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Soziale Netzwerke
Informationen zu Diensten und Anbietern
Checkliste
Probleme und Handlungsempfehlungen
Achtung, Öffentlichkeit!
Was sich privat anfühlt, ist es oft nicht: Fotos und Angaben zur eigenen Person sind in den meisten Netzwerken nicht nur für Freunde zugänglich, sondern in der Regel für die Öffentlichkeit, also für das gesamte World Wide Web. Auch wenn eine Passworteingabe verlangt wird, sind Soziale Netzwerke Teil des Internets und damit prinzipiell öffentlich. Wer zum Beispiel die direkte Adresse eines Bildes kennt, muss sich nicht einmal einloggen, um dieses sehen zu können. Unabhängig davon sollte für den Schutz der Privatsphäre immer das Auffinden in Suchmaschinen deaktiviert werden.
Mit Daten bezahlt
Für die Teilnahme bei Sozialen Netzwerken muss auf den ersten Blick meist nichts bezahlt werden. Doch da sich die Plattformen finanzieren müssen, sind sie keineswegs kostenlos. Die Benutzer bezahlen mit ihren privaten Daten, auf die die Betreiber in der Regel möglichst passgenaue Werbung schalten möchten. Ob Alter, politische Präferenz, Wohnort oder sexuelle Vorlieben – was eingetragen wird, kann auch analysiert werden.
Harmlose Apps?
Die meisten Sozialen Netzwerke bieten die Möglichkeit, Applikationen (Apps) zu nutzen. Dies sind Programme, die von Drittanbietern zur Verfügung gestellt werden, oft Spiele, Umfrage oder Quizze. Wird eine solche App installiert, ist sie fortan Teil des Profils. Doch hier ist Vorsicht geboten! Der Drittanbieter möchte häufig auf viele persönliche Daten zugreifen und manchmal sogar auf die Daten der Freunde.
Das Urheberrecht beachten
Das Einstellen von Inhalten wie Texte, Fotos und Videos ist in Sozialen Netzwerken einfach und unkompliziert. Doch Achtung: Hier gilt das Urheberrecht! Es dürfen nur eigene Inhalte hochgeladen werden. Bei fremden Inhalten ist vorher die Einwilligung des Urhebers, also zum Beispiel der Fotograf eines Fotos, einzuholen. Wenn es sich um ein eigenes Foto handelt, auf dem aber auch andere Personen abgelichtet sind, müssen diese vorher auch gefragt werden.
Unsoziale Netzwerker
Auch in Sozialen Netzwerken zeigen sich die Menschen nicht nur von ihrer besten Seite. Bei Phänomenen wie dem so genannten „Cybermobbing", zu Deutsch etwa „Fertigmachen im Internet“, zeigt sich, dass vom Schulhof bekannte schlechte Manieren auch im Internet und dort mit noch größerer Reichweite ihre Fortsetzung finden können.
Auch wenn einem der Gemobbte nicht gegenübersteht und man die Verletzung nicht unmittelbar sieht – sie ist trotzdem da. Manchmal vielleicht sogar noch größer, weil man nicht weiß, wer der Täter ist. Wer selbst Opfer von Cybermobbing wird, sollte sich auf jeden Fall mitteilen und mit Eltern, Lehrern oder Freunden reden. Wer lieber anonym mit Gleichaltrigen sprechen möchte, kann zum Beispiel auf der Plattform www.juuuport.de jugendliche Scouts um Rat fragen. Diese werden von erwachsenen Experten extra ausgebildet, um Kinder und Jugendliche bei allen Fragen rund um das Web zu beraten.
Vorsicht vor Fremdkontakten
Viele Kinder und Jugendliche nutzen Soziale Netzwerke, um mit Freunden zu kommunizieren und sich auszutauschen. Immer wieder gibt es aber auch Erwachsene, die versuchen Kontakt zu Kindern und Jugendlichen herzustellen. Es kann zu sexuellen Belästigungen kommen. Daher sollten nur Freundschaftanfragen von Personen angenommen werden, die man kennt. Das gleiche gilt für den Chat.
Eltern und Pädagogen müssen über solche Gefahren aufklären und Ansprechpartner sein, sollte es zu Beleidigungen und Belästigungen kommen. Doch auch die Anbieter müssen durch geeignete Maßnahmen dafür Sorge tragen, dass Kinder und Jugendliche vor unzulässigen oder gar kriminellen Vorhaben geschützt werden.
Löschen des Profils
Einige Soziale Netzwerke machen das Löschen eines Profils ziemlich schwer. Entweder ist die Funktion hinter vielen Einstellungen versteckt oder gar nicht vorhanden. Darüber hinaus bieten einige Anbieter auf den ersten Blick nur die Möglichkeit, den Account zu aktivieren, d.h. die Nutzeraccounts werden auf „inaktiv“ geschaltet – die Daten verbleiben jedoch auf den Rechnern der Firma und werden bei einer erneuten Anmeldung im System sofort wieder genutzt. Und selbst wenn man sein Profil erfolgreich gelöscht hat, bleiben Informationen, die ich bei Freunden auf deren Profilen hinterlassen habe und Daten, die Drittanbieter von so genannten Apps über mich haben, erhalten.
Allgemeine Informationen
So funktionieren Soziale Netzwerke
Jeder kennt jeden – über durchschnittlich sechs Ecken. Als der US-Wissenschaftler Stanley Milgram diese These 1967 aufstellte, in einem Experiment erprobte und für gut befand, war das Internet in seiner heutigen Form undenkbar. Doch genau diese Idee machen sich die Sozialen Netzwerke zu Nutze: Benutzer legen ein Profil über sich an und fügen ihre Freunde, Geschäftspartner oder andere Kontakte hinzu.
Eingaben in Sozialen Netzwerken werden oft als flüchtig wahrgenommen. Doch das genaue Gegenteil ist der Fall: Was in Sozialen Netzwerken und damit im Internet steht, ist publiziert. Dieser Charakter einer Veröffentlichung muss jedem Benutzer klar sein. Was vordergründig nur für die eigenen Freunde gedacht ist, kann genau so gut von einem künftigen oder heutigen Arbeitgeber oder von weniger wohlwollenden Mitmenschen missbraucht werden. Es ist also immer wieder die Frage an sich selbst zu stellen: Ist das wirklich eine Information, die ich öffentlich teilen möchte?
Dazu wird bei vielen Anbietern der Datenschutz eher kleingeschrieben. So sind die Voreinstellungen oft sehr großzügig, hier sollten Nutzer genau hinschauen, was sie wem erlauben wollen: Wer soll auf das Benutzerprofil zugreifen dürfen? Wer soll Fotos anschauen können? Wer darf Kontakt aufnehmen? Die meisten Netzwerke verschlüsseln die Verbindungen auch nicht, so dass theoretisch jeder, der sich im gleichen Netzwerk befindet, diese Daten mitlesen kann. Insbesondere an öffentlichen Orten, in Firmen, Schulen und Universitäten ist hier Vorsicht geboten. Oder soll der Kollege wirklich wissen, mit wem Sie online flirten?
So finanzieren sich Anbieter
Das Geschäftsmodell der meisten Anbieter ist die Werbefinanzierung. Aufgrund der Vielzahl von Informationen in Sozialen Netzwerken lässt sich hier Werbung zielgerichteter schalten und ist daher besonders beliebt bei den Werbetreibenden.
Ein Beispiel: Wer auf einer Seite zu Reisethemen surft, hat vermutlich ein Interesse an Reisen. Deshalb wird dort im Regelfall auch für Produkte geworben, die sich rund um das Thema Reisen drehen, also zum Beispiel Reisekoffer oder Hotels. In Sozialen Netzwerken liegen oft weitergehende Informationen über den Benutzer vor: Alter, Wohnort, Beziehungsstatus, Hobbys, etc. So kann zielgerichtete Werbung geschaltet werden, zum Beispiel "Individualreise für Großstadtbewohnerin zwischen 25 und 35 Jahren nach Indien".
Diese Anzeigen müssen dabei keineswegs in ihrem logischen Kontext erscheinen – also zum Beispiel einer Reisegruppe – da der Anzeigenvermarkter die Nutzer quasi „kennt“. Diese genaueren Möglichkeiten sind für Werbetreibende Geld wert. Je mehr sie über die Nutzer erfahren, umso genauer können sie Werbung schalten, haben weniger Streuverluste und insgesamt weniger Ausgaben.
Nur wenige Anbieter bieten eine Möglichkeit, nicht in dieser Form mit Werbung konfrontiert zu werden und statt mit den eigenen Daten mit einem Geldbetrag für den Service zu bezahlen.
Dezentrale Netzwerke
Als Alternative zu zentralen Sozialen Netzwerken wie Facebook wird bereits vermehrt an dezentralen Netzwerken wie Diaspora und Friendika gearbeitet. Statt die Kommunikation über zentrale Server abzuwickeln, betreiben die Nutzer ihren eigenen Server, der ihre persönlichen Daten enthält. Viele kleine Server werden also miteinander verbunden, um sich auszutauschen. So haben Nutzer die vollständige Kontrolle über Daten, d.h. sie können entscheiden, wem sie Zugriff auf ihre Daten gewähren wollen und können diesen Zugriff auch jeder Zeit wieder entziehen. Die Kommunikation wird darüber hinaus unter den Nutzern verschlüsselt.
