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Das Projekt Verbraucherrechte in der digitalen Welt endet am 31.12.2015, so dass diese projektbezogene Internetseite www.surfer-haben-rechte.de nicht mehr weiter aktualisiert werden kann.

Zwanghaft Online

Zwanghaft Online
Wenn Software und Geräte sich nicht offline nutzen lassen

„Always online“ gehört inzwischen zum Lebensgefühl fast aller Menschen unter 35. Das Internet ist überall und so gut wie immer erreichbar. Ist es das nicht, etwa im Flugzeug oder in der Bahn, sind viele irritiert. Aber sollte es nicht auch die Möglichkeit geben, bewusst darauf zu verzichten? Für immer mehr Gamer und Softwarenutzer stellt sich diese Frage leider nicht mehr. Sogar Hardware wie Mäuse und Tastaturen sind mittlerweile auf dem Weg zum zwanghaften Online-Betrieb.

Zwar gilt in Deutschland grundsätzlich die Vertragsfreiheit, die in solchen Fällen gerne bemüht wird. Kurz gesagt bedeutet das, dass Händler und Publisher den Onlinezwang in ihre Lizenzbedingungen schreiben können. Wenn die Nutzerinnen und Nutzer vor dem Kauf ausreichend informiert sind, können sie sich dann selbst entscheiden, ob sie das Spiel oder die Software kaufen wollen.

Marktmacht der Anbieter

Soweit die Theorie. In der Praxis können bestimmte Spiele aber nur noch über bestimmte Plattformen gespielt werden, an die sich die Spielerinnen und Spieler dann „auf ewig“ binden. Wer weg will, verliert dann auch seine bisher gekauften Spiele. Und anders als früher, als man seine Spielesammlung einfach weiterverkaufen konnte, verbieten die Plattformen einen solchen Weiterverkauf ausdrücklich – bisher haben sie dazu leider auch das Recht auf ihrer Seite. Je größer die eigene Spielesammlung, umso mehr liefert man sich dann den Bedingungen der Spieleplattform aus, denn die Austrittskosten werden einfach zu hoch. Das Recht, nicht mehr gespielte Games weiterzuverkaufen, und aus dem eigenen Account zu entfernen, würde hier deutliche Abhilfe schaffen.

Mehrspielermodus muss Online sein

Es ist logisch, dass mache Spielmodi einen Onlinezwang erfordern. Ein Spiel wie World of Warcraft oder The Elder Scrolls Online ist darauf ausgelegt, gleichzeitig in großen Gruppen mit anderen gespielt zu werden. Aber warum muss auch im Singleplayer-Modus anderer Spiele ständig eine Internetverbindung aufrechterhalten werden? Die Hersteller und Publisher argumentieren mit dem Schutz vor Urheberrechtsverletzungen. Aber dieser lässt sich auch anders herstellen, und das nicht einmal durch zweifelhafte Rootkit-Software, die sich so tief ins System einnistet wie sonst nur Viren: Da würde eine einmalige Aktivierung ja vollkommen ausreichen.

Onlinezwang und nichts geht mehr

Denn der Onlinezwang kann auch zum Boomerang werden. Wenn Server ausfallen, geht eben gar nichts mehr bei den Gamerinnen und Gamern. Und das muss nicht einmal der Ansturm sein, der regelmäßig beim Verkaufsstart neuer Games nicht bewältigt wird – an sich schon ein großes Problem, sondern kann auch im normalen Betrieb passieren. Das endet dann im Zorn und Frust, und es bleibt nur Beschwichtigen und Warten, obwohl das kostenpflichtige Abo weiterläuft.  

Selbstbestimmt statt ausgewertet

Beim Onlinezwang wird auch die Autonomie der Nutzer beschnitten. Wenn man im Zweifel nämlich auch offline spielen kann, ist sichergestellt, dass absolut keine Daten gesendet werden. Bei vielen Spielen heute keine Selbstverständlichkeit mehr. Denn, dass Facebook und Co die Daten ihrer Nutzer auswerten und damit Geld machen, wissen die meisten. Aber Games? Nun, die Nutzungsbedingungen von Blizzard wurden schon 2012 mit einem Big Brother Award ausgezeichnet.

