriebenePlattform genutzt werden kann.

Spiele-Secondhand ausgeschlossen

Hinzu kommt, dass ein einmal eingesetzter Spiele-Aktivierungsschlüssel nicht im Zusammenhang mit einem anderen oder neuen Nutzerkonto eingesetzt werden kann. Ist das Spiel also erst einmal mit einem individuellen Steam-Account verbunden worden, kann der Nutzer es nicht mehr gebraucht verkaufen. Es handelt sich bei einer solchen einmal registrierten und plattformgebundenen Software also schlicht und ergreifend um ein Wegwerfprodukt. Und das, obwohl die Software äußerlich und technisch völlig intakt ist. Der vzbv sieht hierin ganz klar einen Wettbewerbsverstoß. Das Interesse des Spielers, eine gebrauchte Software weiter zu geben oder zu verkaufen, darf nicht dadurch vereitelt werden, dass ein mit dem Spiel verbundener Account auf einer Internetplattform nicht übertragbar ist. „Auch bei Änderungen der Spielbedingungen dürfen die Spielehersteller nicht zwangsläufig weiter am längeren Hebel sitzen; sie müssen auch immer die Interessen der Nutzer berücksichtigen“, bekräftigt Carola Elbrecht.

Valve hat hat nun bis zum 26. September 2012 Zeit, die geforderte Unterlassungserklärung abzugeben.

Update

Die Frist zu Abgabe der geforderten Unterlassungserklärung wurde bis zum 10. Oktober 2012 verlängert.

Update - 11.10.2012

Valve hat bis zum 10.10.2012 leider keine Stellungnahme gegenüber dem vzbv abgegeben. Daher prüfen wir nun das weitere Vorgehen.

Update: 15.10.12

Dem vzbv liegt nunmehr eine Stellungnahme des Unternehmens vor, die von uns derzeit noch geprüft wird.

Kommentare
wie ist das ganze ausfgegangen ?
Das Landgericht Berlin hat unsere Klage mit Urteil vom 21.01.2014 in der ersten Instanz abgewiesen. Zur Zeit sind wir in der Berufungsinstanz vor dem Kammergericht Berlin.