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Das Projekt Verbraucherrechte in der digitalen Welt endet am 31.12.2015, so dass diese projektbezogene Internetseite www.surfer-haben-rechte.de nicht mehr weiter aktualisiert werden kann.

Freunde wider Willen: Facebook und das Surfer-haben-Rechte-Projekt

Freunde wider Willen: Facebook und das Surfer-haben-Rechte-Projekt
10 Jahre Facebook

Facebook wird heute 10 Jahre alt. Seit 2009 begleitet das Surfer-haben-Rechte-Projekt des Verbraucherzentrale Bundesverbandes Facebook kritisch - mit aktuellen Informationen für Verbraucher und der Durchsetzung ihrer Rechte, sprich: der Einleitung zweier Gerichtsverfahren. Aktuell steht’s 2:0 für das Projekt: sowohl das Landgericht als auch das Kammergericht Berlin haben der Klage gegen den Adressbuchimport, den „Freundefinder“ und verschiedenen verbraucherunfreundlichen AGB und Datenschutzbestimmungen in vollem Umfang statt gegeben. Ein Verfahren gegen das App-Zentrum von Facebook steht noch aus. Trotzdem ist das Netzwerk immer noch nicht vollumfänglich rechtskonform.

Nach eigenen Angaben hat Facebook aktuell 1,23 Milliarden Nutzer. Die Nutzerdaten sind das Gold, das es zu schürfen gilt. Denn die Haupteinnahmequelle von Facebook ist und bleibt Werbung und die soll so „sozial“ wie möglich gestaltet sein. Werbung soll nicht aufdringlich daher kommen. Sie soll unauffällig, aber bestimmt das Interesse des Nutzers wecken. Facebook hat dafür den Begriff der „sozialen Werbeanzeigen“ geschaffen. Interagiert der Nutzer mit einem Produkt, einer Marke oder einem Unternehmen auf Facebook, in dem er beispielsweise "Gefällt mir" klickt oder Anzeigen auf Facebook teilt, dürfen Unternehmen diese Informationen für Werbung auf Facebook verwenden. Im Profil von Freunden wird dann angezeigt, dass zum Beispiel Paul Coca Cola mag. Für Unternehmen sind solche „sozialen Werbeanzeigen“ eine nie da gewesene Möglichkeit, ihre Produkte und Dienstleistungen zu bewerben. Die Nutzer werden selbst nämlich ungefragt zu Werbefiguren. Jeder Like, jedes Teilen wird zu einer persönlichen Empfehlung an die Facebook-Freunde – häufig ohne das Wissen der Nutzer.

Du willst es doch auch!

Fast jeder neue Dienst auf Facebook ist in den Einstellungen erst einmal für alle Nutzer voreingestellt, so auch „soziale Werbeanzeigen“. Facebook entscheidet damit, dass alle Nutzer die Neuerung verwenden möchten. Erst wenn der Nutzer erfährt, dass es einen neuen Dienst auf Facebook gibt, kann er in den vielen vielen Einstellungen suchen wo er den Dienst gegebenenfalls ausstellen kann. Unter Facebook-Werbeanzeigen bei "Einstellungen für soziale Werbeanzeigen bearbeiten" kann der Nutzer zum Beispiel angeben, dass "Niemand" soziale Handlungen auf Facebook mit Werbeanzeigen kombinieren darf. So kann der Nutzer dann doch die „sozialen Werbeanzeigen“ umgehen. Diese Vorgehensweise von Facebook ist wie so oft datenschutzrechtlich nicht zulässig. Über die pauschale Einwilligung in die Allgemeinen Geschäftsbedingungen kann Facebook keine rechtlich wirksame Einwilligung in „soziale Werbeanzeigen“ erhalten. Eine solche Einwilligung muss besonders hervorgehoben sein, sowie bewusst und eindeutig erteilt werden. Da der Nutzer selbst zur Werbefigur eines Unternehmens wird, ist neben seinem Recht auf informationelle Selbstbestimmung, sein Recht auf Bestimmung über seine Selbstdarstellung beeinträchtigt.

Kein Entkommen: Facebook ist überall im Netz

Es ist bequem und einfach sich mit seinen Facebook-Daten auf fremden Webseiten wie Spotify anzumelden. Webseiten können so ihr Angebot an den Nutzer anpassen und "sozialer" gestalten. Und der Nutzer muss keinen neuen Account anlegen und sich ein zusätzliches Passwort merken. Facebook übermittelt aber an den Webseitenbetreiber nicht nur die Anmeldedaten, sondern auch alle Daten, die als "öffentlich" eingestellt sind. Viele Informationen wie beispielsweise die Freundesliste, Statusmitteilungen, Fotos, Beiträge, Biografie, Familie und Beziehungen sind standardmäßig als „öffentlich“ voreingestellt. Und Name, Profil- und Titelbilder, Geschlecht, Nutzername und Nutzerkennnummer gelten immer als öffentliche Informationen und können im Gegensatz zu den anderen Informationen nicht datenschutzfreundlicher eingestellt werden. Der Webseitenbetreiber verarbeitet dann diese Daten, die ihm von Facebook übermittelt wurden. Alle Daten, die daraufhin bei der Nutzung des Internetangebots entstehen, überträgt der Webseitenanbieter im Gegenzug zurück an Facebook. Es findet also ein reger Datenaustausch zwischen Facebook und den Webseitenbetreibern statt und das - wieder einmal - ohne Einwilligung der Nutzer. Beide können so ihre Datensammlungen enorm vergrößern und genauere Nutzerprofile bilden.

Mobile Datenkrake Facebook

Immer mehr Nutzer verwenden Facebook mobil – mit der Facebook-App. Die Berechtigungen, die Facebook zur Nutzung der App verlangt, sind sehr umfangreich. Welche das genau sind, bekommt der Nutzer vor der Installation auf einem Android-Smartphone angezeigt. Bei iOS ist das nicht möglich. Umso wichtiger ist es daher bei iOS im Nachhinein die Datenschutzeinstellungen zu prüfen, um den Zugriff beispielsweise auf Kalender und Ortungsdienste zu unterbinden. Nicht alle Freigaben sind nämlich tatsächlich erforderlich, um die App zu nutzen. Insbesondere die Version 4.0 der Facebook App für Android hat für Aufsehen gesorgt und macht deutlich, dass Apps ein wahres Eigenleben führen können. So verlangt die Facebook-App vollen Zugriff auf die Netzkommunikation, d.h. die App kann selbständig WLAN-Verbindungen herstellen und trennen. Zudem verlangt sie Zugriff auf SMS und MMS und weitere personenbezogene Daten wie Kalendertermine. Besonders ärgerlich: Android lässt standardmäßig nicht mehr zu, einzelne Berechtigungen zu erteilen bzw. auszuschließen. Der Nutzer kann also nur allen Zugriffen in vollem Umfang zustimmen oder die App löschen.  

  • 4. Februar 2014
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