Laut der Preisrede stimmen die Spieler darin zu, dass ihre Chats genauso wie ihr Spielverlauf sehr ausführlich aufgezeichnet werden und dies spielübergreifend: eine komplette Ausforschung, die sogar Persönlichkeitsprofile möglich macht.

Online-Check statt Online-Zwang

Manche Verfechter des Onlinezwangs argumentieren auch damit, dass Updates so einfacher eingespielt werden können. Allein, auch dafür braucht es keinen Zwang. Nutzerinnen und Nutzer sollten selbst entscheiden können, wann sie ein Spiel updaten oder ob sie es automatisch updaten lassen – wozu übrigens auch ein täglicher oder wöchentlicher Online-Check reichen würde. Bei Steam geht das für einige Spiele, wie diese Anleitung zeigt: http://www.giga.de/downloads/steam/tipps/steam-offline-modus-ohne-internet-spielen/

Onlinezwang auch für Mäuse, Tastaturen, Thermostate?

Für Gamer gibt es inzwischen sogar spezielle Mäuse und Tastaturen, die einen Online-Account erfordern, den man bei der ersten Nutzung einrichten muss. Erst danach lassen sich Maus und Tastatur auch offline nutzen – blöd nur, wenn bei der Ersteinrichtung die Server streiken und man nicht von Anfang an in den Offline-Modus kommt. Dann bleibt auch hier nur Frust bei Spielerinnen und Spielern. Nun mag es zwar sinnvoll sein, dass spezielle Einstellungen von Tastatur und Maus gespeichert werden und dann auf jedem Rechner gleich sind – aber auch hier verlieren Verbraucherinnen und Verbraucher viel ihrer Selbstbestimmtheit: Offline-Nutzung muss möglich sein, von Anfang an. Und wer kann schon sicher ausschließen, ob bei einer Tastatur, die ständig online ist, nicht auch jeder Tastenanschlag und damit jedes Passwort, mitgeschnitten werden.

Andere Anwendungen ziehen nach

Der Trend zum Always online hat nicht nur die Gamingszene erfasst, auch andere Software zieht nach. Vielleicht ist es praktisch, manche Software wie Office-Anwendungen gar nicht mehr zu installieren, sondern quasi aus dem Internet zu „streamen“ – aber auch hier geben Nutzerinnen und Nutzer ein großes Stück Autonomie darüber auf, was mit Ihren Daten und Dokumenten geschieht, wenn diese live in die Cloud gestreamt werden. Denn so selbstverständlich wie das Internet heute ist, so selbstverständlich muss es sein, auch mal nur „lokal“ spielen und arbeiten zu können.

Fazit

Der Onlinezwang beschneidet die Rechte der Verbraucherinnen und Verbraucher erheblich: Fallen die Server aus, wird man selten entschädigt und soll sich gedulden, obwohl das teils kostenpflichtige Abo weiterläuft. Die Wechselkosten von einer Plattform zur anderen sind enorm. Ob und welche Daten im Hintergrund ausgewertet werden, ist nicht ersichtlich und lässt sich auch nicht unterbinden. Alle Nachteile auf Seiten der Verbraucher – ein gefährlicher Trend.

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Kommentare
Auch schön, daß man den Artikel nur online lesen kann, statt ihn im Newsletter offline lesen zu können. ;)
Hallo Nicky, leider würde es den Umfang unseres Newsletters sprengen, all unsere Artikel darin aufzunehmen. Allerdings liefern wir in unserem .rss-Feed unsere Artikel im Volltext aus und nicht nur einen Teaser, wie viele andere Webseiten. Diese lassen sich dann auch bequem offline lesen.