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Das Projekt Verbraucherrechte in der digitalen Welt endet am 31.12.2015, so dass diese projektbezogene Internetseite www.surfer-haben-rechte.de nicht mehr weiter aktualisiert werden kann.

Umfrage zu Datenschutzerklärungen – Fast alle würden Sie lesen, wenn sie nur verständlicher und kürzer wären

Umfrage zu Datenschutzerklärungen – Fast alle würden Sie lesen, wenn sie nur verständlicher und kürzer wären
Viel hilft nicht immer viel - kürzere Datenschutzerklärungen gefordert

Wer einen neuen Dienst im Internet oder eine App herunterlädt, der beginnt meist mit einer Lüge. „Ich habe die Datenschutzerklärung gelesen“ – der Haken ist schnell gesetzt, wenn er nicht ohnehin schon voreingestellt ist, und weiter geklickt. Man will ja schließlich direkt zu Flickr, Facebook oder YouTube surfen oder die App schnell installieren. Woran liegt es also, dass wir Datenschutzerklärungen so selten lesen?

Wir von „Surfer haben Rechte“ hatten da eine Vermutung, denn mit gut 100 Mal scrollen am Smartphone-Bildschirm vergeht selbst ambitionierten Juristen die Lust, die viel zu langen Datenschutzerklärungen zu lesen. Und die meisten Bestimmungen sind juristisch komplex und wimmeln vor Fachbegriffen, so dass die wenigsten Verbraucher die Erklärungen auch nur ansatzweise verstehen, selbst wenn sie sie lesen würden. Unsere Umfrage, die wir Anfang des Jahres gestartet hatten, bestätigt diese Vermutung: Die meisten Teilnehmer unserer Umfrage würden die Datenschutzerklärungen lesen, wenn sie kürzer und leicht verständlich wären.

Kurze, leicht verständliche Informationen gefordert

Über die Hälfte (54 %) würden die Datenschutzerklärungen in jedem Fall lesen, wenn diese sprachlich verständlich und in einem überschaubaren Umfang dargestellt wären. Und immerhin 40 % würden diese voraussichtlich lesen. Nicht einmal ein Prozent der Teilnehmenden hat gar kein Interesse an den Datenschutzerklärungen und lehnt es komplett ab, diese zu lesen.

Bei der konkreten Ausgestaltung wünschen sich die Teilnehmenden Kurzinformationen, die man bei Bedarf ausklappen kann, um tiefer ins Thema einzusteigen (65 %) und Symbole, die schnell erklären, wem man Zugriff auf die persönlichen Daten gibt und was damit geschieht, die man aber auch für weitere Informationen anklicken kann (50 %). Ein gelungenes Beispiel, das Teilnehmer vorgeschlagen haben, sind die Lizenzsymbole für Creative-Commons-Urheberrechte. Auch die Datenschutzerklärungen der Suchmaschine ixquick und dem bsi-fuer-buerger.de wurden als gut lesbar gelobt.

Maschinenlesbarkeit und Ampel als Lösung?

In vielen weiteren Kommentaren wurden einheitliche, maschinenlesbare, standardisierte oder ampelfarbige Datenschutzerklärungen gefordert, bei denen man mit einem Blick erkennt, was mit den Daten passieren wird. Auch die Frage nach der Überprüfbarkeit wurde aufgeworfen: „Wer überprüft diese Erklärungen? Man kann sonst ja alles schreiben, was dem Nutzer so gefällt...“ – lautete ein Kommentar. Die Abhilfe, die vorgeschlagen wurde: Unabhängige Dritte sollen Datenschutzerklärungen überprüfen. Verbraucherverbände tun das schon oft. So hat der vzbv aktuell die Datenschutzerklärungen von Streaming-Diensten unter die Lupe genommen. Auch hilfreich ist es, wenn Nutzerinnen und Nutzer jederzeit ihre Daten und wofür sie verwendet werden, einsehen können.

Verlangen Sie Auskunft

Zwei Tipps am Rande dazu: Nach Bundesdatenschutzgesetz ist eine solche Auskunft bereits heute möglich. Mit diesem Formular können Sie von Firmen Auskunft verlangen, was diese alles über Sie gespeichert haben. Und mit dem Browserplugin namens „Terms of Service, didn’t read“ gibt es die geforderten Ampelfarben für verschiedene Dienste schon. Das Plugin ist leider nur auf Englisch, aber dafür kostenlos zu erhalten.

Gesetzgeber und Anbieter sind jetzt am Zug

Unsere Umfrage macht es noch einmal deutlich: Der Gesetzgeber und die Anbieter müssen umdenken. Viel Information hilft nicht immer viel. Datenschutzerklärungen müssen zukünftig so gestaltet sein, dass sie jeder problemlos lesen und verstehen kann. Es müssen alternative Konzepte wie Symbole, Icons und maschinenlesbare Informationen erdacht und probiert werden.

Aber was helfen all die einfachen und verstandenen Datenschutzerklärungen, wenn man sie am Ende doch unterzeichnen muss, weil sonst die Benutzung von Facebook und Co. nicht möglich ist. Genau dieses „Friss, Vogel, oder stirb“ stieß einigen Teilnehmern der Umfrage bitter auf, ihre Forderung: „Auch trotz fehlender Zustimmung sollten Dienste zugänglich sein, zum Beispiel Facebook“. Eine Forderung, der wir uns anschließen können.

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