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Der Nutzer als Versuchskaninchen: Facebooks Fröhlichkeits-Studie

Der Nutzer als Versuchskaninchen: Facebooks Fröhlichkeits-Studie
Facebooks große Datenbasis

Ist gute Laune ansteckend? Diese harmlose Frage ist der Kern der Aufregung, die sich momentan um Facebook dreht. Das soziale Netzwerk ist ein nie gekannter Schatz für Sozialforscher, mit dem sich viele Hypothesen belegen oder widerlegen lassen. Aber die Nutzer stimmen in den AGB zu, zum Versuchskaninchen zu werden – eine ethisch zweifelhafte Vorgehensweise.

Die Studie mit dem Titel “experimental evidence of massive-scale emotional contagion through social networks” ist Ende März veröffentlicht worden. Für die Studie wurde der sogenannte Facebook-Newsfeed von rund 690.000 Nutzerinnen und Nutzern im Jahr 2012 auf Facebook manipuliert. Nutzerinnen und Nutzer, die sich einloggten, bekamen dann eine Woche lang entweder zufälligerweise mehr fröhlich-positive gestimmte Einträge ihrer Freunde zu sehen oder mehr negativ-traurige Einträge. Die Forscher untersuchten dann, ob sich diese Schwankung auch darauf auswirkt, was die Nutzerinnen und Nutzer selbst posteten. Und fanden in der Tat, dass gute wie schlechte Laune ansteckend ist, wenn auch nur gering.

Filtern und Manipulieren des Newsfeed

Eins vorweg: Facebook „manipuliert“ den Newsfeed, den seine Nutzerinnen und Nutzer individuell angezeigt bekommen, ohnehin ständig. Für jemanden mit vielen Facebook-Freunden wäre es sonst laut Facebook kaum möglich, all die Einträge, Fotos, Videos und Statusupdates zu verfolgen . Also filtert Facebook eigenmächtig die Einträge heraus, von denen es glaubt, es könnte den Nutzer besonders interessieren – auch eine Art von Manipulation, denn es werden nicht alle Einträge angezeigt. Der Algorithmus bestimmt, was uns interessieren könnte, nicht die Nutzerinnen und Nutzer selbst. Die Frage ist jetzt, darf Facebook den Newsfeed auch so manipulieren, wie für die Studie geschehen oder muss diese Filterung gewissermaßen neutral erfolgen? Darauf gibt es noch keine einheitliche Antwort. In den Nutzungsbestimmungen von Facebook willigt man jedenfalls in die Datenanalyse für so einige Zwecke ein, darunter auch „für interne Prozesse, u. a. Fehlerbehebung, Datenanalyse, Tests, Forschung und Leistungsverbesserung.“

Für Werbung unzulässig

Sollte der Algorithmus jedoch versuchen, die Stimmung der Nutzer zu beeinflussen, um ihnen die Werbung schmackhafter zu machen, ist eindeutig eine gesetzliche Linie überschritten, wie dieser Blogpost erläutert. Für die Wissenschaft, so Rechtsanwalt Schwenke weiter, kann man diese Studie „dagegen rechtlich als (gerade noch) zulässig“ betrachten.

Wissenschaftliche Ethikregeln verletzt?

Es ist allerdings gute wissenschaftliche Praxis, solche Studien vorher einer Ethikkommission zur Prüfung vorzulegen. Denn hier wurden Experimente mit Menschen durchgeführt und deren Verhalten und ihre Stimmung beeinflusst. Ob Facebook, das als Privatfirma im Gegensatz zu öffentlichen Universitäten, zu solch einer Prüfung nicht verpflichtet ist, dies auch getan hat, ist nicht ganz klar.

Die Nutzerinnen und Nutzer hingegen hätten spätestens im Nachhinein informiert werden sollen – damit kein Restzweifel bleibt, vielleicht als Facebooks Versuchskaninchen benutzt worden zu sein. Besser wäre natürlich gewesen, im Vorfeld explizit zu fragen, ob man an einer wissenschaftlichen Studie teilnehmen würde.  

Viel mehr möglich

Spannende Frage am Rande: Die Beeinflussung von guter / schlechter Laune ist ja selbst gewählt. Könnte man also genauso gut auf diese Weise auch politische Stimmungen beeinflussen und damit anheizen? 

Dass Facebook übrigens noch sehr viel mehr mit all unseren Daten macht, zeigte es zuletzt am Valentinstag: Anhand der Nutzerinteraktionen kann es relativ genau vorhersagen, ob Nutzer eine Beziehung eingehen oder nicht, wie lange die Beziehung wahrscheinlich hält und wie sich eine Trennung auf den Freundeskreis auswirkt.

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