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Das Projekt Verbraucherrechte in der digitalen Welt endet am 31.12.2015, so dass diese projektbezogene Internetseite www.surfer-haben-rechte.de nicht mehr weiter aktualisiert werden kann.

Selbstverpflichtung der Online-Werbewirtschaft: Tatsächlicher Schutz vor Tracking?

Selbstverpflichtung der Online-Werbewirtschaft: Tatsächlicher Schutz vor Tracking?
Surfen mit Zuschauern

Eine neue Selbstregulierungsinitiative der deutschen Online-Werbewirtschaft soll Nutzer effektiv vor „Verfolgung“ im Netz schützen, wenn diese das wollen. Dazu wurde extra der Deutsche Datenschutzrat Online-Werbung (DDOW) gegründet. Kann der halten, was er verspricht?

Gehört hat jeder von ihnen: den Cookies, die auf dem eigenen Computer landen. Sie sorgen nicht nur für einen unbeschwerten Onlineeinkauf, sondern können auch das Surfverhalten des Nutzers beobachten - über viele Webseiten hinweg, so genanntes Tracking. Dabei entstehen umfassende Nutzerprofile mit dem Ziel, die Werbung auf den Webseiten auf die Vorlieben des Nutzers abzustimmen. So sieht Sie bei Spiegel Online eine Reklame für Kinderbekleidung und Er eine Autowerbung. Das kann den Vorteil haben, dass der Nutzer nur das zu sehen bekommt, was ihn auch wirklich interessiert. Aber es besteht auch die Gefahr, dass er mangels Kontrollierbarkeit in Profilkategorien eingeordnet wird, die mit seinen wirklichen Interessen nicht viel gemein haben. Und viel gravierender: Der Nutzer wird oft nicht über den Einsatz von Cookies informiert, geschweige denn um seine Einwilligung dafür gebeten. Dabei kann ein so erstelltes Nutzerprofil über Jahre bestehen bleiben und sehr viele, sehr intime Informationen erhalten.

Selbstverpflichtung der Online-Werbewirtschaft

Die Werbewirtschaft hat am 14. April 2011 auf europäischer Ebene einen Selbstverpflichtungsrahmen für die Nutzung von verhaltensbasierter Werbung veröffentlicht, der nun in Deutschland durch die Gründung des Deutschen Datenschutzrats Online-Werbung umgesetzt wurde. Die Selbstverpflichtung sieht vor, dass externe Werbeanbieter ihre Werbung mit einem Symbol kennzeichnen sollen, wenn sie Technologien zur Nachverfolgung der Nutzer verwenden.

Wenn die Nutzer auf dieses Icon klicken, sollen sie erfahren, welche Unternehmen Daten zu ihrem Surfverhalten sammeln und wie sie das unterbinden können. Zusätzlich stellt die Online-Werbewirtschaft eine Informationsseite www.meine-cookies.org bereit, wo Nutzer dem Tracking zentral widersprechen können, indem sie sich ein „Opt-out Cookie“ setzen lassen.

Nicht verbraucherfreundlich: Widerspruch statt Einwilligung

Dieses Verfahren ist jedoch gerade für unerfahrene Nutzer nicht transparent. Ihnen wird nicht klar sein, dass sie zu ihrer Nachverfolgung bereits dadurch einwilligen, dass sie keinen Gebrauch von dem Opt-out, also dem Widerspruch, machen. Bis der Nutzer die Anbieterseite aufgerufen und widersprochen hat, werden bereits Daten über ihn gespeichert und verarbeitet. Daher fordert die EU-Privacy-Richtlinie, die in Deutschland immer noch nicht umgesetzt ist, auch eine aktive Einwilligung der betroffenen Person vor der Erhebung und Verarbeitung der Daten.

Auch das neue Symbol ist weniger hilfreich für die Nutzer, wenn es nicht bekannt ist, gut sichtbar und deutlich hervorgehoben. Anderenfalls erkennen die Nutzer das Symbol nicht und können sich dementsprechend auch nicht vor der Nutzerverfolgung schützen.

Und selbst erfahrene Nutzer werden durch dieses Opt-out Verfahren auf die Probe gestellt. Sind das wirklich alle Anbieter von verhaltensbasierter Werbung? Wie erfahre ich, wenn neue Anbieter dazu kommen? Kann ich mir sicher sein, dass diese Anbieter dann auch wirklich keine Cookies setzen?

Darüber hinaus fehlt es auch an Regelungen für die besonders hartnäckigen „Flash-Cookies“, die sich nicht im Browser, sondern tiefer im Computersystem einnisten und schwer zu löschen sind.

Dazu kommt, dass das Verfahren auch nicht praktikabel ist. Löscht der Nutzer beispielsweise alle Cookies in seinem Browser, dann werden auch die vorher von ihm gewünschten Opt-out Cookies gelöscht. So muss der Nutzer also wieder erneut auf meine-cookies.org gehen und seine Opt-Out-Cookies setzen lassen, wenn er keine Nutzerverfolgung wünscht – und das für jeden genutzten Webbrowser. Außerdem kann ein Opt-Out Cookie nicht gesetzt werden, wenn der Nutzer bereits (Drittanbieter)Cookies im Browser deaktiviert hat. Alle gängigen Webbrowser bieten nämlich auch die Funktionen, dass Cookies gar nicht erst gespeichert oder direkt nach dem Schließen des Browsers automatisch gelöscht werden. Wenn Sie keine personalisierte Werbung wünschen, dann aktivieren Sie am besten die Browsereinstellung, mit der Cookies von Drittanbietern – das sind nämlich meistens Werbefirmen – blockiert werden. So schützen Sie sich effektiver vor Tracking als es die Selbstverpflichtung bieten kann.

Die Suche nach einer praktikablen, verbraucherfreundlichen Lösung

Eine verbraucherfreundliche Lösung ist die Selbstverpflichtung nicht. Sie ist weit davon entfernt, für Verbraucher die notwendigen Voraussetzungen zu schaffen, Technologien für Onlinewerbung zu akzeptieren und zu vertrauen. Wesentlich für die Speicherung und den Abruf von Informationen durch Dritte auf den Endgeräten des Nutzers muss seine aktive, informierte und widerrufbare Einwilligung sein, die praktikabel sowohl für den Nutzer als auch für den Anbieter ist. Dafür muss der deutsche Gesetzgeber endlich für die Umsetzung der ePrivacy-Richtlinie sorgen, aber auch die Anbieter müssen weiter an praktischen nutzerfreundlichen Lösungen arbeiten. Eine Nichtentscheidung des Nutzers darf dabei nicht wie jetzt als Einwilligung verstanden werden.

Eine weitere Möglichkeit wären Regelungen für die Voreinstellungen der Webbrowser auf „Nicht-Zulassung“ der Cookies bzw. „Löschen nach Beenden“, sowie tatsächlich funktionierender und transparenter Verwaltungsoptionen. Dabei sollte der Nutzer nicht nur entscheiden können, ob ein „Cookie“ gesetzt wird oder nicht. Er sollte sich auch detailliert über dessen konkrete Funktionen und den Werbeanbieter informieren können.

  • 26. November 2012
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