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Das Projekt Verbraucherrechte in der digitalen Welt endet am 31.12.2015, so dass diese projektbezogene Internetseite www.surfer-haben-rechte.de nicht mehr weiter aktualisiert werden kann.

Quantified-Self - Die Selbstvermessung des Ich
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Quantified-Self - Die Selbstvermessung des Ich
Die Reise ins Ich

Der nächste Urlaub steht an und bis zur knackigen Bikinifigur oder dem Sixpack ist es noch ein weiter und schier aussichtloser Weg? Nicht unbedingt! Kleine Helfer in Form von Apps für Smartphones können Verbraucher motivieren und unterstützen, den inneren Schweinehund zu überwinden und dem gewünschten Ziel näher zu kommen. Quantified-Self-, Lifestyle-, Live-Tracker- oder Selftracking-Apps: Das sind Schlüsselbegriffe für ein selbstkontrolliertes und bestimmtes Leben. Für jeden ist etwas dabei, sei es zur Überwachung des Blutdrucks, des Kalorienverbrauchs, des Schlafs oder für sportliche Aktivitäten. Doch bei dieser Art der elektronischen Selbstvermessung fließen Daten in Strömen. Hier ist Vorsicht geboten.

Quantified-Self-Dienste dienen zur Erfassung und Auswertung persönlicher gesundheitsbezogener Daten. Die Hintergründe und Motive zur sogenannten elektronischen Selbstvermessung sind vielseitig: zur Steigerung der körperlichen Fitness oder zur Gewichtsreduktion, aber auch als Instrument der Selbstbeobachtung und Analyse des eigenen Verhaltens, der Ernährung, der Gesundheit.

Wie funktionieren Quantified-Self-Apps?

Die Daten des Nutzers werden mittels Quantified-Self-Apps entweder per GPS oder durch kleine mit Bewegungssensoren versehene Geräte in Form von Armbändern, Brust- oder Pulsgurten, Sticks oder Clips übermittelt. So kann jeder Schritt oder jede Inaktivität mit weiteren gesundheitlichen und körperlichen Daten wie Allergien, Größe, Gewicht, Alter und Geschlecht des Nutzers kombiniert und analysiert werden, um zum Beispiel den täglichen Kalorienverbrauch zu errechnen. Die Auswertungsergebnisse können mittels W-Lan, USB-Stick oder Bluetooth auf den heimischen Computer übertragen, Statistiken geführt und bei Bedarf beispielsweise das Trainingsprogramm angepasst werden. Über (Miss-) Erfolge können sich Nutzer in Foren und Blogs austauschen, Fotos und Rezepte hochladen und untereinander ihre Erfahrungen austauschen und sich gegenseitig Tipps geben.

Und der Datenschutz?

Quantified-Self-Dienste funktionieren nur durch die Eingabe und Erhebung persönlicher, teilweise höchst sensibler Daten der Nutzer. Diese zusammengeführten Daten verbleiben in der Regel nicht auf dem heimischen PC, sondern werden auf den Servern der Anbieter oder gar in einer Cloud  gespeichert. Dadurch besteht immer ein gewisses Sicherheitsrisiko durch Angriffe auf die technische Infrastruktur des Anbieters durch unbefugte Dritte, so dass die Daten dadurch auch schnell in die falschen Hände geraten können. Aber auch für die Wirtschaft, den Staat, die Forschung oder gar für den Gesundheitsbereich wie Pharmaindustrie und Krankenkassen besteht theoretisch ein gewisses Missbrauchspotential. Es bleibt abzuwarten, wie lange etwaige Gebührenzuschläge der Krankenkassen bei Fettleibigkeit, Rauchern oder Sportmuffeln noch Zukunftsvision bleiben.

Teilweise haarsträubende Datenschutzbestimmungen

Eine stichprobenartige Untersuchung von Quantified-Self-Diensten durch das vzbv-Projekt hat ergeben, dass sich die Anbieter in ihren Allgemeinen Geschäftsbedingungen und Datenschutzbestimmungen umfassende Rechte hinsichtlich der Nutzerdaten einräumen. Danach dürfen diese bei einzelnen Diensten unter anderem auch zu Werbezwecke verwendet und an nicht weiter definierte Dritte weiter gegeben werden. Aus körper- und gesundheitsbezogenen Daten in Kombination mit bestimmten Verhaltensmustern lassen sich sehr genaue Rückschlüsse auf die jeweilige Person ziehen. Dass der 35-jährigen Hans Müller aus Hamburg, der mit seinem Samsung-Handy mit der Gerätekennung 12341a5b6c7890 und dem Betriebssystem Android 4.2 über das Mobilfunknetz der Telekom telefoniert und im Internet surft und jeden Morgen bei einem Pulsschlag von 130 seine 10 Kilometer an der Alster entlang joggt, um weitere 5 Kilogramm an Gewicht zu verlieren und seinen Body-Mass-Index von 30 weiter zu reduzieren, ist nicht nur für den eigenen Diensteanbieter von Interesse, sondern weckt unter Umständen auch Begehrlichkeiten Dritter, wie Werbeunternehmen, Krankenkassen oder Versicherungen.

In unserer neuen Rubrik Quantified-Self-Dienste sind weitere Informationen über die Überprüfung der Dienste enthalten, aber auch Empfehlungen an die Diensteanbieter sowie eine Checkliste zum sicheren Gebrauch solcher Selbstvermessungsdienste.

  • 6. Juni 2013
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