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Das Projekt Verbraucherrechte in der digitalen Welt endet am 31.12.2015, so dass diese projektbezogene Internetseite www.surfer-haben-rechte.de nicht mehr weiter aktualisiert werden kann.

Warum uns E-Books nicht gehören (sollen)

Warum uns E-Books nicht gehören (sollen)
Das Urheberrecht: Buch ist nicht gleich E-Book

Wir gehen in einen Buchladen und kaufen den neuen Roman von Arne Dahl. Wir lesen ihn, leihen ihn unseren Freunden aus und beim nächsten Umzug verkaufen wir ihn auf dem Flohmarkt, um endlich wieder Platz im Regal zu haben. Das alles ist zurzeit bei den meisten E-Books nicht möglich. Nutzer fragen Warum? – völlig zu Recht!

In einem Grundsatzurteil hat der Europäische Gerichtshof (EuGH) im Juli 2012 den Weiterverkauf von gebrauchter Software, die durch Herunterladen von einer Webseite erworben wurde, klar bejaht. Der Erwerber erhält durch die Zahlung eines Entgelts für die unbefristete Nutzungslizenz das Eigentum an der Software mit der Folge, dass er diese auch weiterverkaufen darf. Mit dem Weiterverkauf muss der ursprüngliche Erwerber die auf seinen Computer heruntergeladene Kopie unbrauchbar machen. Das Urteil gilt zwar nicht unmittelbar für den Weiterverkauf anderer digitaler Güter, wie zum Beispiel MP3-Dateien oder E-Books, die Überlegungen des EuGH lassen sich aber auch darauf übertragen.

Die Nutzungsbedingungen der Anbieter - nicht nutzerfreundlich

Unabhängig vom Urheberrecht spielen auch die Vorgaben der Anbieter für die Nutzung digitaler Güter eine große Rolle. So steht in den meisten Nutzungsbedingungen, dass die Nutzer kein Eigentum an den digitalen Gütern wie E-Books erwerben, sondern nur ein Nutzungsrecht erhalten. Damit verbunden ist in der Regel auch, dass ein Weiterverkauf nicht gestattet ist. Eine Ausnahme ist hier der Buchverlag O´Reilly: Hier kaufen Nutzer tatsächlich E-Books und können sie auch wieder verkaufen.

Dazu kommt, dass die meisten E-Books mit einem Kopierschutz (DRM) versehen sind und diesen zu umgehen ist verboten. Und noch etwas haben sich die Anbieter ausgedacht: Viele digitale Inhalte sind mit einem Nutzerkonto verbunden. Um ein E-Book auf Amazon runterzuladen, braucht der Nutzer beispielsweise ein Kindle-Konto. Die Übertragung eines solchen Accounts auf Dritte ist ebenso nicht möglich. Also auch wenn ein E-Book oder Spiel weiterverkauft oder verschenkt werden darf, nützt das dem Käufer oder Beschenkten wenig, wenn das Spiel nur über einen Account genutzt werden kann, wenn dieser nicht übertragbar ist.

Es scheint, als wenn die Anbieter ihre Geschäftsmodelle so ausgestalten, dass zum einen ein Gebrauchtmarkt von digitalen Inhalten verhindert wird und zum anderen die Nutzer durch die Bindung an Nutzerkonten ewig an die Anbieter gebunden werden. Kein Wunder, denn wenn früher gebrauchte Bücher noch Eselsohren hatten, nutzen sich digitale Inhalte nicht ab. Ein Gebrauchtmarkt für digitale Güter drückt also den Umsatz.

vzbv setzt sich für ein nutzerfreundliches Urheberrecht ein

Der vzbv führt aktuell gegen zwei Online-Buchhändler Verfahren vor Gericht, um klären zu lassen, dass auch für E-Books ein Weiterverkaufsrecht gilt. Das Projekt Surfer haben Rechte hat sich einem anderen Bereich angenommen: Dem Online-Spielemarkt. Hier ist bereits seit einigen Jahren zu beobachten, dass der Trend zur Knüpfung des Spiels an eine Plattform geht. Viele Spiele von Valve sind beispielsweise nur über die Online-Plattform Steam nutzbar. Ist das Spiel also erst einmal mit einem individuellen Steam-Account verbunden worden, kann der Nutzer es nicht mehr gebraucht verkaufen. Es handelt sich bei einer solchen einmal registrierten und plattformgebundenen Software also schlicht und ergreifend um ein Wegwerfprodukt. Und das, obwohl die Software äußerlich und technisch völlig intakt ist. Das Projekt sieht hierin ganz klar einen Wettbewerbsverstoß.

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  • 27. November 2012
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