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Das Projekt Verbraucherrechte in der digitalen Welt endet am 31.12.2015, so dass diese projektbezogene Internetseite www.surfer-haben-rechte.de nicht mehr weiter aktualisiert werden kann.

Soziale Netzwerke: Funktionsweise und Geschäftsmodell

Soziale Netzwerke: Funktionsweise und Geschäftsmodell

Jeder kennt jeden – über durchschnittlich sechs Ecken. Als der US-Wissenschaftler Stanley Milgram diese These 1967 aufstellte, in einem Experiment erprobte und für gut befand, war das Internet in seiner heutigen Form undenkbar. Doch genau diese Idee machen sich die Sozialen Netzwerke zu Nutze: Benutzer legen ein Profil über sich an und fügen ihre Freunde, Geschäftspartner oder andere Kontakte hinzu.

So funktionieren Soziale Netzwerke

Eingaben in Sozialen Netzwerken werden oft als flüchtig wahrgenommen. Doch das genaue Gegenteil ist der Fall: Was in Sozialen Netzwerken und damit im Internet steht, ist publiziert. Dieser Charakter einer Veröffentlichung muss jedem Benutzer klar sein. Was vordergründig nur für die eigenen Freunde gedacht ist, kann genau so gut von einem künftigen oder heutigen Arbeitgeber oder von weniger wohlwollenden Mitmenschen missbraucht werden. Es ist also immer wieder die Frage an sich selbst zu stellen: Ist das wirklich eine Information, die ich öffentlich teilen möchte?

Dazu wird bei vielen Anbietern der Datenschutz eher kleingeschrieben. So sind die Voreinstellungen oft sehr großzügig, hier sollten Nutzer genau hinschauen, was sie wem erlauben wollen: Wer soll auf das Benutzerprofil zugreifen dürfen? Wer soll Fotos anschauen können? Wer darf Kontakt aufnehmen? Die meisten Netzwerke verschlüsseln die Verbindungen auch nicht, so dass theoretisch jeder, der sich im gleichen Netzwerk befindet, diese Daten mitlesen kann. Insbesondere an öffentlichen Orten, in Firmen, Schulen und Universitäten ist hier Vorsicht geboten. Oder soll der Kollege wirklich wissen, mit wem Sie online flirten?

So finanzieren sich Anbieter

Das Geschäftsmodell der meisten Anbieter ist die Werbefinanzierung. Aufgrund der Vielzahl von Informationen in Sozialen Netzwerken lässt sich hier Werbung zielgerichteter schalten und ist daher besonders beliebt bei den Werbetreibenden.

Ein Beispiel: Wer auf einer Seite zu Reisethemen surft, hat vermutlich ein Interesse an Reisen. Deshalb wird dort im Regelfall auch für Produkte geworben, die sich rund um das Thema Reisen drehen, also zum Beispiel Reisekoffer oder Hotels. In Sozialen Netzwerken liegen oft weitergehende Informationen über den Benutzer vor: Alter, Wohnort, Beziehungsstatus, Hobbys etc. So kann zielgerichtete Werbung geschaltet werden, zum Beispiel „Individualreise für Großstadtbewohnerin zwischen 25 und 35 Jahren nach Indien”.

Diese Anzeigen müssen dabei keineswegs in ihrem logischen Kontext erscheinen – also zum Beispiel einer Reisegruppe – da der Anzeigenvermarkter die Nutzer quasi „kennt“. Diese genaueren Möglichkeiten sind für Werbetreibende Geld wert. Je mehr sie über die Nutzer erfahren, umso genauer können sie Werbung schalten, haben weniger Streuverluste und insgesamt weniger Ausgaben.

Nur wenige Anbieter bieten eine Möglichkeit, nicht in dieser Form mit Werbung konfrontiert zu werden und statt mit den eigenen Daten mit einem Geldbetrag für den Service zu bezahlen.

Mit Daten bezahlt

Für die Teilnahme bei Sozialen Netzwerken muss auf den ersten Blick meist nichts bezahlt werden. Doch da sich die Plattformen finanzieren müssen, sind sie keineswegs kostenlos. Die Benutzer bezahlen mit ihren privaten Daten, auf die die Betreiber in der Regel möglichst passgenaue Werbung schalten möchten. Ob Alter, politische Präferenz, Wohnort oder sexuelle Vorlieben – was eingetragen wird, kann auch analysiert werden.

