Skip to content Skip to navigation

Das Projekt Verbraucherrechte in der digitalen Welt endet am 31.12.2015, so dass diese projektbezogene Internetseite www.surfer-haben-rechte.de nicht mehr weiter aktualisiert werden kann.

Smartes Fernsehen – smart überwacht?

Smartes Fernsehen – smart überwacht?
Nicht mehr anonym auf dem Sofa?

Bereits im April berichteten wir über Datenschutzprobleme bei smarten Fernsehern. Damals gewannen die Fernseher, die zurückschauen und die Fernsehgewohnheiten ihrer Besitzer aufzeichnen, einen BigBrotherAward. Jetzt tut sich was, denn auch die Datenschutzbeauftragten der Länder und die Landesmedienanstalten fordern: Anonymes Fernsehen muss möglich bleiben.

Die smarten Fernseher verwenden den sogenannte HbbTV Standard. Vergleichbar mit dem Videotext oder der digitalen Programmzeitschrift können dabei zusätzliche Informationen auf den Bildschirm geworfen werden. Dabei wird ein weiterer Kanal für den Informationsfluss geschaffen, der zweiseitig ist. Die Daten laufen also nicht mehr nur in die eine Richtung zum Zuschauer, sondern können auch zurück an die Sender oder Programmbetreiber fließen.

Anonymes Fernsehen könnte damit schon bald passé sein. Denn natürlich interessieren sich die Sender in Zeiten von Quotendruck und sinkender Werbeeinnahmen verstärkt dafür, wer wann wie lange zusieht. Und weil nicht nur die Inhalte von Fernsehen und Internet zusammenwachsen, sondern auch die Analysemethoden, sind sehr genaue Nutzerprofile möglich. Google Analytics, jetzt schon Marktführer bei der Analyse von Webseitenbesuchern, drängt auch in den TV-Bereich. Mittels des sogenannten „Red Buttons“, also eines roten Knopfes, werden Verbraucher aufgefordert, eine Webseite mit Zusatzinformationen aufzurufen. Der Sender – und Google Analytics – weiß dann, dass der Zuschauer eingeschaltet hat. Und Google weiß in Zukunft nicht nur, welche Webseiten wir aufrufen, sondern auch, welches Fernsehprogramm uns gefällt.

Datensammeln nur mit Einwilligung

Die Landesanstalt für Medien in Nordrhein-Westfalen und der Düsseldorfer Kreis, ein Gremium aller Landes- und der Bundesdatenschutzbeauftragten, fordern deshalb gleichermaßen, dass Fernsehen auch weiterhin anonym bleiben müsse. Die Landesanstalt für Medien in NRW fordert in einer Pressemitteilung: „Wenn der Zuschauer im Internet surft, müsse er der Erfassung seiner Nutzung widersprechen können. Dazu bedarf es einer datenschutzgerechten Ausstattung der Smart-TV-Geräte - auch jenseits von HbbTV -, einer klaren und transparenten Nutzerinformation sowie der ausdrücklichen vorherigen Zustimmung der Nutzer, dass ihre Daten gespeichert werden.“

Vertrauensbruch der Hersteller

Aufsehen erregte jüngst ein Fall, in dem ein Fernseher mit Internetverbindung, aber ohne HbbTV-Standard, Daten über das Nutzungsverhalten der Verbraucher gesammelt hatte und über das Internet an die Hersteller übertrug. Dass die Sammlung des Nutzungsverhaltens als Standardeinstellung gesetzt ist, ist schon schlimm genug. Aber auch nachdem ein Nutzer aus Großbritannien die Datenübertragung in den Einstellungen des Fernsehers abschaltete und anschließend den Internetverkehr seines Smart-TVs analysierte, stellte er fest, dass der Fernseher immer noch sein Nutzungsverhalten an den Hersteller schickte.

Privacy by Default – Datenschutzfreundliche Standardeinstellungen

Nach Ansicht des Düsseldorfer Kreises müssen die Hersteller von Smart-TVs und die Fernsehsender beim HbbTV das Prinzip „privacy by default“ strikt beachten. Nur wenn ich als Verbraucher in die Nutzung meiner Daten einwillige, dürfen diese überhaupt verarbeitet werden. Und gerade bei technischen Innovationen wie Smart-TV oder auch dem vernetzten Haus nehmen Datenschutz und das Vertrauen in die Firmen eine Schlüsselrolle ein, sonst werden Verbraucher auf die Anschaffungen verzichten.

Auch der vzbv fordert datenschutzfreundliche Grundeinstellungen in allen Bereichen schon lange. Erneut zeigt sich damit, wie wichtig eine schnelle Verabschiedung der Datenschutzverordnung der EU wäre. Denn diese würde Verbraucher vor solchen Fällen schützen. Die Bundesregierung muss daher in den Verhandlungen den europäischen Datenschutz endlich voran bringen.

Wie man es richtig macht, zeigen übrigens die öffentlich-rechtlichen Sender. Laut Stiftung Wartentest (5 / 2014) verzichten diese auf das Verbrauchertracking im HbbTV und setzen weder Google Analytics noch andere Trackingsoftware ein. Im Gegensatz zu den Privatsendern.

Schlagworte: