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Das Projekt Verbraucherrechte in der digitalen Welt endet am 31.12.2015, so dass diese projektbezogene Internetseite www.surfer-haben-rechte.de nicht mehr weiter aktualisiert werden kann.

Die Spielregeln der Spielehersteller: Zusatzsoftware, Online- und Registrierungszwang

Die Spielregeln der Spielehersteller: Zusatzsoftware, Online- und Registrierungszwang
Die Spielregeln der Spielehersteller: Zusatzsoftware, Online- und Registrierungszwang

Der Computerspielmarkt hat sich im Laufe der Jahre stark verändert. Ein Spiel zu kaufen, die Software auf den Rechner zu installieren und dann ohne Weiteres los zu legen ist mittlerweile die große Ausnahme. Zusatzsoftware, Registrierungs- und Onlinezwang sind die Schlüsselbegriffe für Computerspiele von heute. Spieler fühlen sich deshalb zunehmend von den Spieleherstellern gegängelt.

Heutzutage muss sich der Verbraucher, neben der Installation der eigentlichen Spielsoftware, unter Umständen noch die Zusatzsoftware einer Vertriebsplattform wie Steam, Origin oder UPlay herunterladen, dort ein Kundenkonto („Account“) anlegen, sein Spiel registrieren und während der gesamten Spielzeit in den Account eingeloggt sein – unabhängig davon, ob man das Spiel auch gegen andere Spieler spielen möchte oder nicht.

Spielen nur über die Vertriebsplattform des Anbieters

Bei Online-Games bieten die Anbieterplattformen die technischen Voraussetzungen, um gemeinsam zu spielen, losgelöst von Zeit und Raum. Die Spieler erhalten außerdem automatische Softwareupdates und können ihre Spielstände global speichern, so dass diese auch bei einer Neuinstallation des Spiels erhalten bleiben. Sie können sich untereinander vernetzen, chatten und sich in Bestenlisten vergleichen. Dies macht für viele Verbraucher den Reiz des Onlinespielens aus.

Aber dieser angebotene „Service“ der Spielehersteller hat auch Schattenseiten. Aufgrund der zwangsweisen Registrierung und der Erstellung eines Spieler-Accounts sind Nutzer zum Spielen immer an diese Plattform und damit an einen Hersteller gebunden. Darüber hinaus besteht bei plattformgebundenen Spielen immer die Gefahr, dass die dort hinterlegten Datenbanken gehackt werden. Bei den hinterlegten Daten auf den Servern der Anbieter handelt es sich nicht nur um Spielstände und registrierte Software, sondern auch um sensible Daten wie Name, Anschrift, Mail-Adresse und gegebenenfalls auch Kreditkarteninformationen. Zu solchen Hacking-Angriffen kam es in der Vergangenheit immer wieder.

Zusatzsoftware = Schnüffelsoftware?

Immer wieder in der Kritik steht auch die zur Nutzung eines Spiels erforderliche Installation einer Zusatzsoftware, die in der Spieler-Community als „Schnüffel- oder Spionagesoftware“ betitelt wird. In der Vergangenheit stand derartige Software unter dem Verdacht, die Computer der Verbraucher zu überwachen und diese Informationen zu verwerten. Letztlich konnte bislang nicht hundertprozentig belegt werden, was derartige Software tatsächlich auf den privaten Computern der Nutzer macht. Einen faden Beigeschmack hat das Ganze dennoch.  

Onlinezwang

Viele Computerspiele können nur noch bei laufender Internetverbindung gespielt werden. Der Spielgenuss wird somit schnell getrübt, wenn seitens des Spielers die Internetverbindung gestört ist oder die Server des Anbieters überlastet sind und damit eine Anmeldung über den Account zur Nutzung des Spiels ausgeschlossen ist. Zu solchen Ausfällen kommt es oft, wenn Spiele neu am Markt erscheinen und viele Spieler auf die Server der Anbieter zugreifen. Unerfreulich für die Verbraucher, die für viel Geld eine Software gekauft haben, die sie mitunter mehrere Tage nicht nutzen können.

Der Onlinezwang ist höchst fraglich und besonders für die Verbraucher ärgerlich, die ein Spiel im Einzelspielermodus nutzen wollen. Es ist nicht möglich, das Spiel durchgängig fortzuführen oder zu spielen, wenn man nur ein begrenztes Transfervolumen bei seinem Internetanbieter gebucht hat und dieses aber aufgebraucht ist.

Die Spielehersteller rechtfertigen hingegen den Online- und Registrierungszwang mit Kopierschutzmaßnahmen, deren Sinn und Wirksamkeit, vor allem im Singleplayermodus,in der Öffentlichkeit und sogar von vielen „ehrlichen“ Spielern immer wieder angezweifelt werden.

Verbraucherinformation ist das A und O

Eine umfängliche Verbraucherinformation über die Voraussetzungen zur Nutzung eines Spiels ist unabdingbar, und zwar vor dem Kauf der Spielesoftware! Die Informationen dürfen sich nicht nur auf die Systemvoraussetzungen beschränken, sondern müssen über alle für die Nutzung des Spiels erforderlichen Bedingungen informieren, wie zum Beispiel eine dauerhafte Internetverbindung, Zwangsregistrierung eines Spieler-Accounts oder Herunterladen einer Zusatzsoftware.

Wegen fehlender Informationen auf der Spieleverpackung hatte der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) bereits in der Vergangenheit Unterlassungsverfahren gegen die Spielehersteller Electronic Arts und Blizzard geführt.

Wünsch Dir was!

Verbraucher fühlen sich zunehmend von den Spieleherstellern bevormundet. Es mehren sich die Stimmen genervter Spieler, die nicht bereit sind, sich diesen Zwängen zu fügen. Dauerhafte Internetverbindung, Zwangsregistrierung des Spiels über einen Spieler-Account, Installation einer Zusatzsoftware, all das sind Dinge, die zu einer Abhängigkeit des Verbrauchers vom Spielehersteller führen. Die Spielehersteller geben die Spielregeln vor, das heißt entweder die Verbraucher fügen sich diesen Vorgaben oder sie lassen bewusst die Finger von solcher Spielesoftware.

Es sollte Spielern frei gestellt sein, ob die Spiele über einen Account einer Vertriebsplattform genutzt werden müssen oder, ob zum Beispiel die Spielstände auch lokal auf dem heimischen PC abgespeichert werden können. Dasselbe gilt für eine Internetverbindung im Einzelspielermodus. Auch hier sollte sich der Verbraucher dafür oder dagegen entscheiden können.  

  • 8. Mai 2013
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