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Das Projekt Verbraucherrechte in der digitalen Welt endet am 31.12.2015, so dass diese projektbezogene Internetseite www.surfer-haben-rechte.de nicht mehr weiter aktualisiert werden kann.

Kinderdaten sind Big Business
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Kinderdaten sind Big Business
Europäische Kommission will Kinderdatenschutz stärken

Kinder gehen heute ganz selbstverständlich alleine ins Internet. Nach der aktuellen KIM-Studie sind 62 Prozent der Sechs- bis 13-Jährigen zumindest schon selten im Internet. Besonders beliebt bei den Jüngeren sind kostenlose Spielewebseiten und Soziale Netzwerke. Doch diese Seiten sind oft nur auf den ersten Blick kostenlos – auch Kinder bezahlen im Netz bereits mit ihren Daten. Die EU-Kommission will mit ihrem Entwurf einer Datenschutz-Grundverordnung u.a. auch die Daten von Minderjährigen besonders schützen, doch so ganz gelingt das nicht.

Facebook gibt in seinen neuen Nutzungsbestimmungen an, dass das Soziale Netzwerk das Profilbild und den Namen auch von Minderjährigen für kommerzielle Postings verwenden wird. Klickt beispielsweise der 13-Jährige Paul auf "Gefällt mir" bei Kinderschokolade, darf das Unternehmen diese Informationen für Werbung auf Facebook verwenden. Auf den Anzeigenflächen am rechten Rand im Profil von Freunden wird dann zusammen mit Pauls Profilbild angezeigt, dass ihm Kinderschokolade gefällt.

Daneben werden auf Kinderspielseiten durch Gewinnspiele und Umfragen viele persönliche Daten von Kindern abgefragt. Manche Anbieter verleiten die Kinder sogar dazu, ihre oder die Daten ihrer Freunde Werbepartnern zur Verfügung zu stellen, um neue virtuelle Güter kaufen zu können.

Auch für viele Betreiber von Kinderwebseiten ist die bedeutendste Erlösquelle Online-Werbung. Die gesammelten Daten der Kinder werden zu umfassenden Persönlichkeitsprofilen zusammengefasst und dienen als Grundlage für personalisierte Werbemaßnahmen. Studien zufolge erreicht Online-Werbung fast jedes Kind. Daher verwundert es auch nicht, dass zur Markenbindung auf Kinderwebseiten auch Werbung für Erwachsene, beispielsweise für Autos und Versicherungen, geschaltet wird. Zudem haben Kinder einen wesentlichen Einfluss auf die Kaufentscheidung der Eltern. Alles in allem scheint Online-Werbung besonders auf Kinderwebseiten ein vielversprechendes Geschäft zu sein.

Können Kinder überhaupt selbst in die Datenverwendung einwilligen?

Dienstleistung gegen Daten: So sieht das Geschäft im Netz aus. Die Einwilligung in die Verwendung der Daten gehört damit zur alltäglichen Nutzung des Internets. Zweifelhaft und höchst umstritten ist aber, ob und wenn ja, ab welchem Alter Minderjährige in die Nutzung Ihrer Daten überhaupt einwilligen können. Minderjährige müssen hierfür die erforderliche Einsichtsfähigkeit haben. Entscheidend ist also, ob die Minderjährigen selbst in der Lage sind, die Konsequenzen zu überblicken, wenn ihre Daten von einem Internet-Unternehmen abgefragt und verwendet werden. Bei Kindern und Jugendlichen wird davon ausgegangen, dass die Einsichtsfähigkeit noch nicht im gleichen Maße ausgeprägt ist wie bei Erwachsenen. Zudem kann sie bei Gleichaltrigen ganz unterschiedlich ausgebildet sein. Denn die Fähigkeit zum selbständigen und verantwortungsbewusstem Handeln liegt bei jedem zu einem unterschiedlichen Zeitpunkt vor.

Zu früh: EU-Datenschutz-Grundverordnung setzt Altersgrenze zur Einsichtsfähigkeit auf 13. Lebensjahr

Bisher ist das Alter zur Annahme der Einsichtsfähigkeit von Minderjährigen in die Datenverwendung nicht festgelegt. Im Moment muss immer in der konkreten Situation entschieden werden, ob der Minderjährige selbst einwilligen kann oder stellvertretend die Einwilligung der Eltern erforderlich ist. Das führt insbesondere bei Internet-Unternehmen zu einer großen Rechtsunsicherheit. Sie können nicht die jeweilige individuelle Einsichtsfähigkeit prüfen. Zudem müssen sie für jeden  Datenverarbeitungsvorgang festlegen, ob die Einwilligung des Minderjährigen ausreicht und wann die Einwilligung der gesetzlichen Vertreter erforderlich ist.

Der aktuell diskutierte Entwurf der EU-Datenschutz-Grundverordnung schafft in Artikel 8 erstmalig eine eigene Regelung zur Verarbeitung personenbezogener Daten von Kindern und damit zum Kinderdatenschutz. In ihrem inoffiziellen Entwurf hatte die EU-Kommission noch festgelegt, dass Kinder unter 18 Jahren die Einwilligung der Eltern benötigen. Im aktuell diskutierten Entwurf ist die Kommission zurück gerudert und hat leider die Altersgrenze auf das 13.Lebensjahr herab gesetzt. Sie hat sich hierbei an dem Children’s  Online Privacy Protection Act der USA, der den Umgang von Anbietern mit personenbezogenen Daten von Kindern im Internet regelt, orientiert.

Die komplexen und häufig intransparenten Datenverarbeitungsvorgänge im Internet, die sich in Zeiten von Big Data und Cloud Computing immer mehr potenzieren, sprechen dafür, dass das 13. Lebensjahr zu früh ist, um diese zu durchschauen und selbstbestimmt in die Verwendung der Daten einzuwilligen. Um der besonderen Schutzbedürftigkeit von Kindern Rechnung zu tragen, muss die Altersgrenze angehoben werden.

Flexible Altersgrenzen für die Einsichtsfähigkeit festlegen

Medienpädagogen und Datenschutzaufsichtsbehörden sind gemeinsam mit der Medienwissenschaft aufgerufen, zu erforschen, ab welchem Alter Kinder eine solche Einsichtsfähigkeit entwickeln. Erst dann können gesetzliche Regelungen hierzu festgelegt werden. Bis dahin könnten zusammen mit den Datenschutzaufsichtsbehörden für einzelne Bereiche wie auch im Arbeits- und Sozialrecht Altersgrenzen festgelegt werden. Dabei muss dann wieder der individuelle Reifegrad des Minderjährigen sowie der Zweck der Einwilligung berücksichtigt werden. Danach sollte es für Kinder und Jugendliche beispielsweise möglich sein, einen Newsletter der Lieblingswebseite zu abonnieren oder sich auf einer Lernplattform zu registrieren. Das Anmelden für ein Soziales Netzwerk wie Facebook oder die Einwilligung zur Weitergabe von Daten an Dritte zu Marketingzwecken sollte hingegen durch die Eltern erfolgen müssen. So können Kinder und Jugendliche langsam an die neue Internetwährung „Daten“ herangeführt werden und ein Bewusstsein entwickeln, wann die Preisgabe ihrer Daten sinnvoll und erforderlich ist.

Nicht immer leicht: Einwilligungserklärungen durch die Eltern

Auch bei der Einwilligung durch die Eltern, haben Anbieter große praktische Schwierigkeiten. Häufig werden für die Einwilligung Klick-Boxen eingesetzt. Hier müssen Kinder die E-Mail-Adresse der Eltern angeben und diese müssen dann der Datenverwendung zustimmen. Jedoch können Kinder natürlich auch ihre E-Mail-Adresse hier angeben und demnach selbst zustimmen. So ist auch dieses Verfahren nicht vollständig sicher, weil es durch den Minderjährigen umgangen werden kann.

Ein Muss: Kinderfreundliche Datenschutzbestimmungen

Wenn Minderjährigen einsichtsfähig sind und damit selbst einwilligen können, ist es von entscheidender Bedeutung, dass ihnen auch die erforderlichen Informationen gegeben werden. Datenschutzerklärungen müssen in einfacher Sprache verständlich gefasst sein. Die einzelnen Einwilligungen in die Datenverarbeitung müssen so gestaltet sein, dass der Minderjährige erkennt, worin er tatsächlich einwilligt. Denn auch schon bisher ist das größte Problem bei der Einwilligung die mangelnden Informationen. 

  • 15. Oktober 2013
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