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Das Projekt Verbraucherrechte in der digitalen Welt endet am 31.12.2015, so dass diese projektbezogene Internetseite www.surfer-haben-rechte.de nicht mehr weiter aktualisiert werden kann.

Datenschutz-Parcours in Berlin

Datenschutz-Parcours in Berlin
Zwischen Gedächtniskirche und KaDeWe: Sicheren Umgang mit eigenen Daten im Vorbeigehen lernen

„Sorry, du bist zu weit weg. Beginne den Parcours am Zoo Palast in der Hardenbergstraße, Charlottenburg, Berlin.“ – wer den Datenschutzparcours der Webseite smarte-buerger.de offline spielen und erleben möchte, der muss vom Bildschirm weg. Also auf zum Zoo.

Die Kampagne möchte zeigen, warum unser Internetverhalten auch aus Verbrauchersicht relevant ist: Standortbasierte Werbung, unterschiedliche Preise je nachdem, ob man mit iPad oder mit dem PC bestellt oder unsicheres Online-Banking sind einige der Themen, über die die Kampagne informiert – entweder per Quiz von überall oder eben per Parcours, den man ablaufen kann.

Als ich aus dem U-Bahn-Schacht die Treppen hochlaufe und die Webseite aufrufe, soll ich zunächst meinen Standort freigeben. Fühlt sich komisch für ein Datenschutz-Spiel an, ist aber logisch, denn ohne Standort kann das Spiel mich ja nicht zu den Stationen führen. Schade ist, dass sich der Parcours nur im Browser spielen lässt und keine eigene App hat – so ist die Navigation etwas schwerfällig.

Fünf Stationen für den Umgang mit Datenschutz

Die erste Station befindet sich am U-Bahn-Aufgang, direkt gegenüber der Gedächtniskirche. Das Plakat ist schnell gefunden. Das Pop-Up im Smartphone-Browser und das Plakat meinen beide, ich solle ein Selfie machen. Zum Glück lässt mir das Spiel die Wahl und ich entscheide mich dagegen. Das macht das Spiel zwar weniger persönlich, aber schließlich geht’s ja um den Datenschutz, da sollte man sich überlegen, wo man seine Selfies so postet.

Die nächste Station führt mich zum Ku’damm. Auch hier ist das charakteristische gelbe Poster schnell gefunden – und fordert mich zusammen mit dem Browser-Pop-Up auf, meinen Standort nicht nur für die App, sondern auch für andere Spieler frei zugeben. Eigentlich mache ich das ja gerade nicht und geize gerade in Sozialen Netzwerken mit meinem Standort, aber für das Spiel erlaube ich das heute mal – und siehe da, ein zweiter Pfeil taucht auf der Karte auf, ganz in der Nähe.

Ich warte kurz, aber obwohl der Pfeil näher kommt, erkenne ich niemanden sonst als Mitspieler oder Mitspielerin. Also weiter zur nächsten Station in Richtung KaDeWe. Unterwegs lerne ich noch am nächsten Plakat, warum ich Online-Banking immer besser verschlüsselt und mit https-Adresse im Browser machen sollte statt per Smartphone.

Standort und Selfie für alle?

Auf der Karte zum Spiel ist der andere Pfeil immer noch sehr nahe bei mir. Und obwohl ich mehrmals stehen bleibe und mich umschaue, erkenne ich niemanden. Es fühlt sich aber trotzdem komisch an, den eigenen Standort anderen mitgeteilt zu haben und nicht zu wissen, wer mich jetzt überhaupt sieht. Falls die Macher mir einen Streich gespielt haben, haben sie ihr Ziel erreicht: Ich fühle mich etwas mulmig und verfolgt, beobachte aber gleichzeitig den anderen Pfeil weiter auf der Karte, wie er mal kurz vor mir, mal direkt hinter mir ist.

Am KaDeWe entlang, finde ich das nächste Plakat leider nicht. Auf Twitter erfahre ich später, dass es entwendet worden war, inzwischen ist Ersatz vorhanden. Also muss ich fünfmal falsch raten, bevor ich mehr zum Online-Shopping und zur Preisdiskriminierung erfahre.

Zum Abschluss hätte ich dann mein Selfie noch auf eine große Videowall hochladen können – und ein Selfie mit dem Selfie machen können, wie mir das Pop-Up vorschlägt. Aber als ausgeglichener „Platinum-Datenschutzsuperheld”, meinem Parcours-Ergebnis, muss man ja nicht alles mitmachen.

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