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Das Projekt Verbraucherrechte in der digitalen Welt endet am 31.12.2015, so dass diese projektbezogene Internetseite www.surfer-haben-rechte.de nicht mehr weiter aktualisiert werden kann.

OK Google, was weißt du über mich?

OK Google, was weißt du über mich?
Nützliches Feature oder Datenschutzalbtraum?

Eine ganze Menge – und dank des sehr praktischen und spielerischen Google Now wird Google in Zukunft noch mehr über die Nutzerinnen und Nutzer der Android-Smartphones und anderer Google-Produkte wie dem Chrome-Browser wissen. Seit einigen Tagen kann Google Now auch in Deutschland mit der Stimme der Verbraucher bedient werden.

Google Now ist – wie Apples Siri auch – zunächst einmal eine Sprachsuche für das Smartphone. Die Nutzer müssen nicht mehr über die Wetter-App gehen, sondern können das Smartphone einfach fragen. Das geht seit kurzem auch auf Deutsch, indem man einfach den Sprachbefehl „OK Google“ voranstellt: „OK Google, wie wird das Wetter heute?“ – und schon hat man die Antwort, ob man den Regenschirm oder die Sonnenbrille auf den Weg zur Arbeit einpacken sollte. Denn man muss Google gar nicht sagen, wo man sich befindet oder wo man arbeitet – das weiß Google natürlich schon längst, ganz automatisch. 

Wie das funktioniert? Hat man den Standortverlauf aktiviert, merkt sich Google Now die Orte, an denen man sich so aufhält und bekommt recht schnell heraus, wo das eigene Zuhause ist, wo der Arbeitsplatz ist und an was für anderen Orten man sich noch so aufhält. 

Informationen im Vorbeigehen

Google Now ist eine Sprachsuche und doch auch noch viel mehr. Dank ortsbezogener Dienste und dem Auswerten des Suchverlaufs auf dem Handy und – durch das Google-Konto – auch auf dem PC oder Laptop, weiß Google sehr genau, was uns interessiert und hat immer einen passenden Vorschlag. Diese Vorschläge werden in sogenannten Karten gruppiert und ganz nebenher mit passenden Informationen versorgt. Das können die Sportergebnisse der Lieblingsmannschaft sein, die aktuell vorbeitickern oder welche Cafés gerade in der Nähe sind. Über die Sprachsteuerung lassen sich außerdem auch direkt SMS verschicken, Anrufe tätigen oder Termine samt Erinnerungen in den eigenen Kalender aufnehmen. Soweit, so praktisch, so harmlos.

Standortbezogenheit

Das Zauberwort für Googles Datensammlung sind die Standort- und Metadaten. Damit Google quasi im Vorbeigehen eine Route anzeigen kann, mit der sich ein Stau auf dem Weg zur Arbeit vermeiden lässt, geben wir Google ein detailliertes Bewegungsprofil von uns selbst. Warum das nicht ganz so harmlos ist, zeigen Studien der Universität Stanford, diese Visualisierung der Vorratsdatenspeicherung eines Schweizer Politiker und dieses PDF des vzbv.

Diese Daten verraten sehr viel über uns. Über die Bewegungsprofile lassen sich Krankheiten durch Arztbesuche genauso herausfinden wie politische Überzeugungen, etwa durch Demonstrationsteilnahmen . Auch Kalendertermine und E-Mails werden ausgewertet werden, um das Google Now Gefühl noch individueller zu gestalten: So ist es möglich, dass die Boardkarte des nächsten Flugs automatisch aus einer E-Mail extrahiert wird und passend am Flughafen angezeigt wird. Praktisch, aber als Persönlichkeitsmerkmal für immer auf den Googleservern gespeichert. Bei Flügen vielleicht noch harmlos, aber Besuche bei Abtreibungsberatungen oder Scheidungsanwälten? Soll der persönliche und ständige Begleiter Google auch so etwas wissen? 

Wer sieht was über mich?

Spätestens seit dem Prism-Skandal ist außerdem klar: Auch Geheimdienste in den USA haben Zugriff auf diese Informationen. Das Bewegungsprofil soll man zwar löschen können, aber Spracheingaben werden gespeichert, wie Google selbst schreibt: „Wir speichern solche Spracheingaben, um unsere Dienste und die Ergebnisse unseres Systems zu verbessern.“ - wie lange, verrät Google dabei nicht.

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