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Das Projekt Verbraucherrechte in der digitalen Welt endet am 31.12.2015, so dass diese projektbezogene Internetseite www.surfer-haben-rechte.de nicht mehr weiter aktualisiert werden kann.

Bevorzugt Google sich selbst?

Bevorzugt Google sich selbst?
Neue Schritte im Kartellrechtsverfahren der EU

Google kann alles. Aber ist es dabei immer fair zu anderen? Ob Shopping, Flugsuche oder Kartendienste, immer mehr bevorzugt es in den Suchergebnissen dabei die eigenen Angebote. Dabei nutzt es seine marktbeherrschende Stellung auf unfaire Weise gegenüber Konkurrenten aus, so der immer lauter werdende Vorwurf. Auch die Kommission hatte sich eingeschaltet – wir berichteten. Im Fall der Suchergebnisse gibt es Bewegung. Unerwartet gerät auch ein anderer Bereich von Google in den Fokus der Kartellermittler.

Der scheidende Wettbewerbskommissar der EU, Joaquín Almunia, hat sich gestern erneut zum möglichen Kartellverfahren gegen Google geäußert, nachdem es zunächst so aussah, dass er klein bei geben würde. Man erinnere sich: Google wird vorgeworfen, seine Shopping- und Kartendienste systematisch zu bevorzugen, in seiner Bildersuche Inhalte anderer Seiten einzubinden, ohne zu fragen. Außerdem würden Seitenbetreiber dazu angehalten, die auf ihren Webseiten eingeblendete Werbung von Google zu beziehen. Mit seiner Tochter DoubleClick, die die Werbung vermarktet, verdient Google immerhin viel Geld.

Nachbesserungen nicht genug

Almunia forderte jetzt überraschend Nachbesserungen zu den Schlichtungsvorschlägen von Google. Nicht nur seine seine Kommissarskollegen hatten Druck gemacht. Auch die europäische Verbraucherorganisation BEUC hat auf die Nachteile für Verbraucher hingewiesen, die auch wir so sehen: Wäre Google mit seinen Vorschlägen durchgekommen, müssten in Zukunft Mitbewerber für gute Sichtbarkeit bei Flugsuchen oder Shoppingsuchen zahlen. Es gewinnen – neben Google – also wieder diejenigen mit dem meisten Geld, nicht die mit dem besten Angebot. Sollte Google den Forderungen der Kommission nicht weiter entgegen kommen, drohen hohe Strafen. Almunia sprach gestern von „20 formalen Beschwerden, die neue Beweise und handfeste Argumente gegen die von Google gemachten Lösungsvorschläge lieferten.” Aber bis es dann doch zu Strafzahlungen kommt, hat Google noch viele Möglichkeiten, nachzubessern, so das offizielle Verfahren der EU in Kartellrechtsfragen. Dass die Einigung nicht auf Kosten der Verbraucher und Wettbewerber geschieht, muss sich die neue Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager ins Hausaufgabenheft schreiben lassen.

Android neu im Fokus

Neu hinzugekommen sind im Juli Vorwürfe im Smartphone-Bereich. Dort ist Google mit seinem Betriebssystem Android unangefochtener Marktführer – auch wenn Apple gerade mit dem iPhone 6  und der Apple Watch aufholen will. Im Juli berichteten zwei Informanten der Nachrichtenagentur Reuters, dass sich die Kommission deshalb jetzt auch Googles Geschäftsgebaren rund um Android anschauen will.

Wird Android zum Internet Explorer?

Wer sich heute ein Android-Smartphone kauft, findet fast immer die Google-Map-App, Google-Music, Google-Play-Books, Google-Chrome, Google-Drive, Gmail und das soziale Netzwerk Google+ auf dem neuen Gerät. Abgesehen davon, dass diese Apps immer auch Speicherplatz fressen, gibt es vernünftige Alternativen zu all diesen Apps. Und wer sich die aufspielt, etwa den Karten- und Navigationsdienst Openstreetmaps, der wird die Googlevariante nicht mehr los. Denn diese Apps lassen sich oft nur schwer oder gar nicht deinstallieren.

Die Muster gleichen sich: Wer in den 2000er Jahren im Internet gesurft ist, tat dies wahrscheinlich mit dem Internet Explorer – der war auf allen Windowscomputern vorinstalliert, warum hätte man sich etwas anderes herunterladen sollen? Erst Firefox und Chrome brachten Schwung und neue Innovationen in die Browser von damals – mit großen Einstiegshürden, die Ihnen Microsoft mit seiner Politik der Vorinstallation auferlegte.

Ärgerlich für Verbraucher – und Konkurrenten

Genauso wie der Internet Explorer von Microsoft lange Zeit nicht herausgefordert war, besser zu werden, verhindert die Marktmacht von Google, dass sich andere Konkurrenten durchsetzen können. Die intensive Verknüpfung von Betriebssystem mit anderer Software könnte jetzt also auch der Kommission ein Dorn im Auge sein. Für ein freies, selbst zu bestimmendes Betriebssystem könnte das dann der erste Schritt sein. Beim Internet Explorer hat es geholfen. Damit Verbraucher auch auf dem Smartphone selbst entscheiden können, welche Apps sie nutzen und welche besser nicht.

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