Dezentrale Netzwerke

Als Alternative zu zentralen Sozialen Netzwerken wie Facebook wird bereits vermehrt an dezentralen Netzwerken wie Diaspora und Friendika gearbeitet. Statt die Kommunikation über zentrale Server abzuwickeln, betreiben die Nutzer ihren eigenen Server, der ihre persönlichen Daten enthält. Viele kleine Server werden also miteinander verbunden, um sich auszutauschen. So haben Nutzer die vollständige Kontrolle über Daten, d.h. sie können entscheiden, wem sie Zugriff auf ihre Daten gewähren wollen und können diesen Zugriff auch jeder Zeit wieder entziehen. Die Kommunikation wird darüber hinaus unter den Nutzern verschlüsselt.

Zum Durchbruch haben es die zentralen Netzwerke noch nicht geschafft. Das liegt zum einen daran, dass die Nutzung ein gewisses technisches Fachwissen erfordert, das die Masse der Internetnutzer (noch) nicht vorweisen kann. Zum anderen sind die dezentralen Netzwerke bisher zu unbekannt.

Abhilfe schaffen will der Verein Digitalcourage, der sich seit 1987 für Bürgerrechte und Datenschutz einsetzt. Mit der Initiative Social Swarm will der Verein die bisher vorhandenen Netzwerke und Initiativen zu dezentralen Netzwerken bündeln und gemeinsam Kriterien aufstellen, wie ein solches dezentrales Netzwerk gestaltet werden kann.

Löschen des Profils

Einige Soziale Netzwerke machen das Löschen eines Profils ziemlich schwer. Entweder ist die Funktion hinter vielen Einstellungen versteckt oder gar nicht vorhanden. Darüber hinaus bieten einige Anbieter auf den ersten Blick nur die Möglichkeit, den Account zu aktivieren, d.h. die Nutzeraccounts werden auf „inaktiv“ geschaltet – die Daten verbleiben jedoch auf den Rechnern der Firma und werden bei einer erneuten Anmeldung im System sofort wieder genutzt. Und selbst wenn man sein Profil erfolgreich gelöscht hat, bleiben Informationen, die ich bei Freunden auf deren Profilen hinterlassen habe und Daten, die Drittanbieter von so genannten Apps über mich haben, erhalten.

Verhaltenskodex Soziale Netzwerke

Am 11.03.2009 haben die Sozialen Netzwerke Lokalisten, Wer-kennt-wen und die VZ Netzwerke den Verhaltenskodex Web 2.0 der Freiwilligen Selbstkontrolle Multimediadienste-Anbieter e.V. (FSM) abgeschlossen. Diese Selbstverpflichtung soll den Verbraucher-, Jugend- und Datenschutz in Sozialen Netzwerken verbessern.

Die Unternehmen haben sich zum Beispiel verpflichtet, dass persönliche Daten von Kindern und Jugendlichen standardmäßig nur für deren Freunde sichtbar sind und die Suchmaschinenauffindbarkeit beschränkt ist. Sie bieten auch Beschwerdemöglichkeiten, falls jemand belästigt wird. Außerdem muss eine einfach zu findende Abmeldefunktion zur Verfügung stehen. Datenschutzerklärungen sollen in altersgerechter Form und Sprache dargestellt werden und auch spezielle Informationen für Eltern müssen zur Verfügung gestellt werden.

Die FSM prüft die Einhaltung des Kodex und kann auch Sanktionen bei Nichteinhaltung erlassen.

Das Urheberrecht beachten

Das Einstellen von Inhalten wie Texte, Fotos und Videos ist in Sozialen Netzwerken einfach und unkompliziert. Doch Achtung: Hier gilt das Urheberrecht! Es dürfen nur eigene Inhalte hochgeladen werden. Bei fremden Inhalten ist vorher die Einwilligung des Urhebers, also zum Beispiel der Fotograf eines Fotos, einzuholen. Wenn es sich um ein eigenes Foto handelt, auf dem aber auch andere Personen abgelichtet sind, müssen diese vorher auch gefragt werden.

  • Stand: 
    Montag, Oktober 27, 2014