Zum Durchbruch haben es die zentralen Netzwerke noch nicht geschafft. Das liegt zum einen daran, dass die Nutzung ein gewisses technisches Fachwissen erfordert, das die Masse der Internetnutzer (noch) nicht vorweisen kann. Zum anderen sind die dezentralen Netzwerke bisher zu unbekannt.
Abhilfe schaffen will der Verein FoeBuD e.V., der sich seit 1987 für Bürgerrechte und Datenschutz einsetzt. Mit der Initiative Social Swarm will der Verein die bisher vorhandenen Netzwerke und Initiativen zu dezentralen Netzwerken bündeln und gemeinsam Kriterien aufstellen, wie ein solches dezentrales Netzwerk gestaltet werden kann.
Verhaltenskodex Soziale Netzwerke
Am 11.03.2009 haben die Sozialen Netzwerke Lokalisten, Wer-kennt-wen und die VZ Netzwerke den Verhaltenskodex Web 2.0 der Freiwilligen Selbstkontrolle Multimediadienste-Anbieter e.V. (FSM) abgeschlossen. Diese Selbstverpflichtung soll den Verbraucher-, Jugend- und Datenschutz in Sozialen Netzwerken verbessern.
Die Unternehmen haben sich zum Beispiel verpflichtet, dass persönliche Daten von Kindern und Jugendlichen standardmäßig nur für deren Freunde sichtbar sind und die Suchmaschinenauffindbarkeit beschränkt ist. Sie bieten auch Beschwerdemöglichkeiten, falls jemand belästigt wird. Außerdem muss eine einfach zu findende Abmeldefunktion zur Verfügung stehen. Datenschutzerklärungen sollen in altersgerechter Form und Sprache dargestellt werden und auch spezielle Informationen für Eltern müssen zur Verfügung gestellt werden.
Die FSM prüft die Einhaltung des Kodex und kann auch Sanktionen bei Nichteinhaltung erlassen.
Checklisten und Links
Was macht der vzbv?
Abmahnaktion Soziale Netzwerke
Der Verbraucherzentrale Bundesverband hat im Juli 2009 fünf Soziale Netzwerke (Xing, Facebook, MySpace, Lokalisten, Wer-Kennt-Wen) wegen verbraucherfeindlicher Geschäftsbedingungen und Datenschutzbestimmungen abgemahnt und zur Änderung aufgefordert. Bereits im Februar 2008 wurde ein ähnliches Verfahren gegen den Anbieter StudiVZ eingeleitet. Bis November 2009 erklärten daraufhin alle abgemahnten Anbieter, die verwendeten Vertragsbestimmungen künftig nicht mehr nutzen zu wollen und gaben eine Unterlassungserklärung ab.
Im November 2010 hat der vzbv Klage gegen Facebook vor dem Landgericht Berlin eingereicht, nachdem das Unternehmen nicht auf eine erneute Abmahnung des vzbv reagiert hatte. Am 06.03.2012 gab das Landgericht Berlin der Klage in vollem Umfang statt. Facebook hat nun Berufung eingelegt. Am 05.12.2012 hat der vzbv erneut Klage gegen Facebook eingereicht hinsichtlich der fehlenden Einwilligung in die Datenweitergabe an App-Anbieter.
Forderungspapier des vzbv zu Sozialen Netzwerken
Der vzbv hat ein Forderungspapier erstellt, der zum einen Anbietern Sozialer Netzwerke als Hilfestellung dienen soll, wie sie ihre Angebote verbraucher- und datenschutzfreundlicher gestalten können und zum anderen dem Gesetzgeber aufzeigt, wo noch Handlungsbedarf im Bereich der Sozialen Netzwerke besteht.
Forderungskatalog des vzbv und TACD zu Sozialen Netzwerken
International arbeitet der vzbv mit europäischen und US-amerikanischen Verbraucherschützern im Rahmen des transatlantischen Verbraucherdialogs (TACD) daran, Verbraucher effektiv zu schützen. Im Mai 2009 wurde ein gemeinsamer Forderungskatalog veröffentlicht (englische Version / deutsche Übersetzung), in dem Anforderungen an die Gesetzgeber und die Anbieter klar definiert sind.
Aktuelles
Praxischeck: Löschen von Online-Profilen noch immer viel zu kompliziert
EuGH muss entscheiden: Einbindung von YouTube-Videos bei Facebook erlaubt?
Fairer Deal? – Gewinnspiele auf Facebook
SchülerVZ wird schließen
Soziale Netzwerke für Senioren
Online-Umfrage zu Kontaktmöglichkeiten und Beschwerdemanagement
Wir würden uns freuen, wenn Sie sich die Zeit nehmen würden, die nachfolgenden 4 Fragen zu beantworten und uns über Ihre bisherigen Erfahrungen zu berichten.
Danke, Ihr Surfer-haben-Rechte-Team
Das schwarze Schaf
Rechtsberatung